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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Oliver Haja / www.pixelio.de
61 mal angesehen
14.01.2010, 21.07 Uhr

Faire (Marken-)Schokolade

Eine meiner großen Schwächen ist wohl meine Schokoladen-Sucht. Auch wenn die schon mal noch schlimmer ausgeprägt war und sich derzeit einigermaßen in Grenzen hält, liegt doch immer irgendwo eine Tafel Schokolade in der Wohnung herum. Gekauft wird nach Geschmack – oder manchmal bewusst auch nicht nach Geschmack, denn die Lieblingsschokolade ist immer sofort komplett weggemampft, die Naja-geht-so-Schokolade stillt schon nach einem Stück den schlimmsten Jieper. Das spart doch die eine oder andere Kalorie ein . Worauf ich aber hinaus will: Fairtrade habe ich bisher eher selten gekauft. Lag wohl vor allem daran, dass die Auswahl eher gering ist und an meiner Faulheit genauer hinzukucken.

Wenn man sich allerdings mit dem Thema Kakaoproduktion ein wenig befasst, kommt einem das kalte Grausen. An der Elfenbeinküste, wo ein Großteil des Kakaos angebaut wird, schuften Menschen unter schlimmsten Bedingungen. Sie bekommen kaum genug Geld dafür, um zu überleben. Denn die Bauern sind vom Weltmarktpreis für Kakao abhängig sind. Sie bekommen etwa 75 Cent für das Kilo Kakaobohnen. Das ist oft noch nicht einmal genug, um davon Dünger oder Pflanzenschutzmittel zu kaufen, geschweige denn um Investitionen in die Plantagen zu finanzieren. Dabei können sie sich noch nicht einmal darauf verlassen, dass selbst dieser niedrige Preis nicht noch weiter fällt. Kein Wunder also, dass die billigsten Arbeitskräfte, also Kinder eingesetzt werden. Schon 6jährige müssen dann mit scharfen Macheten und Pflanzenschutzmitteln hantieren. Auch Menschenhandel ist verbreitet. Kinder werden für 20 Euro verkauft, sie bekommen dann gerade genug zu essen, um nicht zu verhungern. Mehr hier [www.greenpeace-magazin.de]

Fair gehandelte Produkte werden hingegen für einen garantierten Mindestpreis abgenommen. Die Eltern können genug verdienen, um ihre Kinder zur Schule zu schicken und aus der Armutsspirale herauszukommen. Schon dass allein sollte Grund genug für Unternehmen und Konsumenten sein, um nur noch fair gehandelten Kakao und Schokolade zu kaufen. Doch der Anteil ist immer noch verschwindend gering. Ganz klar, es liegt am Geld, das sich verdienen bzw. einsparen lässt.

Ganz neu ist jedoch, dass große Konzerne erkannt haben, dass dieser Raubbau in der Kakaoproduktion langfristig gesehen Einbußen mit sich bringt. Denn wer kaum Geld für seine Ware bekommt, kann nichts in die Plantagen, in neue Geräte, Pflanzen oder Pflanzenschutz investieren. Jetzt kommt es zu gravierenden Ernterückgängen und Qualitätsproblemen ausgelöst durch schlechtes Wetter, Schädlinge und Pilzbefall. Die Ware Kakao wird knapp, der Weltmarktpreis steigt dramatisch. Nur dass das nicht bei den Bauern, sondern nur beispielsweise bei Zwischenhändlern oder korrupten Beamten ankommt. Wenn die Konzerne auch langfristig ihren Kakaobedarf decken wollen, müssen sie anfangen über Nachhaltigkeit nachzudenken.

Deswegen lassen sich Unternehmen wie wie Cadbury und Nestle jetzt freiwilligen von Fairtrade-Kooperationen kontrollieren, und sie achten auf sozialverträglichen und ökologischen Anbau. Als Konsequenz wird zum Beispiel „KitKat“ in Großbritannien ab sofort ausschließlich fair produziert und gehandelt – zertifiziert von „Fairtrade“. Auch Mars will bis 2020 alle Schokoriegel zertifizieren lassen, allerdings „nur“ von der Rainforest Alliance, die nicht ganz so strenge Anforderungen hat, wie „Fairtrade“.

Ganz klar, dass der Imagebonus bei den Firmen auch keine kleine Rolle spielt in Zeiten, wo immer mehr Verbraucher darauf achten, wo die Produkte herkommen, die sie kaufen. Allerdings werden wir in Deutschland wohl noch etwas warten müssen, bis auch hier große Marken ihre Schokoriegel zertifizieren lassen. Bis dahin ist es sicherlich mal einen genaueren Blick wert, was in der Fairtrade-Abteilung noch so angeboten.


[www.transfair.org]
[www.spiegel.de]
[www.neues-deutschland.de]
[www.greenpeace-magazin.de][tt_news]=70210&tx_ttnews[backPid]=23&cHash=0af052ad35

Interessantes Video zum Beitrag: [www.daserste.de]

Foto: Oliver Haja / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

17.01.2010 21:50 Rickrich
Hallo Krümel,
mit deinem Blog Eintrag hast du mit Sicherheit den "Nerv der Zeit" getroffen.
Vielleicht brauchen wir in diesem Lande auch bald ein Fairtrade Siegel für die eigenen landwirtschaftlichen Produkte, und Lebensmittel.
19.01.2010 11:19 Paradiesgarten

Ich bin auch Schoko-Fan und du hast mich mit deinem Beitrag aufgerüttelt, ich Danke Dir dafür und hoffe, das Fairtrade sich durchsetzt
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