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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Cem Guenes  / http://hartzivmoebel.blogspot.com
118 mal angesehen
07.06.2010, 21.08 Uhr

Der 24 Euro-Sessel

Le Van Bo, auch „Prime Lee“ genannt, ist Berliner Architekt - und er hat einen ganz besonderen „Designersessel“ entwickelt. Er ist schlicht, modern und bequem. Sein Aussehen ist inspiriert von nicht weniger als dem berühmten Barcelona Chair, den Mies Van der Rohe entworfen hat, und der als Designerstück über 5000 Euro kostet. Doch der 24 Euro-Sessel soll genau das Gegenteil sein und im Sinne des Bauhaus-Stils Design für die Menschen sein. Um genau zu sein für Harz IV-Empfänger.

Wie der Name schon sagt kostet der Sessel nur etwa 24 Euro. Allerdings gibt es ihn nicht fertig zu kaufen, denn erst ist ein Selbstbau-Möbel – fertig in etwa 24 Stunden. Das wichtigste Material ist ein 150 x 60 cm großes Brett, das im Baumarkt kostenlos zu handlichen Leisten zurechtgeschnitten wird. Die Endstücke sind so klein, dass sie sogar im Rucksack transportiert werden können. Der Zusammenbau erfolgt nach einer Anleitung, die man sich von Le Van Bo per E-Mail zuschicken lassen kann. Sie passt genau auf ein A4 Blatt und ist erstaunlich simpel gehalten.

Zwar werden im Internet alle Arbeitsschritte noch einmal mit Bildern erklärt. Ein paar grundlegende Kenntnisse in Holzverarbeitung sollte der angehende Heimwerker allerdings schon mitbringen. In Berlin empfiehlt er Volkshochschul-Tischlerkurse, die inzwischen sogar seinen Sessel mit ins Programm aufgenommen haben. Da hat man dann auch die entsprechenden Werkzeuge parat und unter fachkundiger Anleitung schaffen es auch Anfänger, diesen Sessel zu bauen.

Doch es geht dem Architekten nicht nur darum, finanziell benachteiligten Menschen billige Möbel zu entwerfen. Der Sessel soll den Menschen ebenso vermitteln, dass sie etwas mit ihren eigenen Händen bauen können. Er soll ihnen den Stolz vermitteln, der entsteht, wenn man etwas ganz allein geschafft hat. So soll der „Hartz IV-Sessel“ durchaus auch den Erbauer wieder ermutigen, sein Leben in die Hand zu nehmen.

Und Le Van Bo weiß da sehr genau, wovon er spricht. Auch er war eine Zeit lang arbeitslos und auf staatliche Hilfen angewiesen und hat die Erfahrung gemacht, dass es da oft an Selbstvertrauen und Glaube in das eigene Können mangelt. Ebenso geht es auch vielen Kindern und Jugendlichen in den Berliner Problembezirken. In einem davon, nämlich in Wedding, ist Prime Lee als Kind einer Flüchtlingsfamilie aus Laos aufgewachsen.

Deshalb engangiert er sich außerdem im gemeinnützigen Verein Kiez-Tank-Stelle e.V., in dem vor allem Kinder und Jugendliche gefördert und ihnen Perspektiven aufgezeigt werden sollen. Ein Projekt davon ist „Schooltalks“, bei dem Vorbilder in die Schulen gebracht und vorgestellt werden. Das sind Menschen mit Migrationshintergrund oder aus einem „Problemviertel“, die aber etwas in ihrem Leben erreicht haben. Darunter waren Rechtsanwälte, Sportler, Sterneköche, aber auch Musiker oder Komiker. Sie sollen vermitteln, dass man sehr viel erreichen kann, wenn man sich nur Ziele setzt und immer weiter daran arbeitet, auch wenn es mal Probleme gibt. Die Jugendlichen sollen wieder eine Zukunftschance sehen und etwas, wofür es sich lohnt zu Schule zu gehen und gute Noten zu schreiben.
[schooltalks-berlin.blogspot.com]
[www.rbb-online.de]

Weitere Infos zum 24 Euro Sessel
[hartzivmoebel.blogspot.com]
[www.spiegel.de]

Interview mit Le Van Bo
[www.taz.de]

Foto: Cem Guenes / [hartzivmoebel.blogspot.com]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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