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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

www.thestoryofstuff.de
38 mal angesehen
20.04.2010, 20.38 Uhr

The Story of Stuff

Heute mal wieder ein Buchtipp: „The story of stuff“ ist gerade im März erschienen. Die Autorin Annie Leonard hatte bereits im Jahr 2007 ein Video mit demselben Namen ins Internet gestellt. Darin erklärte sie innerhalb von 20 Minuten die Geschichte von all dem Zeug, das uns tagtäglich umgibt - seien es Elektronikprodukte, Zahnbürsten oder auch Spielzeug. Sie zeigt, wie wir mit unserem Konsumhunger die Erde ausbeuten bzw. wie uns die Konzerne immer neue Produkte einreden, um rücksichtslos ihren Absatz zu steigern.

Sie erklärt dies in einfachen Worten sehr anschaulich und leicht verständlich, so dass es auch Kinder verstehen und illustriert alles mit Comiczeichnungen. Jedoch wurde der Film genau deshalb auch oft als zu plakativ und wenig detailgenau kritisiert – auch wenn man in einem 20- Minuten-Film naturgemäß nun mal nur eine begrenzte Menge an Informationen übermitteln kann. Deshalb Leonard nun ein Buch herausgebracht, in dem das Thema ausführlich besprochen wird.

Das Buch beschreibt anhand des Lebenszyklusses von Produkten, was auf jeder Stufe falsch läuft. Zuerst wird die Gewinnung der Rohstoffe betrachtet. Wir entreißen der Erde jedes Jahr mehr, viel mehr als wieder nachwachsen und sich wieder erneuern könnte. Wir holzen riesige Wälder ab, bauen Metalle, Mineralien oder auch Erdöl ab, fangen massenweise Fische und so weiter und so fort. Opfer sind hier vor allem die „armen“ Ländern. Deren Ländereien von großen Konzernen gekauft und gnadenlos ausgebeutet und verschmutzt werden.

Auf der Produktionsstufe geht es darum, wie diese Rohstoffe verarbeitet und oftmals mit chemischen Stoffen versetzt werden. Oft wissen wir gar nicht, welche Chemikalien das genau sind, und wie giftig im Endeffekt die Produkte sind, die wir kaufen. Während der Produktion verschmutzen wir Wasser, Luft und Umwelt. Doch auch Menschen bekommen dieses Gift unmittelbar ab, nämlich die Mitarbeiter in den Fabriken, die meistens in den ärmsten Ländern der Welt stehen. Zudem sind es oft Frauen im gebärfähigen Alter, die diese Giftstoffe unmittelbar auf ihre Kinder übertragen.

Danach werden die Produkte um die ganze Welt geschafft, was enorm viel Energie verbraucht. Auch die riesigen, bunten Einkaufszentren sind riesige Stromfresser. Eine der Hauptstrategien der Hersteller ist es, die Produkte zum einem günstigen Preis möglichst schnell zu verkaufen. Es geht darum, den Warenfluss in Schwung zu halten und den stetigen Nachschub loszuwerden – schließlich geht es immer nur um steigende Absatzzahlen und größere Umsätze. Die meisten Produkte werden übrigens so billig verkauft, dass die wahren Kosten für Produktion und Vertrieb gar nicht gedeckt werden. Diese Kosten werden einfach ausgelagert, in dem sowohl Verkäufer, aber insbesondere die Arbeiter in den Fabriken unverschämt niedrig bezahlt werden.

Am Ende stehen wir als Konsumer. Die Werbung kreiert in unseren Köpfen Bedürfnisse, die wir sonst nie hätten. Wie oft bekomen wir gesagt, dass wir mit bestimmten Produkten glücklicher oder endlich perfekt sind? Um diese falschen Konsumbedürfnisse zu befriedigen arbeiten wir immer mehr. Am Abend klemmen wir uns dann vor den Fernseher, um noch mehr Werbung anzusehen. Das Schlimme ist: es macht uns erstens alles andere als glücklich. Zweitens landet ein Großteil der Produkte bereits nach 6 Monaten auf dem Müll. Ironischerweise landet ein Großteil dieses Mülls nicht bei uns in den Industrieländern, sondern er wird wieder in die ärmsten Länder der Welt verkauft, so dass dort regelrechte Müllgebirge entstehen. Und für uns gilt: aus den Augen, aus dem Sinn…

Annie Leonard beschreibt dies alles nicht nur theoretisch. Sie reiste auch um die ganze Welt, um vor Ort zu zeigen, was unsere Konsumgesellschaft anrichtet. Sie besucht zum Beispiel Fabriken, Bergwerke oder die eben genannten riesigen Müllhalden. Es geht ihr darum, anhand von persönlichen Schicksalen uns vor Augen zu führen, was wir anrichten.

Die Autorin zeigt weiterhin, wie auf jeder Stufe, Änderungen zum Positiven gemacht werden können. Es geht beispielsweise um nachhaltiges Wirtschaften mit unseren Rohstoffen, um umweltfreundlichere Methoden des Rohstoffabbaus oder auch um das Ersetzen von Giftstoffen in unseren Produkten. Veränderungen müssen ihrer Ansicht nach auf industrieller und politischer Ebene erfolgen. Sie hat aber auch 25 Ideen zusammengetragen, wie jeder Leser selbst etwas ändern kann.

[www.sfgate.com]
[www.welt.de]
[www.amazon.de]
[www.utopia.de]
[www.thestoryofstuff.de]

Bild: Screenshot [www.thestoryofstuff.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

21.04.2010 12:16 Paradiesgarten

Wir erkennen erst was wir angerichtet haben, wenn´s schon zu spät ist !
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