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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

http://www.underwatersculpture.com
34 mal angesehen
06.01.2010, 20.38 Uhr

Tauchen im Museum

Bereits vor einigen Monaten bin ich schon einmal über den Künstler Jason de Caires Taylor gestolpert. Er erschafft menschliche Skulpturen aus Beton und rostfreiem Stahl, die aber nicht in normalen Ausstellungen oder Museen gezeigt werden. Denn diese Orte empfindet er als zu steril. Besucher würden dort nur anständig davorstehen, es entsteht keine Interaktion. Als Taucher kam er auf die Idee, seine Kunstwerke im Meer zu versenken. Unterwasser wirken die Skulpturen nicht nur größer und näher, Betrachter können auch um sie herumschwimmen und von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten. Die verschiedenen Lichtverhältnisse an bewölkten oder sonnigen Tagen verleihen der Szenerie einen zusätzlichen Reiz.

Doch auch die Natur wirkt auf Taylors Kunst. Sie erobert sie, bildet Ablagerungen, auf denen Pflanzen und Korallen ansässig werden. Es entstehen richtige kleine Riffe, in denen sich auch Fische, Krabben und andere Tiere ansiedeln. So beeinflusst von ihrer Umgebung, sehen die Skulpturen jedes Jahr und jede Minute anders aus.

Ein ganzer Skulpturenpark steht bereits seit dem Jahr 2006 vor Grenada. 65 menschliche Figuren sind auf einer Fläche von 800 Quadratmetern und in einer Tiefe von etwa 5 Metern auf den Meeresgrund versenkt worden. Zu sehen sind unter anderem ein Mann, der vor einer Schreibmaschine sitzt oder ein Fahrradfahrer. Am beeindruckendsten ist wohl ein Kreis aus 26 Kindern, die sich an den Händen halten. Dieser wurde aus Abgüssen von real existierenden Kindern erschaffen.

Ganz aktuell lässt der Brite neue Figuren vor der Küste Mexikos versenken. Innerhalb von zwei Jahren soll ein regelrechter Tauchpark mit 400 „Ausstellungsstücken“ an einer Stelle entstehen, dessen Unterwasserwelt durch Hurricanes so gut wie zerstört wurde. Nicht nur, dass sich durch die harten Oberflächen neue Korallenriffe ansiedeln können und die Artenvielfalt im Meer erhöht wird. Das Land möchte damit seine anderen Korallenriffe entlasten, die jedes Jahr von zahlreichen Tauchern besucht und auch zerstört werden.

Ganz unumstritten ist dies trotzdem nicht. Manche argumentieren, dass die Figuren trotzdem Fremdkörper im Meer sind und dort nicht hingehören, und dass das Meer besser durch strenge Begrenzungen beim Fischfang, Ölbohrungen und Tauchtourismus geschützt wird. Allerdings kann ein Land wie Mexiko kaum auf die Einnahmen durch den Tourismus verzichten können, insofern ist es gut, wenn ein solches Projekt bestehende Riffe entlastet. Eine neue „Ausstellung“ ist übrigens in Crotone im Südosten Italiens geplant.

[www.underwatersculpture.com] (Foto)
[www.zeit.de]
[www.always-inspiring-more.com]
[www.natur.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

10.01.2010 11:11 Silence
sehr cool :)
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