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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Przewalski-Pferd
61 mal angesehen
08.04.2010, 20.09 Uhr

TV Tipp: Von Männern und Mustangs

Samstagabend stolpern wir mehr oder minder zufällig über die letzten 10 Minuten einer interessanten Reportage auf Arte. Darin wurde ein Gefängnis in Wyoming porträtiert, in dem Gefangene Wildpferde an den Menschen gewöhnen und als Reitpferde ausbilden. Das hat mich ein wenig ein wenig ein anderes Projekt erinnert, wo Gefängnisinsassen Blindenhunde ausbilden. Neugierig geworden, habe ich ein wenig im Internet gestöbert.

In dem dünn besiedelten mittleren Westen der USA leben noch tausende von Wildpferden, die so genannten Mustangs. Sie sind Nachfahren der Pferde, die die Spanier im 16. Jahrhundert mitgebracht haben. Denn einige sind damals ausgebrochen und haben sich wieder an die freie Wildbahn angepasst. Heute vermehren sich diese Wildpferde eigentlich problemlos, da sie kaum Fressfeinde haben. Aber die wachsende Rinderwirtschaft beansprucht immer mehr Weideland und Wasser, so dass die Regierung die Herden wieder ausdünnen muss. Ein Versuch, diese Ausdünnung nicht durch Schlachten zu erreichen, ist es die Pferde einzufangen, sie zu zähmen, und über einen günstigen Preis an Pferdeliebhaber zu verkaufen.
So kommen die Mustangs bereits seit 1988 auch auf die „Wyoming State Honor“. In diesem Gefängnis leben Insassen die sich woanders durch gute Führung ausgezeichnet haben und hier ihre letzten Jahre mit geringeren Sicherheitsvorkehrungen verbringen. Sie sollen auf der Farm auf ihr Leben draußen vorbereitet werden.

Im Jahr 1995 übernahm Mike Buchanan die Leitung des Wildpferdeprogramms, der vorher sowohl lange Zeit mit Pferden, als auch als Gefängniswärter gearbeitet hat. Er erkannte schon sehr früh, dass Wildpferde und Gefängnisinsassen durchaus einige Parallelen aufweisen. Beide haben einen ausgeprägten Freiheitsdrang (bzw. bei den Insassen eher, ein Leben außerhalb des Gesetzes und der Gesellschaft zu führen), sie sind nun eingesperrt und haben ein tiefes Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Daher wollte er versuchen, ob sich Wildpferde und Gefangene, sich nicht gegenseitig zähmen können und entwickelte im Laufe der Jahre – die auch Rück- und Fehlschläge enthielten – ein vierstufiges Programm.

Jeder Insasse kann sich freiwillig für das Programm entscheiden, keiner muss auf dieser Farm mit Pferden arbeiten. Es braucht aber ebenso keiner Vorkenntnisse mit Pferden zu haben, es wird den Teilnehmern alles von Grund auf beigebracht. Am Anfang helfen sie nur den anderen beim Füttern der Pferde. So können sie zusehen und lernen, wie man mit den Tieren umgehen muss und wie diese reagieren. Das ist auch die Gelegenheit die Neuanwärter zu beurteilen, ob sie genügend Respekt und Geduld erbringen, um mit den Tieren zu arbeiten. Auch zu aggressive Insassen dürfen nicht weiter teilnehmen. Gerade die eben erst eingefangenen Wildpferde erkennen hohe Aggressivität sofort und stufen denjenigen als gefährlich ein. So kann ein Arbeitsverhältnis gar nicht erst entstehen.

Wenn dann die neuen Wildpferde kommen, werden sie erst ganz langsam an den Menschen gewöhnt. Erst einmal geht es nur darum, dass sie Menschen in ihrer Gegenwart akzeptieren, dann dass Menschen sie anfassen dürfen. Sie werden an Halfter und Seile gewöhnt und irgendwann auch daran, dass sie von den Menschen gebürstet oder ihre Hufe gepflegt bekommen. Danach werden sie erst an den Sattel gewöhnt, bevor jemand auf ihnen, versucht zu reiten. Das alles dauert eine ganze Weile, bei jeder Stufe geht es darum, Vertrauen zwischen Mensch und Tier aufzubauen. Das Tier wird immer respektiert, falls es noch nicht soweit ist. Es geht auch darum, niemals dem Pferd etwas durch Aggressivität aufzuzwingen. Alles funktioniert durch Geduld, Respekt und einem gewissen Selbstvertrauen, dass jeder Betreuer aufbauen muss. Denn nur wenn sich die Teilnehmer in sich selbst vertrauen, wird auch das Pferd ihnen vertrauen. Alles wichtige Lektionen, die die Insassen auch im späteren Leben brauchen werden.
Das Reiten ist die letzte Stufe der Ausbildung, alles weitere ist den Käufern der Pferde überlassen. Denn einmal im Jahr findet eine Auktion statt. Das ist oft schwer für die Gefangenen, wenn sie ihr inzwischen geliebtes Tier wieder hergeben müssen. Einige versuchen sogar, ihr Pferd über Verwandte selbst zu ersteigern.

Der Film stellt das Gefängnis und die Arbeit mit den Pferden vor. An zwei Beispielen von Gefängnisinsassen, die an dem Programm teilgenommen haben, zeigt er auch, wie die Pferde sie verändern und anspornen, nach dem Gefängnis ein besseres Leben anzufangen. Der Film enthält außerdem wunderschöne Aufnahmen von den noch frei lebenden Mustangs in der Wildnis Wyomings. Sehr sehenswert!

Der Film kommt noch mal in einer Wiederholung am Samstag, den 11. April um 14 Uhr auf Arte. Erst ist in der Arte Mediathek zu sehen unter [plus7.arte.tv]

Und ich habe ihn lustigerweise noch auf einer Video-Seite gefunden, denn der Beitrag muss schon mal 2007 in der Reihe „Länder, Menschen, Abenteuer“ auf den dritten Programmen gelaufen sein. Er hieß damals „Die Gefängnispferde von Wyoming“ und ist eindeutig derselbe Film. Er kann hier angeschaut werden: [de.sevenload.com]

Weitere Infos hier:
[www.arte.tv]
[www.geo.de]
[www.arte.tv] (Hintergrundinfos zur Produktion des Filmes, sehr interessant!)
[www.cowboyshowcase.com]
[doc.state.wy.us]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

09.04.2010 11:39 Paradiesgarten

Sehr interssanter Beitrag zur Resozialisierung Gefangener.
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