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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

© VANOC/COVAN
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11.02.2010, 20.39 Uhr

Die Winterspiele und die„First Nations“

Wie angekündigt, heute ein bisschen was über die Olympischen Winterspiele 2010. Bin ja sonst nicht so der Wintersport-Fan - früher hab ich mir höchstens mal Eiskunstlauf angesehen. Aber da wir letztes Jahr in Kanada waren, haben wir bereits zum damaligen Zeitpunkt überall die Vorfreude auf die Winterspiele und die Begeisterung dafür gespürt. Sehr beeindruckend war beispielsweise auch eine Licht- und Videoshow, die extra abends auf das Parlamentsgebäude in Ottawa projiziert wurde. Da ging es um die Geschichte und Kultur Kanadas und natürlich auch über die bevorstehenden Winterspiele. Sehr beeindruckend, und vor allen Dingen kostenlos . Deshalb interessiere ich mich in diesem Jahr doch mehr dafür als in anderen Jahren – Turin ging beispielsweise völlig an mir vorbei *schäm*.

Aber die Wettkämpfe finden ja unserer Zeit nach oft am Abend statt, da werde ich bestimmt ab und zu mal reinschalten. Nur um 3 Uhr morgens bringt mich keiner dazu, extra aufzustehen – auch nicht für die Eröffnungsfeier. Da reicht mir dann die Zusammenfassung im Fernsehen…

Was ich sehr faszinierend fand ist, dass dies die ersten Olympischen Spiele überhaupt sind, bei denen die Ureinwohner des Landes offizielle Mitgastgeber sind. Sie werden in Kanada politisch korrekt als „First Nations“ bezeichnet, also die Völker, die das Land zuerst bewohnten. Zu den offiziellen Gastgeber-Völkern gehören die Lil’wat, die Musqueam, die Squamish und die Tsleil-Waututh. Sie sehen in den Spielen eine Chance, ihre Kultur und ihre Bräuche jenseits von Klischees und Vorurteilen präsentieren zu können.

So ist das Logo auch eine Interpretation einen „Inukshuk“. Das sind Markierungen aus Stein, die bei den Inuit als Markierungspunkte in der Wildnis benutzt wurden – zum Beispiel um auf Fischgründe oder gefährliche Orte hinzuweisen. Der heute bekannteste „Inukshuk“, der auch für das Logo verwendet wurde, hat die Form eines Menschen. Er wird übrigens überall in Kanada als Souvenir verkauft in allen Größen und aus allen möglichen Materialien. Das Steinmännchen der Olympischen Winterspiele hat sogar einen Namen: Ilaanaq. Das ist Inuktitut – also die Sprache der Inuit – und bedeutet "Freund". [www.inuitartofcanada.com]

Auch die Maskottchen stammen aus der Sagenwelt der First Nations. So ist „Sumi“ ein Tierschutzgeist, der in den Bergen von British Columbia lebt. Er trägt die Kopfbedeckung eines Orcas, hat die Flügel eines Donnervogels und die Beine eines Schwarzbären und übernatürliche Kräfte, die ihm helfen seine Heimat zu beschützen. „Quatchi“ ist der berühmt berüchtigte Sasquatch aus den tiefen Wäldern Kanadas. Und „Miga“ ist auch ein Fabelwesen, nämlich ein „Seebär“, der vor der Küste von Vancouver Island im Pazifik lebt und halb Orca und halb Bär ist. Das klingt jetzt irgendwie total furchteinflößend, aber natürlich sind alle drei Maskottchen zuckersüß und niedlich. Quatchi spielt am liebsten Hockey, Miga liebt Snowboarden, weil das so ähnlich wie Surfen ist und Sumi trinkt am liebsten heißen Kakao. Wie die drei sich treffen und zu den Spielen finden ist hier in diesem kleinen Film dargestellt: [www.vancouver2010.com]

Finanziell profitieren Ureinwohner übrigens ebenso von dem Ereignis, denn sie haben die Urheberrechte an zahlreichen Logos und Symbolen im Zusammenhang mit den Spielen, was ihnen durch die Produktvermarktung einige Einnahmen bringt. Diese sollen zu einem Drittel direkt den Ureinwohner ganz Kanadas zufließen, indem damit Kultur-, Bildungs-, und Sporteinrichtungen finanziert werden.

Allerdings sind die Olympischen Winterspiele auch bei den First Nations alles andere als unumstritten. Viele beklagen mangelndes Mitspracherecht, und dass die Darstellung ihrer Kultur eher zur Vermarktung verkommt. Die teilnehmenden Völker würden das nur des Geldes wegen tun und vertuschen, wie die Realität aussieht: die meisten Ureinwohner leben gerade in British Columbia oft in Armut, 50% der Obdachlosen in Vancouver sollen den First Nations angehören.

Viele protestieren weiterhin, dass die Austragungsorte auf dem Land stattfindet, das ihnen die Siedler im 19. Jahrhundert unrechtmäßig weggenommen hatten. Um die Wiedererlangung kämpfen sie seit Jahrzehnten. Nun wurden für die Spiele hier auch noch Neubauten hingesetzt und Wälder zerstört. Das verletzt nicht nur das spirituelle Empfinden der Ureinwohner, sondern beschneidet sie auch in ihrer traditionellen Lebensweise und zerstört ebenso die Grundlage für den Ökotourismus, den sie dort geplant hatten.

Wer lieber mehr Infos über den „sportlichen“ Teil der Spiele braucht, kann hier reinschauen [olympia.zdf.de]

Ansonsten hier noch ein paar Seiten zum Thema Olympische Winterspiele 2010 und First Nations:
[www.monalisa.zdf.de]
[www.dw-world.de]
[www.br-online.de]
[de.wikipedia.org]

Foto: © VANOC/COVAN
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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