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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Screenshot http://prinzessinnengarten.de
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19.05.2010, 21.54 Uhr

Prinzessinnengarten Berlin

Der Moritzplatz in Berlin war bis letztes Jahr vor allem eins: Brachland. Bis 1945 stand hier eine belebtes und beliebtes Einkaufsviertel mit guten Anschlüssen zur U-Bahn, das allerdings den Bomben zum Opfer viel. Nur ein Teil der Gelände wurden wieder mit Neubauten versehen, in den 70er Jahren wurden sogar weitere Altbauten abgerissen, anstatt saniert. 1985 rief die SPD sogar die Bürger auf, die Flächen temporär zu nutzen, zwei Linden wurden gepflanzt. Aber mehr als ein paar Flohmärkte kamen nicht zustande.

In den 80er wollten die Westberliner das Gebiet mit großem Aufwand sanieren, aber dann kam die Wende und das Geld floss in den Ostteil der Stadt. Am Ende blieb der Moritzplatz als Verkehrsknotenpunkt, aber drei der vier anliegenden Grundstücke sind unbebaut und fristen als Brachen ihr Dasein. Das hieß auch, dass sich dort Müll ansammelte, das Unkraut meterhoch wuchs – ein denkbar schlechter Ort, für einen grünen Treffpunkt in der Stadt, oder?

Robert Shaw und Marco Clausen sahen das anders. Shaw erlebte vor ein paar Jahren, wie in Kuba die Menschen begannen, die Städte für die Landwirtschaft zu nutzen, nachdem die Unterstützung durch die Sowjetunion aufhörte. Mit dieser Idee im Kopf mieteten sie 2009 für zwei Jahre das Gelände des ehemaligen Kaufhauses Wertheim, um dort einen Garten anzulegen – den „Prinzessinengarten“. Dabei geht es ihnen nicht nur um das Gemüse, sondern auch darum, einen Ort zu schaffen, wo die Menschen der Umgebung sich zum gemeinsamen Gärtnern, Ernten und Reden treffen können, und ihre Nachbarschaft aktiv zu gestalten und zu verschönern.

Doch zuerst musste der Müll dort weg. Es gab einen öffentlichen Aufruf, dem zahlreiche Berliner folgten und kräftig mit anpackten. Dann wurde der Garten selbst angebaut und weil der meiste Teil der Fläche aus Beton besteht, entschieden sich die Gartengründer für mobile Hochbeete aus recycelten Industriekörben und Bäckerkisten, die auf Paletten stehen und somit problemlos transportiert werden können. Damit waren sie nicht darauf angewiesen, die Fläche umzugraben und können die Beete flexibel einsetzen, und woanders hin transportieren – auch mit Hinblick auf den eventuell nicht verlängerten Mietvertrag.

Aber zuerst einmal entsteht der Garten. Da die erste Anpflanz- und Säh-Aktion erst im Juli 2009 geschieht gibt 100 Beete, vor allem mit Salat, Radieschen, Spinat und ähnlichem. Dieses Jahr sollen es bereits 1000 Beete sind, die dann auch schon Kartoffeln, Wirsing, Fenchel oder Erbsen bepflanzt sind. Die Samen und Pflanzen sind oft alte Sorten, die man in Supermärkten gar nicht mehr kaufen kann. Sie stammen aus der ganzen Welt, sind oft Mitbringsel von begeisterten Mitgärtnern. Der Prinzessinnengarten zieht inzwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Alters an und der Garten profitiert davon unmittelbar. Eine Nachbarin pflanzt Kürbisse aus ihrer sibirischen Heimat ein, die andere bringt selbst gezogene Jungpflanzen, von denen später anatolische Spitzpaprika geerntet werden können.

Alle arbeiten mit und bringen ihr unterschiedliches Wissen ein – gerade viele ältere Immigranten wissen, wie man sein eigenes Gemüse züchtet, weil sie es im Heimatdorf nicht anders kannten. Experten im Ökolandbau und Gärtner stehen den „städtischen“ Laien außerdem helfend zur Seite. Im Rahmen der Jugendarbeit sollen vor allem auch Kinder und Jugendliche hier Kontakt zur Natur bekommen und von den Erwachsenen lernen. Es gibt auch ein eigenes kleines Café und ein Restaurant, wo ein Teil der Ernte verarbeitet wird, der ideale Treffpunkt für alle Helfer und Bewohner der Nachbarschaft. Das hinter dem Garten stehende soziale Konzept scheint aufzugehen. Auf jeden Fall ein nachahmenswertes Projekt, dass vielleicht auch in anderen Städte auf Interesse stößt.

[prinzessinnengarten.de]
[www.zitty.de]
[www.berlinonline.de]
[www.spex.de]

Kurzes Video über den Prinzessinnengarten: [vimeo.com]
Bilder: [www.flickr.com]

Foto: Screenshot [prinzessinnengarten.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

20.05.2010 11:29 Paradiesgarten

Klasse Idee !
20.05.2010 11:49 JaguarE
Die recycelten Industriekörbe und Bäckerkisten haben mich neugierig gemacht. Scheint eine einfache und preiswerte Innovation zum Anlegen von Hochbeeten zu sein.
Wer weiß, wo es solche Kisten gibt?
20.05.2010 16:30 Katalin
JaguarE schrieb:
Die recycelten Industriekörbe und Bäckerkisten haben mich neugierig gemacht. Scheint eine einfache und preiswerte Innovation zum Anlegen von Hochbeeten zu sein.
Wer weiß, wo es solche Kisten gibt?


Hmm.... vielleicht weiß es jemand im Forum? Ich glaube das sind die Chancen am größten eine Antwort zu bekommen
21.05.2010 15:47 kruemel
JaguarE schrieb:
Die recycelten Industriekörbe und Bäckerkisten haben mich neugierig gemacht. Scheint eine einfache und preiswerte Innovation zum Anlegen von Hochbeeten zu sein.
Wer weiß, wo es solche Kisten gibt?


Soweit ich weiß haben die vom Prinzessinnengarten die Körbe als Spenden direkt von einem großen Bäckereibetrieb. Vielleicht kannst du ja mal beim Bäcker deines Vertrauens nachfragen, ob er dir welche verkauft, oder woher er die bekommt? Aber ob die an sich preiswert sind, weiß ich nicht
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