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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Anfang April - Blick auf Waben aus dem Volk II Anfang April - Blick auf Waben aus dem Volk IV Anfang April - Blick auf Waben aus dem Volk I
1715 mal angesehen
01.05.2010, 02.37 Uhr

Arbeiten am Bienenvolk im Frühjahr: Eine Checkliste

Nach der ersten längeren Wärmephase, mit Temperaturen um die 15 Grad, darf man nun endlich an die Bienenvölker ran.* Man merkt schon am Flugloch, dass die Bienen nicht mehr nur rumsitzen, sondern schon geschäftig am Flugloch herumwerkeln und auch erste Ausflüge anstehen. Der erste Bienencheck steht an – endlich kann ich oben mal aufmachen und reinschauen. Anders als im Februar habe ich diesmal erst zugeschaut, dann gelesen und erst im Nachklapp selber gehandelt. Ein knapper Überblick über meinen – hoffentlich richtig angelesenen – Wissenszuwachs und ein nachfolgender Erfahrungsbericht:

Insgesamt 4 Merkpunkte des ersten Imkerchecks nennen alle Experten einhellig:
- Check der Bienen
- Check der Brut
- Check der Weisel/Königin
- Check der Futterversorgung

Aber alles nacheinander, auch wenn es in der Imkerpraxis nicht anders als durcheinander geht:

Check der Bienen
Zuerst einmal muss man natürlich überhaupt noch Bienen im Kasten haben, sonst hat sich das mit der Imkerei schnell erledigt. Ob man noch Bienen hat, lässt sich durch aufmachen und reinschauen feststellen. Die Anzahl, der Bienen die man für ein überlebensfähiges Volk braucht, sollte etwa bei 4000 Bienen liegen – so zumindest die Kennzahl einiger Expertenberichte. Zählen tut man dabei nun nicht jede Biene extra, sondern man schätzt grob nach besetzter Wabenzahl ab. Pro gut besetzter Wabe kann man etwa 1000 Bienen je Wabenseite anrechnen. Anders rum gesehen, sollten die Bienen mehr als 4 Wabengassen besetzen.
Mehr als besagte Anzahl ist schon mal ein gutes Zeichen dafür, dass vieles in Ordnung ist. Wenn weniger als 4000 Bienen im Volk sind, dann ist Volk als zu schwach zu bewerten und sollte aufgelöst werden. Allerdings sollte man den „dreckigen Rest“ nur unter bestimmten Umständen ins Jenseits zu schicken. Solange die Bienen noch gesund und nicht massiv von Varroa befallen sind, macht es Sinn sie und auch die vorhandenen Brutwaben einem anderen Volk zuzuführen und dieses dadurch zu verstärken. Die schwächere Königin muss bei der Vereinigung aber immer „ums Eck gebracht werden“. Eine Biene beißt also immer ins Gras.
Egal ob man zu wenige, zu viele oder genau richtig viele Bienen hat: Man sollte immer auch den Gesundheitszustand des Volkes anschauen. Bienen können nämlich den Tod und Teufel an Krankheiten haben, und damit sollte man möglichst früh umzugehen wissen. Auch ohne die Krankheiten im Einzelnen zu kennen, weisen zu wenige und womöglich auch kränkelnde, verkrüppelte Bienen schon mal darauf hin, dass etwas im Stock faul ist. Es muss dann nicht gleich der Imker-Gau mit Faulbrut sein, aber auch schon Nosema und Varroa können einem das Bienenjahr gehörig vermiesen. Richtig kranke Völker sollte man dann nicht mit noch gesünderen vereinigen – sonst stecken sich die gesunden Bienen auch noch an - sondern die kranken Bienen am besten durch Abschwefeln in die ewigen Pollengründe schicken. Auch das Wabenwerk und womöglich sogar die Beute sollten in bestimmten Fällen aus dem Verkehr gezogen werden.
Unter welchen Umständen Auflösungen und Vereinigungen Sinn machen und wie man das genau macht, darüber sind sich die von mir konsultierten Berichte nicht ganz einig – hier muss man wahrscheinlich einen individuellen Weg – passend für die jeweilige Situation – finden. Wann man was nun aber wie macht, dazu fragt man am besten einen Experten. Erfreulicherweise gibt es hierzu eine ganze Reihe informativer, gut bebilderter Literatur** und natürlich immer auch lokale Imkerfachberater***, die einem Imker bei Fragen weiterhelfen können.

Check Brut
Nach dem Bienencheck kommt der Brutcheck. Dabei schaut man einmal die Waben durch, ob im Frühjahr genug Brut vorhanden ist und in welchem Zustand sich die Brut befindet. Viel Brut heißt demnächst viele Bienen und das ist erst einmal gut. Am besten sind dabei große runde und geschlossene Brutnester in der Wabenmitte mit außen rum einem Kranz an Pollen und Honig. Pollen und Honig werden zur Aufzucht der Jungbienen benötigt, daher macht es Sinn, dass sie gleich nebenan lagern. Wenn die Brutnester arg fragmentiert, löchrig und damit völlig über die Waben verstreut sind, dann ist was mit der Königin nicht in Ordnung und sie gehört ausgemustert, sofern man in dieser Zeit des Jahres eine begattete, fürs Noch-Mehr-Bienen-Produzieren einsatzfähige Königin als Ersatz zur Verfügung hat. Hier könnte man theoretisch, wenn man ein schwaches Volk mit einer noch legefreudigen Königin hat, die Königin des kleineren Volkes dem stärkeren Volk zusetzen.
Auch an der Brut überprüft man Krankheiten und handelt dann dementsprechend.
Viel Brut ist gut, aber nur dann, wenn das Volk genügend Futter hat, um Volk und Brut in dieser noch schwierigen, eher trachtarmen Jahreszeit durchzufüttern. Je größer Bienenvolk und je mehr Brut man hat, desto eher sollten im Volk noch ausreichend Futterwaben vorhanden sein, oder man sollte mit Futtermittel zufüttern, damit einem am Ende nicht das komplette Volk – etwa in einer Schlechtwetterperiode - verhungert.
Mit der Brut kann man nun auch rumhantieren, etwa wenn man nicht ganz so große Völker verstärken oder starke Völker beschäftigt halten will. Dazu entnimmt man eine Brutwabe mit fast schlupfreifer Brut dem größeren Volk und setzt sie dem kleineren Volk zu – dieses bekommt so eine ganze Ladung frischer Arbeitsbienen quasi frei Haus geliefert. Allerdings warnen einige Expertenberichte davor, dass gerade ein unbedachtes Zusetzen dazu führt, dass ein Volk letztlich mit zu wenig Futter für zu viele Bienen dasteht: Das ein Volk weniger Bienen oder weniger Brut ansetzt, hat schließlich auch seine Gründe.

Check der Weisel/Königin
Hat man genügend Bienen und ordentlich Arbeiterinnenbrut, braucht man sich um das Vorhandensein der Königin kaum Sorgen zu machen – ohne sie wäre zumindest die Brut nicht unbedingt da. Bei schwächeren Völkern und bei keiner oder nur Drohnenbrut macht ein Check der Königin aber durchaus Sinn.
Ein Volk ohne Königin erkennt man bereits früh daran, dass sich das Volk auch während der Winterruhe unruhig verhält und beim Öffnen „heult“. Mehr Aktivität verbraucht mehr Energie und produziert mehr Müll, daher findet sich in diesem Fall sichtlich mehr Gemüll auf dem Bodenbrett. Ein Volk ohne Königin erkennt man auch, wenn man diesem Brutwaben eines anderen Volkes mit sehr jungen Larven zusetzt: Sofern auf diesen Waben Nachschaffungszellen für neue Königinnen errichtet werden, liegt Weisellosigkeit vor.
Ohne Königin hat das Volk keine Arbeiterinnen-, sondern nur noch Drohnenbrut, es kommen keine Arbeitsbienen nach und letztlich ist so das ganze Volk dem Untergang geweiht – hier sollte man also handeln, außer man spielt gern Weltuntergänge nach . Einmal kann man dem Volk eine neue Königin zugeben, sofern man den eine hat. Ansonsten sollte man das Volk mit einem starken Volk inklusive Königin vereinigen. So einfach, wie sich das anhört ist es aber dann doch nicht – denn Bienen sind komplizierter als man meint:
In der Schule hieß es bei uns immer, nur Königinnen legen Eier und deswegen ist die Königin die wichtigste Biene. Ich war gewillt das zu glauben, denn die Vorstellung, dass es im fabelhaften Tierreich eine Entsprechung zu dem doch erklärenswerten Umstand weltlicher Monarchien gibt, war irgendwie beruhigend: Ist doch natürlich, dass es einen Obermotz gibt, von dem alles abhängt, ohne den nix läuft und ohne den ganze Nationen zugrunde gehen. Dass es bei den Bienen dann kein männlicher Motz, sondern eine weibliche Obermotzerin sein sollte, schmeichelt der emanzipatorisch aufgeklärten Frau dann noch zusätzlich. Die Realität schaut dann aber doch komplexer aus – es geht ohne Königin, wenn auch nicht ganz so lange.
Ohne Königin kann ein Volk auch eine gewisse Zeit überleben, etwa indem es sich einfach eine neue Königin aus einer noch vorhandenen kleinen Larve nachzieht. Weil aber Winter ist, findet diese neue Königin keine Möglichkeit zur Besamung und kann auch keine Arbeiterinnenbrut nachziehen. Ungute Sache, also. Ist keine Larve da, schaut alles nochmal komplizierter aus. Dann herrscht erst einmal Chaos und letztlich fangen einige Arbeiterinnen an selbst Eier zu legen. Weil aus den Eiern unbegatteter Königinnen und der Arbeiterinnen aber nur Drohnen werden, ist das Volk als solches letztlich nicht mehr lange überlebensfähig. Die volkseigene Genetik allerdings schon, sobald sich ein Drohn mit einer Königin paart.
So eine Situation kann man also haben, wenn man im Frühjahr ein weiselloses Volk aufmacht. Dieses elende Häuflein Bienen sollte man nun – so die Experten – um Himmels Willen nicht einfach in ein starkes Volk kippen, denn: Möglicherweise bringt die unbegattete Jungkönigin die vorhandene Altkönigin ums Eck, dann hat man wieder ein brutloses Volk; oder man stürzt das ganze Volk durch die Zugabe der Drohnenmütterchen ins Chaos und letztlich auch ins Verderben. Am besten also man macht sich wieder beim Experten schlau und fegt das drohnenbrütige Volk dann bei warmen Wetter am Boden vor den Fluglöchern des Standes ab. Hat man die Jungköniginnen aussortiert, erledigen sich die eierlegenden Arbeiterinnen von selbst, sie können nämlich nicht mehr fliegen.

Check der Futterversorgung
Bienen brauchen für ihr eigenes Überleben und zur Aufzucht der Brut Futter. Je nach Volksgröße geben die Expertenberichte Werte von ca. 6kg Futter bei Einzargern, 10kg bei Zweizargern an, die Mitte März noch vorhanden sein sollten. Scheinbar braucht es soviel Vorräte, da mit Anwachsen der Brut das Futter schnell aufgebraucht wird. Sofern dann noch eine Schlechtwetterperiode das Ausfliegen verhindert, muss man nochmals nachprüfen, ob die lieben Immen noch gut versorgt sind. Wichtig ist wohl die gute Erreichbarkeit des Futters: Futterwaben sollten daher nah am Brutnest hängen.
Hat ein Volk nun zu wenig Futter, gilt es ab März Aufbauhilfe zu leisten: Entweder werden Futtermittel gegeben – wie die Standardlösung Zuckerwasser – oder es werden starken, überversorgten Völkern Futterwaben entnommen und den darbenden Völkern zugegeben. So ein Austausch sollte nur innerhalb von Völkern eines Standes vorgenommen werden, sonst übertragen sich eventuell Krankheiten. Vorsicht ist auch beim Einhängen der Waben geboten – auf keinen Fall mitten ins Brutnest hängen, das zerstört wieder den lokalen Wärmehaushalt.
Am einfachsten und billigsten ist es sicher Zuckerlösung einzufüttern. Zwar bieten die Imkerkataloge eine Vielzahl von Futtermitteln und Nahrungszusätzen wie verschiedenste Zuckerlösungen, Futterteig, Pollenersatzmittel, Pollenbeimischungen oder mikrobiotische Lösungen an, die kosten aber alle gutes Geld. Zumindest für mich ist das ein Grund, darauf erst einmal zu verzichten. Fischer nennt diese Futtergaben etwas ironisch "Auferstehungsfuttergaben". Gerade an Reizfuttermitteln, die ohne Not gegeben werden sollen, kritisiert er, dass sie die Ruhe im Volk stören und damit kontraproduktiv wirken. Wahrscheinlich ist die Entscheidung für bestimmte Fütterungsmethoden also weniger ein Bienen- als ein Imkerproblem: Man muss auf das zurück greifen, mit dem man selbst gut schlafen kann.
Neben Not- und Reizfütterung ist gerade die Wasserversorgung in der noch kalten Jahreszeit ein wichtiges Thema – alle AutorInnen empfehlen einen ausreichenden Zugang zu Wasser sicherzustellen, in welcher Form auch immer.

Komplizierter also als anfangs gedacht... ...deswegen schau ich erstmal dem Experten zu - dazu dann mehr beim nächsten Mal.

*Durchgeschaut habe ich die Monatsberichte in der ADIZ, über die letzten zwei Jahre von Johann Fischer, Dr. Pia Aumeier und Jovita Lange. Außerdem liegen bei mir zuhause "Der Wochenendimker" von Karl Weiß und "Die Honigbiene - Vom Bienenstaat zur Imkerei" von Armin Spürgin.
Die Monatsberichte gibt es hier: [www.diebiene.de] ; Auch eine ganz informative Seite findet sich hier: www.bee-info.de
** Ein Buch über Bienenkrankheiten ist z.B. „Bienenkrankheiten: Vorbeugen, Diagnose und Behandlung“ von Friedrich Pohl.
Eine knappe Zusammenstellung über Bienenkrankheiten findet man auch hier [bienenkunde.uni-hohenheim.de] und [bienenkunde.uni-hohenheim.de]
*** Fachberater findet man auf den Homepages der jeweils zuständigen Landesverbände, z.B. über diesen Link: [www.deutscherimkerbund.de]
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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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Kommentare

01.05.2010 18:16 Bienenfreund
Mannomann, besser kann man alles gar nicht erzählen
Hut ab von Bienenfreund
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