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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Der Rhein
76 mal angesehen
31.05.2010, 21.08 Uhr

Rhein-Doku

Wahrscheinlich haben es inzwischen die meisten mitbekommen, dass wir ziemlich nah am Rhein wohnen. Also das sind vielleicht 2 Kilometer, und wir sind regelmäßig dort, um spazieren zu gehen. Allerdings sogar lieber im Herbst und Winter als im Sommer, weil in den warmen Monaten diese Jet-Skis unerträglichen Lärm verursachen, den man selbst noch einen Kilometer weiter weg hört. Da ist an Entspannung nicht mal zu denken. Aber das ist eine andere Geschichte. Wo war ich, ach ja: bei „Quarks & Co“ gab es vor kurzem eine ganze Folge nur über den Rhein, den ich mir als „Zugezogene“ mit großem Interesse angeschaut habe.

Vor allem ist der Rhein natürlich eins: ein Touristenmagnet. Insbesondere ins Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz strömen die Besucher aus aller Welt. Kein Wunder, schöner als hier könnte man sich die Rheinromantik gar nicht ausmalen. Ich bin vor ein paar Monaten mit dem Zug von Mainz nach Koblenz gefahren und hatte keine Ahnung, dass die Strecke wirklich direkt am Rhein entlang führen würde. Eine schönere Zugfahrt habe ich sonst nur selten erlebt. Tiefe Schluchten, romantische Städtchen und eine Burg direkt neben der anderen. Da habe ich dann beschlossen, das wir hier irgendwann noch mal hinfahren müssen. (wovo weiß ja, wie schön es da ist )

Außerdem weiß ich jetzt, dass jährlich 200 Millionen Tonnen Güter über den Rhein transportiert werden. Wunder mich jetzt nicht wirklich bei den vielen Frachtern, die jeden Tag vorbeituckern. Das wäre übrigens ohne einen gewissen Johann Gottfried Tulla gar nicht möglich. Denn im 18. Jahrhundert war der Rhein nicht ein Fluss, sondern ein teilweise ganzes System aus kleineren Flüssen, die außerdem ab und zu ihren Lauf änderten. Das führte sogar dazu, dass manche Orte mehrere Male entweder zu Deutschland oder zu Frankreich gehörten, da der Rhein die Grenze zwischen beiden Ländern war.

Der Offizier und Ingenieur Tulla wollte den Rhein dann endlich schiffbar machen und Ortschaften vor Hochwassern beschützen – also den Rhein in seinem Lauf korrigieren. Dazu ließ er ein breites Flussbett graben, legte mehrere Flussarme zu einem großen Strom zusammen und verkürzte den Flusslauf an vielen Stellen, in dem er Schleifen durchbrach und austrocknen ließ. Durch diese Maßnahmen änderte der Fluß nicht mehr seinen Lauf und begann außerdem schneller zu fließen. Das Hochwasserproblem war allerdings trotzdem noch nicht gelöst. Der Rhein überflutete immer noch große Augebiete.

Das sollte sich im späten 19. Und 20. Jahrhundert endgültig ändern. Staustufen sollen die Fließgeschwindigkeit regulieren. Große Teile des Rheins werden eingedeicht. Die Auengebiete direkt hinter den Deichen verdorren und werden oft als Ackerflächen oder Bauland genutzt (wir haben hier auch riesige Felder direkt hinter den Deichen…). Zwar überflutet der Rhein jetzt nur noch selten die Deiche, dafür kommen die Hochwasser jetzt immer weiter nördlich an, während sie früher durch die Überflutungsgebiete am Ober- und Mittelrhein bereits abgeschwächt wurden.

So wurde auch unser Ort noch im 19. Jahrhundert eher von Hochwassern erwischt, es gibt dazu Markierungen im Ort, die einen bei dem Gedanken schaudern lassen. Aber durch die Deiche ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass da bei uns noch was ankommt. Dafür werden jetzt eher Städte wie Köln oder Düsseldorf überschwemmt. Die Natur bahnt sich eben ihren Weg gnadenlos… Jetzt gehen Wasserbauingenieure wieder dazu über alte Flussbiegungen und die dazugehörigen Auenwälder wieder anzuschließen oder neue künstliche Überflutungsflächen zu schaffen, wo dies nicht mehr möglich ist. Dazu gehörige Tierarten sollen sich wieder ansiedelten. Ein wichtiger Trend zurück zur Natur, so ein Fluss lässt sich eben doch nicht bezwingen. Dann lieber kontrolliert – und vor allem nicht in den Städten - überfluten lassen.

Übrigens hat die hohe Fließgeschwindigkeit auch eine unmittelbare Gefahr für uns. Etwa 30 Menschen sterben jährlich im Rhein, weil sie von der Strömung mitgerissen wurden oder mit einem Schiff aneinander geraten sind. Ich bin noch nie richtig drin schwimmen gewesen. Ist mir zu gefährlich. Rumplanschen reicht auch .

Die Sendung erklärte weiterhin wie der Rhein im Laufe von sage und schreibe 40 Millionen Jahren seine heutige Form angenommen hat. Hättet ihr gewusst, dass er zwischendrin, also so vor 20 Millionen Jahren, aus drei komplett getrennten Einzelstücken bestand? Es gab einen Alpenrhein, der in die Donau floss, einen Oberrrhein, der bei Straßburg entsprang und bei Mainz ins Meer floss (ja, damals lag Mainz am Meer, allerdings gab es die Stadt da noch nicht ) und einen Mittelrhein, der bei Koblenz entsprang und bei Bonn ins Meer floss. Erst durch weitere geologische Veränderungen und vor allem durch die Eiszeiten nahm er seine heutige Form an.

Naja, am besten schaut ihr euch die Videos direkt an, die Mitarbeiter von Quarks & Co können das noch viel besser erklären als ich.
[www.wdr.de]

Weitere tolle Links zum Rhein sind:
[www.schaetze-der-welt.de]
[www.welterbe-mittelrheintal.de]
[www.planet-wissen.de]
offline

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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

01.06.2010 02:07 JaguarE
Rhein oder Nicht-Rhein? ... war das nicht die Frage? ...
01.06.2010 11:00 Paradiesgarten
Bin doch auch eine waschechte Rheinländerin und die Zugstrecke auch schon gefahren (als ich damals gelasert worden bin und nicht Auto fahren durfte !). Sie ist wirklich wunderschön !
LG
04.06.2010 11:49 Magarete
Hallo Krümmel,
ich kann Deine Ausführungen nur bestätigen, den ich bin am Rhein geboren und auch aufgewachsen...
Vielen Dank für Deinen Beitrag!
Grüsse Frau Nachbarin, vielleicht sieht man sich ja
mal hinten in unserem Naherholungsgebiet,
am Rhein!
Magarete
04.06.2010 19:36 kruemel
Magarete schrieb:
Hallo Krümmel,
ich kann Deine Ausführungen nur bestätigen, den ich bin am Rhein geboren und auch aufgewachsen...
Vielen Dank für Deinen Beitrag!
Grüsse Frau Nachbarin, vielleicht sieht man sich ja
mal hinten in unserem Naherholungsgebiet,
am Rhein!
Magarete


Ja, das wäre nett.
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