Zur mobilen Version wechseln »
AktuellesWetterShopAboMediaserviceKontaktDie besten Seiten der ImkereiImkerzeitschriften
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Ein Bienenschwarm im Juni IV Mitte Juni - eine Honigwabe Belegstelle "Am Unterwieser Wald" in Bayern
681 mal angesehen
21.06.2010, 22.46 Uhr

Arbeiten am Bienenvolk im Sommer: Ein Erfahrungsbericht

Der Sommer hat sich dieses Jahr lange bitten lassen. Bis weit in den Mai hinein fast nichts außer Regen. Ende April war daher bei den Völkern eines Standes Notfütterung angesagt, alle anderen haben es so geschafft bis sich die ersten regenlosen Tage eingestellt haben. Ab Mai ging es dann erfreulicherweise auch los mit der sommerlichen Imkerei.

Mehr Bienen - mehr Arbeit.
Irgendwas haben wir letzten Winter richtig gemacht, zumindest hatten wir kaum Ausfälle und im Frühjahr gut entwickelte Völker. Ab Mai und mit Einsetzen der ersten regenfreien Tage und der ersten Tracht ging es dann mit fast allen Völkern steil bergauf.

Erweiterung
Ab Mai stand also vor allem die Erweiterung der Völker auf dem Plan. Das es so viele Völker so gut geschafft haben, hat uns etwas überrumpelt. Ende Mai war also erneutes Wabenpressen, Rähmchen drahten und Mittelwände einlöten angesagt und zwar im großen Stil. Die fertigen Rähmchen mit Mittelwänden wurden dann meist postwendend in die Völker eingehangen. In Trogbeuten ist das Erweitern ziemlich einfach, indem der Schied schlichtweg immer weiter nach hinten in der Trogbeute wandert. Bei unseren neuen Magazinen wurde die zweite Zarge in Betrieb genommen. Dafür mussten wir im Bienenhaus einige Umbauten vornehmen, da dieses auf Augenhöhe eine zweite Stellfläche für Beuten hatte, die aber stört, wenn die Magazintürme wachsen sollen. Nachdem die Stellfläche also weggesägt ist, kann man angenehm mit den Magazinen im Bienenhaus arbeiten. Das ist zwar keine Lösung, die alle Vorteile der Magazin Betriebsweise nutzt, aber im Moment ist mir ein Dach über dem Kopf einfach lieber.

Ablegerbildung
Neben der Erweiterung stand die Ablegerbildung auf dem Plan, an der ich leider berufstechnisch nicht allzu sehr beteiligt war. So wie ich das verstanden habe, bildet mein Imkerchef vor allem Brutwabenableger. Dabei benutzt er offene Brutwaben und behandelt die Ablegervölker nach Bildung mit Milchsäure. Für die Ablegerbildung nutzt er die bei uns vorhandenen Ablegerkästen zu meist 5 Waben. Diese sind umständlich, weil man sie extra lagern muss aber auch praktisch, weil sie ein einfaches Transportieren der Ableger von einem Stand zum nächsten erlauben. Varianten wie den Flugling haben wir bisher noch nie benutzt, ich möchte das aber nächstes Jahre einmal mit meinen Magazinen ausprobieren. Wir vermehren natürlich auch über Schwärme! Und zwar mit unseren eigenen Immerhin haben wir gerade zu viele Bienen, so stört der ein oder andere Schwarm nicht. Ich habe sogar manchmal das Gefühl, dass mein Imkerchef es auf den einen oder anderen Schwarm unbewusst anlegt, damit er mal wieder eine gute Ausrede hat die ein oder andere Klettertour zu machen und sich vor der Hausarbeit zu drücken. Aber das ist natürlich nur Spekulation, meinerseits - selbst ein Schelm, we Böses denkt.

Königinnenzucht
Auch die Königinnenzucht stand dieses Jahr wieder an. Wir züchten nicht systematisch. Ich hatte zwar angeregt, dass wir einmal detailliertere Stockkarten anlegen sollen, aber für meinen Imkerchef ist das Imkern Hobby und das heißt: Nichts, was ihm nicht Spaß macht, also auch keine unnötige Buchführung in irgendeiner Form. Damit muss ich dann wohl erst einmal leben. Da er dauernd an seinen Völkern dran ist, weiß er aber sehr genau, welche Völker sanftmütig sind, guten Wabensitz und Honigertrag bringen - von diesen wird dann nachgezogen. Dazu larvt er entweder kleine Maden aus guten Völkern um - etwa indem er Teile des Nicotzuchtsystems nutzt. Oder er verpflanzt von guten Völkern angesetzte Schwarmzellen in weisellose Völker. Über die Jahre haben wir auch einen Satz von über 20 Apideakästchen angesammelt. Das sind kleine braune Kästchen mit je zwei Miniwaben und einem Futtertrog drin, die für die Königinnenzucht genutzt werden können. Um die Kästchen zu befüllen wird zuerst ein Kustschwarm gebildet, indem Pflegebienen von Brutwaben abgefegt und in einem Kasten gesammelt werden. Dieser Sammelkasten ist so gebaut, dass er ein Sieb hat, in dem Drohnen hängenblieben - nur die Arbeiterinnen können so aussortiert werden. Mit einen Joghurtbecher werden dann je eine Portion Arbeiterinnen den Kästchen zugeteilt. In den Kästchen hängen bereits die zwei Rähmchen mit einem Anfangsstreifen aus Wachs. Der Futtertrog ist mit sehr zähflüssigem Futterteig gefüllt. Durch eine runde Öffnung zwischen den beiden Rähmchen kann man dann ein Weiselnäpfchen oder eine Weiselzelle zuhängen, die im Kästchen aufgezogen wird. Die Kästchen sind gut zu transportieren und da wir sie nur zum kurzfristigen Einsatz nutzen für uns auch völlig ausreichend.

Belegstellen
Sobald sie fertig befüllt sind wandert ein Teil der Kästchen auf eine Belegstelle - wir wechsel dabei jedes Jahr zwischen zwei naheliegenden: Eine am "Unterwieser Wald" in der Gemeinde Samerberg und eine andere im Gebiet um den Wendelstein. Ein kleinerer Teil der Kästchen wird standbegattet. Natürlich könnten wir auch nur von standbegatteten Bienen nachziehen, dazu müsste man aber mehr Augenmerk auf die Leistungen der einzelnen Völker legen um sich selbst gutes Bienenmaterial heranzuziehen. Nachdem "erweiterte Buchführung" meinem Imkerchef keinen Spaß macht und ich nicht jedes Wochenende dabei sein kann, nutzen wir also dankbar die Dienste der Belegstellen, meist mit guten Ergebnissen. Alle paar Jahre kaufen wir auch Königinnen ein - Shoppen für Imker sozusagen - glücksbringend und stressreduzierend. Der letzte Kauf von drei Königinnen vor 5 Jahren endete durch eine Unachtsamkeit der Post in einem beinahe Fiasko. Wie immer stelle der Postbote das Paket auf der Südterasse ab, anders als die Standardware von Neckermann und Co. sind Bienen aber hitzeempfindlich und so überlebten zwei der drei Königinnen die Tortur nicht bis zu unserer abendlichen Rückkehr. Bei dem erneuten diesjährigen Kauf von drei Königinnen haben wir also sehr darauf geachtet einmal die Post vorab zu informieren und mit einem Glas Honig zu bestechen und dann auch tunlichst eine Person zum Postempfang abzustellen.

Königinnenkauf
Beim Königinnenkauf haben wir uns weniger an den Kleinanzeigen in Zeitungen orientiert, sondern eine Recherche auf ww.beebreed.eu durchgeführt. Dort kann man sich die Zuchtwerte der geprüften Königinnen aller registrierten Züchter anschauen. Man kann dabei einmal nach Landesverband sortieren, etwa um nur Daten regional naheliegender Züchter auszuwählen. Dann kann man nach Wert selektieren: Ich habe einmal größenwahnsinnig dem Programm vorgegeben nur Werte von Könginnen auszuspucken, die im Test bei allen Werten über 101 lagen. Die folgende Liste war relativ klein, aber lieferte doch eine ganze Reihe Züchter. Kennt man nun die Züchternummer eines solchen, kann das Programm über die Jahre hinweg alle Werte der von diesem Züchter getesten Königinnen anzeigen. So kann man ersehen, ob über die Jahre hinweg die Tendenz der bewerteten Werte ansteigt - etwa durch gute Selektion. Allerdings kauft man anschließend nicht die getesteten Königinnen, sondern deren Nachzuchten. Immerhin, so denke ich mir, wenn ein Züchter über die Jahre hinweg immer gute und besser werdende Prüfungsergebnisse hat, hat man zumindest eine hohe Chance eine gute Nachzucht zu erwischen. Eigene Nachzuchten und gekaufte Monarchinnen werden dann genutzt um unseren Völkerbestand aufzumöbeln: Die Königinnen von notorischen Stechern, Schwärmern und Faulpelzen werden abgemurkst und umgeweiselt.

Honig
Erweitern, Ablegermachen, Königinnen züchten - fehlt noch der erfreuliche Teil der ganzen Arbeit: Die Honigernte. Unsere Völker wandern nicht, sondern bleiben immer fix in ihren Häusern, insofern fällt unsere Ernte im Vergleich mit Wanderimker wahrscheinlich eher gering aus. Gemessen haben wir die Honigleistung unserer Völker aber noch nie - das wäre dann ein Projekt für das nächse Jahr. Gefragt, hat mein Imkerchef einen Mittelwert um die 20 bis 30kg pro Jahr angegeben. Wie genau das ist, lässt sich aber nicht sagen. Normalerweise schleudern wir ein bis zweimal im Jahr. Nachdem es dieses Jahr aber fast keine Frühtracht gab, fiel die Honigernte allein in den Sommer. Ab Anfang Juni hatten wir raue Massen von vor allem Waldtracht zu vermelden, auch jetzt Anfang Juli honigt es noch hier und da. Sortenhonig produzieren wir außer Waldtracht keinen, dafür ist unsere Vegetation zu bunt.
Nicht so schön, aber alte Imkersitte ist es bei uns, ein- bis zweijährige Waben auch in den Honigraum zu hängen, aus Angst vor Wabenbruch. Bisher lässt sich mein Imkerchef davon nicht abbringen. Die Bienen würden die Waben ja säubern und in natura würden sie auch überall einlagern, nicht nur in neugebauten Waben. Schöner sind natürlich frisch ausgebaute Mittelwände und angeblich auch hygenischer. Andererseits bin ich mir auch nicht so sicher, ob die Versteifung auf bloß neu ausgebaute Mittelwände dem europäischen Wunsch nach dem schönen hygienischen Schein mehr entspricht, als tatsächlich vorhandener Hygiene bei der Honigproduktion. Nicht alles was "sauber" ausschaut, muss auch sauberer sein als anderes. Und was, wenn "Larvenhäutchengeschmack" nicht auch eine Note im Honig ausmacht - früher ging es ja auch so. Immerhin ist das Argument der stärkeren Übertragung von Rückständen durch bebaute Mittelwände eines das zählt. Hier muss ich wahrscheinlich noch ein paar Jahre Übezeugungsarbeit leisten, bevor sich was ändert.
Bevor der Ernte, die meist morgens erfolgt, testen wird den Honig mit einem Spitztest auf seine Reife. Spritzt beim Schütteln der Waben kein Honig, so hat er wohl um die unter 18% Wassergehalt. Die Waben werden dann abgefegt, in Transportzargen umgehängt und zum Ausschleudern gefahren. Das Abfegen in Trogbeuten ist etwas umständlich, weil man öfters mal die selbe Biene abfegt: Und irgendwann ist diese dann enorm wütend. Stiche nehme ich mittlerweile nicht mehr persönlich, sondern hake sie unter "Schmerz ist Schwäche die den Körper verlässt" ab. Immerhin, 3 Stiche nach der Ernte bei über 15 Völkern finde ich nicht so schlimm und es gibt keinen besseren Grund sich vor vielem zu drücken, als der Verweis auf einen akuten Bienenstich
Für die Honigverarbeitung haben wir einen eigenen, gefließten Kellerraum. Wir entdeckeln mit Hand und schleudern in einer elektischen 4 Waben Tangentialschleuder der Firma Carl Fritz. Mittlerweile ist dieses Gerät über 20 Jahre alt und läuft noch fehlerfrei. Der Honig wird dann mit Edelstahlsieben vorgesiebt und in Eimer abgefüllt. Erst vor Verkauf holen wir in dann wieder raus und schicken ihn zur erneuten Verflüssigung einmal durch ein Melitherm Gerät, das mit einem feinen Nylonsieb ausgestattet ist.

Viel Arbeit an der Imkerfront also im Sommer, aber bald ist ja wieder Winter!
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

22.06.2010 10:01 Bienenfreund
Die Explosionen dürften von den Bienen kommen
Dann gilt es in Deckung zu gehen
bis sich die Aufregung wieder gelegt hat
22.06.2010 10:16 Katalin
*lach* die Idee mit dem Trailer ist gut.... wie steht es im Kino auf der Leinwand "Comming soon to your theatres"....
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang