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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Ende Februar - Blick in eine Wintertraube Flugloch Ende Februar I Flugloch Ende Februar I
527 mal angesehen
15.03.2010, 20.12 Uhr

Winterarbeiten und spätmittelalterliche Fundstücke

Winterarbeiten und Fluglochbeobachtungen

Der Übergang zwischen Winter zum Frühling ist bei uns in Oberbayern die letzten Wochen in etwa so konstant gewesen wie sonst nur Politikermeinungen. War es am 20. Februar noch eitel Sonnenschein, gab es zum 6 März hin schon wieder Frost und Kälte. Dann wieder etwas warm, danach wieder kalt. Die ersten Hoffnungen auf baldige Bienenaktivität waren also nur von kurzer Dauer.

Immerhin ein paar Tage für einen ersten Ausflug waren drin und wurden von ein paar Bienen auch genutzt. Der Pulk des Volkes bevorzugte es aber weiter in der Wintertraube zu bleiben. Auffällig fand ich, dass jene Bienen, die quasi den ersten Schritt aus dem Stock heraus gemacht haben, sehr darauf bedacht waren alle anderen möglichen Eingänge zu anderen Bienenvölkern abzusuchen. Werden die etwa faul sein und sich nach schwachen Völkern, die leicht auszurauben sind, umschauen?

Immerhin, ein erster Blick in die Völker, lässt dieses Jahr hoffen. Einige wenig sind schwach. Alle anderen aber gut beisammen, mit einer ordentlichen Startmasse an Arbeitsbienen ausgestattet. Wenn das Wetter also demnächst gnädiger wird, könnte das einen guten Start ins Bienenjahr geben.

Die meisten winterlichen Imkerarbeiten sind an mir vorbeigegangen. Einmal weil ich ganztags arbeite und zum anderen, weil mein Vater, als Rentner, nur ungern eine zweite Person an der Wabenpresse neben sich hat. Scheinbar hat er noch die verschiedenen Experimente im Hinterkopf, die ich als Kind an Wabenpresse und flüssigem Wachs durchgeführt habe: "Wachsen" von allen möglichen Gegenständen, fest und formbar, durchaus mit Verlust der Objekte im Wachstopf einhergehend; "Kerzengießen" indem man einen Docht ins Wachs hält und daran anschließend alle paar Minuten beim Vater nachfragt, wie viele Stunden man denn die Prozedur noch wiederholen müsste..) Insofern kann er wahrscheinlich ruhiger ohne mich arbeiten.
Insgesamt haben wir drei ältere Wabenpressen im Sammelsurium, die alle nach dem selben Prinzip arbeiten. Heißes Wachs wird in eine Zinkform gegossen, dann kommt der Deckel drauf. Man wartet etwas und am Ende hat man eine fertige Wabe, die eventuell noch einen Zuschnitt braucht. So etwas in der Zuschneiden darf ich allerdings, wenn gerade Bedarf besteht. Wabenpressen dieser Form habe ich auch nach langer Suche nirgendwo mehr zu kaufen gefunden. Aber unsere funktionieren noch einwandfrei.

Eine weitere Winteraufgabe war das Putzen der Kästen und Rähmchen. Unsere Kästen schaben wir normalerweise nur ordentlich sauber. In wenigen Fällen flammen wir sie auch aus.
Rähmchen putzen gehört mit zu den unbeliebtesten Aufgaben im Winter, mit unserem Equipment (ein paar Messer und Schaber), ist es eine zeitraubende und kraftzehrende Aufgabe. Eigentlich müsste das nicht so sein, schließlich gibt es auch Ätznatronlauge und viele herrliche Tipps hier im Forum wie man Rähmchen per alter Spülmaschine wieder sauber bekommt. Meine Eltern lassen sich aber weder von der Ätznatron und Kessel, noch von der Ätznatron plus Spülmaschine Lösung überzeugen. In beiden Fällen - so das Argument- muss die Ätznatrunlauge ja auch wohin, nur eben wo? Zudem haben wir keinen Kessel und auch keine Spülmaschine übrig. Auch die umliegenden Imker haben nichts dergleichen und so schaben wir uns eben durch Unmassen Rähmchen. Aber vielleicht ändert sich hier mit der Zeit auch was. Beschichtete, selbstreinigende Rähmchen wären hier eine Geschäftsidee oder eben ein Angebot wie "Rent a Ätznatronkessel", so in der Art.

Natürlich werden jedes Jahr auch neue Rähmchen und Kästen hergestellt. Dieses Jahr war das besonders einfach - Rähmchen wie Kästen haben wir gekauft. Die Rähmchen waren sehr flott da, die neuen Magazine sind am 20. März abholbereit.
Aber auch unsere Eigenproduktion an Rähmchen kann sich sehen lassen. Dadurch, dass mein Vater lange in der holzverarbeitenden Industrie tätig war, bestehen einige unserer Rähmchen aus edleren Holz(resten) als manche mittelklassige Gitarre. Dazu fertigen wir die Rähmchen im Baukastenprinzip - quasi aus nur 2 unterschiedlich langen Holzteilen. Die Träger sind dann aus kleinen Metallstäben. Das verhindert ein Festkleben und hält bislang auch immer gut. Arbeitsechnisch und vom Zeitaufwand gesehen finde ich Kaufen aber sinniger als Selbermachen, außer man ist eben Rentner und hat eine hilfreiche Auswahl holzverarbeitender Maschinen im Keller stehen.

Mittlerweile ist also fast alles Equipment wieder einsatzbereit. Spannend wird dann noch, wie wir unsere alten DNM-Waben und die darauf sitzenden Völker, in die neuen Zandermagazine umsiedeln, aber auch hier gab's im Forum eine ganze Reiher Tipps. Insofern müssen wir hier dann statt studieren, nur noch probieren. Und dann kann das Bienenjahr losgehen.


Und ein Fundstück:

Ob fleißiges Arbeiten, rabiate Raubzüge oder auch winterliche Dekadenz: Eines kann man Bienen nicht vorwerfen - dass sie Trübsal blasen. Insofern nur logisch, dass Bienenprodukte gegen Mühsahl helfen sollen, zumindest im späten Spätmittelalter.

Hier ein kleiner Auszug aus der "Medicina Magico-Magnetica" aus dem Jahre 1688. So ein Sach lese ich normalerweise nicht, bei der Suche nach alten Texten zur Tanzwut und zu Drehleiern bin ich aber darüber gefallen. Das Buch enthält laut Selbstauskunft folgendes: "Wie man auf sonderbare verborgene Art und Weise, ohne innerliche widrige Artzney, durch äußerliche Anwendung, Fortpflanzung und andere magische Mittel, vielerley schwere gefährliche Krankheiten verhüten und vertreiben kann"

Behandlung von Zauberey und Hexenwerck auch übernatürliche Melancholey, das einem Menschen deucht, als wolt ihm Himmel und Erde zu eng werden
Beschreibet Herr Doctor Rudolphus Goelenius, weiland Professor zu Marpurg in seinem mirabilium naturae libro ein solches amuletum: Man solte nehmen eine Haßelnuss, so ein wenig groß, und von Natur oder durch einen Wurm durchfressen ein Loch habe, durch dieses Löchlein soll man mit einer Nadel. fleissig all das jenige, so noch darinnen, zermalmen, und heraus thun, als dann das catoptrum oder peculum pavonis, das ist, den Spiegel von einer Pfauen Feder, hinein schieben, und so viel als die Nuss fassen kann, Quaecksilber hinein laufen lassen. Darauf das Löchlein mit gerechten Jungfrau Wachs (ist der Vorstoß, oder das jenige, so die jungen Bienen zu erst pflegen zu machen) zustopfen. Die Nuss in ein roth Carmesin Tassentüchlein einnehen, und an den Hals hängen. So werde man Wunder erfahren, und spricht gedachter Herr Doctor, dass hiermit Leuten, die da gemeinet haben sie müsten vor Ansgt vergehen, geholfen worden.

Interessant, dass im ganzen weiteren Buch nur noch einmal Wachs (aber alles sonstig Undenkbare) als Heilmittel Verwendung findet. Andere Bienenprodukte tauchen nicht auf. Wenig Platz für Apitherapie in diesen finsteren Zeiten also. Wobei interessant wäre zu wissen woran das liegt. Soweit ich mich erinnern kann, ist die Erklärung zum Jungfrau Wachse auch die einizige Erklärung, die der Autor bei einer Zutat anführt.

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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Kommentare

15.03.2010 21:03 Bienenfreund
Ein schöner Text.
Das jungfräuliche Wachs ist das weiße, von den Bienen noch nicht verwendete Wachs. Die schöne gelbe Farbe des Wachses kommt erst durch die Nutzung der Bienen von Blütenstaub und Kittharz dazu. Aber die Kerzen zu Ehren der Muttergottes mussten immer jungfäulich weiß sein, es gab ja früher auch große Wachsbleichereien.

Wenn Du das Originalbuch besitzt: ein Goldstück. Gut bewahren, rät Bienenfreund
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