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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Sonnenuntergang bei Falkenberg
57 mal angesehen
17.01.2010, 17.40 Uhr

Pause

Habt ihr manchmal auch das Gefühl, ganz dringend eine Pause zu brauchen, um mal wieder denken zu können. Beziehungsweise genug Zeit für sich zu haben, um mal wieder eine Pause von all den nützlichen Alltagsgedanken zu haben, um mal wieder euch selbst denken hören zu können? Genau dieses Gefühl habe ich im Moment. Jeder Tag ist von morgens bis abends durchorganisiert und mit Arbeit voll, und an den Wochenenden habe ich ständig das Gefühl, alles nachholen zu müssen, was in der Woche liegen blieb. Haushalt, Papierkram, Sport – von Freizeit und Erholung ganz zu schweigen, selbst das muss durchorganisiert werden, um es irgendwo in den Plan zu quetschen…

Dann kommt es schon mal vor, dass ich mir denke „So und heute putzt du zuerst die Wohnung, machst danach den Spaziergang, um dann zu kochen und die DVD zu kucken und morgen ab 15 Uhr Yoga und danach die beste Freundin anrufen , bevor du dann das Zeug für den Steuerberater fertig machst.“ Ich hake also meine Freizeit auf einer Liste ab und habe immer dieses „Und vergiss nicht, du wolltest noch…“ im Nacken. Also Erholung fühlt sich irgendwie anders an. Und trotzdem kann ich nicht raus aus dem Hamsterrad. Wann, außer am Wochenende, kann ich all die Dinge tun, die ich eigentlich tun möchte, für die aber in der Woche keine Zeit bleibt? Sonst tue ich sie nie, so einfach ist das.

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich ans Aussteigen denke. Nicht für immer sicherlich, aber eine Woche oder ein Monat oder vielleicht sogar ein Jahr? Gibt ja diesen tollen neumodischen Begriff: Sabbatical. Und eben habe ich diesen Film gesehen [www.ted.com] wo der berühmte Grafikdesigner Stefan Sagmeister erzählt, dass er alle sieben Jahre ein Jahr freinimmt. Einfach so. Er schließt dann sein Büro in New York komplett und macht das worauf er Lust hat: Reisen, lesen, meditieren, kreieren und erschaffen aus reinem Spaß an der Freude. Ohne Hintergrundgedanken. Ohne, dass es sinnvoll sein muss. Er erzählt sogar, dass es sich langfristig gesehen rechnet.

Zuerst einmal erklärt er, dass ein durchschnittliches Leben aus 25 Jahren lernen, 40 Jahren arbeiten und 15 Jahren Rente besteht, wenn man das mal so grob sagen darf. Er sagt, er zieht einfach fünf bis sechs Jahre seiner Rentenzeit in seine Arbeitszeit arbeitet dann dafür bis 70. Klar, hier darf man nicht vergessen, dass er selbständig und sehr erfolgreich ist und seine Kunden auch ein Jahr auf ihn warten und ihn und sein Büro auch sicherlich mit Ende 60 noch buchen. Zumal er in einem kreativen Job arbeitet, der für ihn Erfüllung bedeutet. Da ist es nicht so schlimm mit 70 noch dabei zu sein . Als normaler Arbeitnehmer ist das sicherlich nicht so einfach (Wobei allerdings immer mehr Firmen dazu übergehen ihren Mitarbeitern regelmäßig solche kreative Pausen zu gewähren, darunter beispielsweise Google). Aber wer will schon so lange arbeiten müssen und rein körperlich und geistig gesehen ist es auch nicht allen unbedingt möglich.

Aber davon mal abgesehen ist so eine Auszeit – die ja nicht ein ganzes Jahr umfassen muss – trotzdem sehr nützlich. Sagmeister meint, dass seine Ideen und Eindrücke aus diesem Jahr ausnahmslos allen Projekten der nächsten Jahre zugute kam. Manche Aufträge entstanden erst in diesem Jahr. Somit hat ihm dieses Jahr unterm Strich sogar mehr Geld gebracht, als es gekostet hat.
Außerdem ist eine Auszeit nicht nur gut, um die eigenen Batterien wieder aufzufüllen. Sie ermöglicht es auch, sein eigenes Leben wieder auszurichten und sich in Ruhe zu fragen, ob man das eigene Leben so lebt, wie man es möchte. Oder ob man sich lieber in eine andere Richtung bewegen möchte. Vielleicht lieber einmal angehalten, um in ein erfüllendes Leben zu wechseln, als ewig in einem Job zu hängen, der vielleicht doch nicht das Richtige ist.

Obwohl so eine Entscheidung ist überhaupt nicht einfach ist, ertappe ich mich immer wieder bei dem Gedanken an eine Pause vom Hamsterrad weit über einen Urlaub hinaus. Ob es beim Denken bleibt, weiß ich noch nicht.
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

18.01.2010 11:25 Paradiesgarten

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