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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: omron2003/www.pixelio.de
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15.02.2010, 21.51 Uhr

Der Ursprung des Karnevals

Okay, alle, die hier schon ein bisschen mitlesen, werden wissen, dass ich persönlich jetzt nicht so der Karnevals-Mensch bin. Ich gehe der ganzen Sache eher aus dem Weg und bin auch tendenziell eher damit genervt, wenn im Fernsehen, Internet und Radio scheinbar keine anderen Themen mehr vorhanden sind. Ich glaube meine letzte Faschingsfeier war vor 10/11 Jahren oder so…

Aber weil wir heute Rosenmontag haben und man hier in der Pfalz nicht so wirklich davor fliehen kann, auch wenn man es gerne möchte, habe ich mich zum Frontalangriff entschieden: ich wollte rausfinden, aus welchem Grund das Alles eigentlich jedes Jahr stattfindet. Denn wenn man etwas versteht, ist das Verständnis dafür meistens nicht mehr ganz so fern.

Okay, also ich habe mal etwas recherchiert. Das erste Fest, bei dem für ein paar Tage alle gesellschaftlichen Regeln über Bord geworfen wurden, waren die Saturnalien, die die alten Römer feierten. Saturn (daher auch der Name) wurde nämlich von seinem Sohn Zeus vom Götterthron gestürzt und floh in die römische Provins Latium. Dort ließ er sich nieder und herrschte über die dort lebenden Menschen, für die ein goldenes Zeitalter in Saus und Braus anbrach. In Gedenken an diese Zeiten, feierten die Römer mit Wein und Würfelspiel und das Besondere: alle waren an diesen Tag gleich. Dann bedienten die Herren ihre Sklaven und die Reichen beschenkten die Armen. Das „närrische Treiben“ übertrug sich dann zu Zeiten des Christentums auf den Karneval.

Das sind nämlich im christlichen Glauben die letzten Tage, bevor die Fastenzeit beginnt. Dann wurde noch einmal ausgiebig Fleisch und andere Tierprodukte gegessen und Alkohol getrunken und sich anderen fleischlichen Genüssen hingegeben. Denn das war alles bis Ostern streng verboten, und allein die verderblichen Lebensmittel mussten ja verbraucht werden. Deshalb auch die Krapfen-Tradition, weil dabei viele Eier und auch Schmalz und Fett verbraucht werden konnten. Dies alles spiegelt sich auch in den verschiedenen Namen für die tollen Tage wieder. „Fasnacht“ bedeute nichts anderes als die Nacht vor der Fastenzeit ist - ebenso das Kölner „Fastelovend“. Karneval kommt aus dem Lateinischen von „carne vale“ und bedeutet, dem Fleisch leb wohl zu sagen, was sich auch wieder auf die Fastenzeit bezieht. „Fasching“ kommt wiederum von „Fastenschank“, also dem letzten Ausschank vor der „Dürreperiode“ .

Natürlich missfielen der Kirche diese Ausschreitungen, die ja nicht nur darin endeten, dass die Kirche und ihre Rituale seit dem 12. Jahrhundert parodiert wurden sondern auch in Gotteslästereien ausarteten. Das wurde von der Kirche lange Zeit gebilligt, später aber auch regelrecht verurteilt bzw. verteufelt so etwa im 15./16. Jahrhundert. Als Reaktion darauf, und wahrscheinlich um sich auch mit dem Dunklen auseinander zu setzen verkleideten sich immer mehr Menschen mit Teufelsmasken oder Fratzen. Andere Forscher meinen, die schaurigen Fratzen würden außerdem darauf zurückgehen, dass der Winter ausgetrieben werden soll.

Im 16. Jahrhundert führte die Reformation, die ja die Fastenzeit abschaffte, dazu, dass in vielen evangelischen Gebieten der Karneval gleich mit abgeschafft wurde. Das erklärt im Groben die heutige Verbreitung des Karnevals. Ende des 18., Anfang des 19 Jahrhunderts verkam der Karneval dann in den katholischen Gebieten eher zum Saufgelage, der unteren Gesellschaftsschichten. Weil sich dann auch gerade die Aufklärung durchsetzte, und diese den Karneval als veraltet und primitiv abtat, wäre gerade die Straßenfastnacht so beinahe ausgestorben und in Vergessenheit geraten. Doch dann, im Zuge der Romantik, besann sich gerade im Rheinland das Bildungsbürgertum und Karneval wurde von diesen Schichten neu belebt. Es gab ab dann ein offizielles Karnevalskommitee, dass den Karnevalsumzug, Karnevalssitzungen und andere Veranstaltungen organisierte – also den rheinischen Karneval, wie wir ihn heute kennen. Von dort aus verbreitete sich der Karneval wieder aus. Anfang des 20. Jahrhunderts spaltete sich noch die Fastnacht im baden-württembergischen Raum ab, die sich eher auf die mittelalterlichen, volksnahen Bräuche mit Mummenschanz von Teufeln, Hexen und „Wilden Männern“ besannen.

Nun ja, interessant war der kleine, geschichtliche Ausflug auf jeden Fall. Er bringt mich aber nicht dazu, Karneval jetzt plötzlich toll zu finden – auch wenn uns Freunde in großen Abständen immer wieder überreden wollen . Allerdings darf jeder gern feiern wie er will und es meinetwegen auch toll finden. Gerade in der heutigen Zeit ist eine positive Abwechslung ja immer willkommen. Allerdings wäre ich schon irgendwie froh, wenn man in den Medien nicht ständig damit zugedröhnt werden würde – wo doch gerade mal ein Viertel aller Deutschen auch wirklich Fasching feiert…

Foto: omron2003/www.pixelio.de

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[www.mdr.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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