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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: thomaskirschner.com
88 mal angesehen
24.03.2010, 20.50 Uhr

Plastic Planet

Mal wieder eine neue „Öko-Doku“ . Diese ist zwar schon im Februar überall in den Medien vorgestellt worden, allerdings läuft sie seit letzter Woche und noch den ganzen April in den deutschen Kinos. Insofern hoffe ich, dass ich noch nicht zu spät dran bin…

Es geht in diesem Film, wie der Name schon sagt, um Plastik. Das Material umgibt uns bereits seit einigen Jahrzehnten quasi überall und ist nicht mehr wegzudenken - egal bei Lebensmitteln, Spielzeugen, Elektronik oder Kosmetika. Um nur einige wenige Bereiche zu nennen. Wenn man mal drauf achtet, ist man schnell erstaunt wie viele Sachen aus Plastik einen wirklich umgeben. 240 Millionen Tonnen werden jährlich hergestellt. Ist ja auch kein Wunder, denn Plastik ist pflegeleicht, zerbricht nicht so schnell und ist relativ billig in der Herstellung. Damit lässt sich schlichtweg eine ganze Menge Geld verdienen.

Auch Werner Boote ist mit Plastik aufgewachsen. Sein Großvater war sogar Geschäftsführer in einer österreichischen Firma, die Kunststoff herstellt. Dieser hatte ihm regelmäßig Geschenke aus Plastik mitgebracht, so dass für Boote das Material sogar vorrangig mit positiven Erinnerungen verbunden ist. Trotzdem oder gerade deshalb wollte er mehr über das bunte Material erfahren, und er begann weltweit zu recherchieren.

Daraus entstand ein Film, der versucht den Weg des Plastiks von der Herstellung bis hin zur Entsorgung zu verfolgen. Das ist gar nicht so einfach, denn die Hersteller halten die Rezepturen streng geheim. Selbst die Lebensmittelindustrie weiß nicht genau, was in den Verpackungen steckt, die sie verwendet. Dabei ist Plastik alles andere als unproblematisch für den Menschen. Es gelangt über die Nahrung und die Haut in den Körper und kann Nervenschäden, Nieren- und Leberkrankheiten und Blutbildveränderungen hervorrufen. Es steht außerdem im Verdacht Krebs zu verursachen und das Erbgut zu schädigen. Die Filmcrew ließ sich sogar Blut abnehmen und bei jedem wurden Plastik-Substanzen wie Bisphenol A (BPA), Weichmacher und Flammschutzmittel im Blutplasma nachgewiesen. In unserem Blut wird es nicht viel anders aussehen.

Was mich in diesem Zusammenhang ja schon lange in unserem Stamm-Supermarkt nervt ist, dass normales Obst und Gemüse relativ oft lose angeboten wird, die Bioprodukte aber fast ausschließlich schon in Plastik abgepackt sind. Wenn ich also Bio kaufen möchte, weiß ich nicht, was über die Plastikverpackung an Giften auf die Äpfel oder Gurken übergegangen ist. Also das, was ich ja eigentlich gerade vermeiden wollte. Zudem belaste ich zwangsweise die Umwelt, und der Plastikmüll ist ein enormes Problem unserer Zeit.

Denn das Material braucht immerhin 200 Jahre, um sich zu zersetzen. Die Schadstoffe gelangen natürlich weiterhin in den Naturkreislauf. Jährlich werden rund 6 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane geschwemmt. Es gibt riesige Müllstrudel – allein südöstlich von Hawaii gibt es einen, der ist so doppelt groß wie Texas! Viele Tiere verfangen sich im Pastikmüll und sterben. Doch es ist noch komplizierter. Der ganze Abfall wird durch Sonne, Gezeiten und Wellen ganz fein zerrieben. Die Tiere verwechseln die Teilchen mit Nahrung, zerstechen sich dadurch den Darmtrakt oder können durch den vielen Kunststoff im Magen keine andere Nahrung mehr aufnehmen. In allen Fällen sterben sie. Die Giftstoffe lagern sich bei denen die bis zum Fangen überleben natürlich auch im Fleisch ab, das wir dann essen.

Alles in allem will der Film zwar aufklären, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger bekehren – überraschenderweise soll er eine ordentliche Portion Humor enthalten. Natürlich ist es heutzutage fast unmöglich, auf Plastik zu verzichten. Aber die Doku will aufrütteln, bewusster mit Kunststoff umzugehen. Wir sollten vor allem weiches und stark riechendes Plastik unbedingt vermeiden und überlegen, wo es nicht vielleicht doch durch andere, umweltfreundlichere Materialien ersetzt werden kann.

[www.plastic-planet.at]
[www.plastic-planet.de]
[www.stern.de]
[www.zeit.de]
[www.welt.de]
[www.geo.de]

Nach dem Film hat übrigens eine österreichische Familie versucht, seit November 2009 auf möglichst viel Plastik zu verzichten. Sie haben seitdem auf der Internetseite [www.keinheimfuerplastik.at] darüber berichtet. Dabei ist es gar nicht einfach, Lebensmittel oder andere Alltagsgegenstände ohne Plastik zu kaufen. Nur drei ausgewählte Beispiele sind Klopapier, Zahnbürsten oder Geschirrspülmittel, denkt mal drüber nach! Aber der ein oder andere hilfreiche Tipp zur Plastikvermeidung ist auf jeden Fall zu finden.

Foto: thomaskirschner.com
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

25.03.2010 11:16 Paradiesgarten

Bioprodukte in Plastikverpackungen sollte wirklich zum Nachdenken anregen...
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