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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Bieneninstitut Kirchhain - Lehrbienenstand mit Zander Magazinen V Bieneninstitut Kirchhain -  Struktur einer Wabe mit Honig und Brut III Bieneninstitut Kirchhain
621 mal angesehen
21.06.2010, 22.51 Uhr

Out of Rosenheim: Das Bieneninstitut Kirchhain

Langsam frage ich mich, ob ich nicht öfters mal heimfahren sollte, denn in Rosenheim war ich schon länger nicht mehr, dafür überall sonst auf der Welt - naja, zumindest in Hessen - diesmal im schöneren Teil von Hessen, in Kirchhain.

Das Bieneninstitut Kirchhain geht auf die 1928 durch den Preußischen Wissenschaftsminister gegründete "Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht bei dem Zoologischen Institut der Universität Marburg zurück. Nach einer wechselhaften Geschichte erfolgte 1970 die Eingliederung in die Abteilung für Bienenzucht der Landesanstalt für Tierzucht. Seit dieser Zeit wurde in Kirchhain eine eigene Carnica Population aufgebaut, der "Kirchhainer Bestand". Einen Schwerpunkt der damaligen wie heutigen Zuchtarbeit stellt die Fortentwicklung von Prüfmethoden und ihre Vermittlung an die Praxis dar. In Kirchhain wurde mit Hilfe des Deutschen Imkerbundes auch eine zentrale Besamungsstation aufgebaut, die durch die somit möglich gewordenen Verbreitung reingepaarter Königinnen einen großen Einfluss auf die bundesweite Zuchtarbeit mit der Carnica ausübte.
Im Zeitalter der Carnica steht in Kirchhain vor allem die Suche nach Behandlungsmethoden der Varroa im Zentrum, die auf organischen Säuren oder biotechnischen Strategien beruhen. Zentral für den Kirchhainer Ansatz ist dabei der Einsatz von 60%iger Ameisensäure sowie des Bannwabenverfahrens. Gegenwärtig stehen in Kirchhain für Versuchszwecke etwa 300 Bienenvölker zur Verfügung. Entlang einer Kooperation mit den Universitäten Marburg und Gießen können bienenkundliche Lehrveranstaltungen angeboten sowie Diplom- und Doktorarbeiten betreut werden. Und man ist Mitglied in der AG Toleranzzucht. Einen längeren Überblick über die Geschichte des Bieneninstituts und Infos zur AG Toleranzzucht findet man hier:
[www.llh-hessen.de]
[www.toleranzzucht.de]

Das Bieneninstitut Kirchhain erreicht man von Frankfurt Hauptbahnhof mit einem direkten Regionalexpress Richtung Marburg/Gießen. Die Fahrt dauert etwa eineinhalb Stunden. Etwa jede Stunde geht ein Zug hin und auch wieder zurück. Wer also keine langen Wartezeiten am Bahnhof mag, informiert sich besser rechtzeitig über die Verbindungsdetails. Vom Bahnhof Kirchhain ist es ein angenehmer Fußmarsch von etwa 10 Minuten zum Bieneninstitut, schnelle Geher schaffen es auch in fünf Minuten.

Das Bieneninstitut Kirchhain bietet über das Jahr hinweg eine ganze Reihe von Kursen an, die sich in eine Lehrgangsreihe "Gute imkerliche Praxis" mit insgesamt sieben Terminen und verschiedene "Speziallehrgänge" einteilen lassen. Die Kurse sind ganztätig und starten meist um 9:00 morgens. Ende des Kurstages ist ca. 18:00. Über den Kurstag verteilt, gibt es eine Kaffeepause vormittags sowie ausreichend Zeit für ein Mittagessen, welches man sich selbst - z.B. beim Bäcker in unmittelbarer Umgebung des Instituts oder in der schönen Kirchhainer Innenstadt - organisieren muss. Die Innenstadt liegt gleich neben dem Bahnhof und ist in etwa 10 Minuten zu erreichen.
Anfängern sehr zu empfehlen ist die Reihe "Gute imkerliche Praxis". In sechs, über das Bienenjahr verteilten, Terminen werden Neuimkern alle notwendigen Grundlagen der Imkerei beigebracht. Das Themenspektrum reicht von einer Einführung in Biologie der Bienen und des Bienenvolkes über Auswinterung und Frühjahrsrevision, Sommerarbeiten bis hin zur Einwinterung. Dazu wird ein umfassender Einblick in Möglichkeiten der Varroabehandlung und den Umgang mit verschiedenen Bienenkrankheiten gegeben. Am Ende des Jahres gibt es dazu noch einen siebten Termin, den Honiglehrgang. Jeder der sieben Kurstage umfasst eine theoretische Einführung am Vormittag sowie praktische Übungen am Nachmittag. Die praktischen Übungen werden am Lehrbienenstand des Instituts durchgeführt, der etwas außerhalb von Kirchhain liegt. Für den Weg dorthin werden Fahrgemeinschaften gebildet. Auf dem von mir besuchten Speziallehrgang fanden den sich eine ganez Reihe Anfänger, die allesamt durchweg begeistert von den Anfängerkursen waren.
Die Speziallehrgänge behandeln Themen wie Grundlagen der Zucht, Königinnenaufzucht, Jungvolkbildung, Gesunde Völkerführung, Betriebsführung für Freizeitimker und andere. Das Themenangebot umfasst Kernthemen und wenige jährlich wechselnde Spezialthemen. Auch diese Kurse laufen ganztägig, manche sind zweitägig angelegt. wie auch bei den Anfängerkursen wechseln sich eine theoretische Einführung und ein Praxisteil am Lehrbienenstand ab. Genauere Informationen und Anmeldemodalitäten zu den Kursen findet man auf der Homepage des Bieneninstituts Kirchhain:
[www.llh-hessen.de]

Ich selber war aus Spaß an der Freude auf dem Kurs "Gesunde Völkerführung" Mitte Juni 2010. Die Inhaltsangabe des Kurses gibt als Inhalt des Kurses folgendes an: "Grundlagen natürlicher Vitalität, Völkerführung und Varroa, Brutentnahme und Jungvolkbildung." Im Kurs waren insgesamt 25 Personen aller Altersklassen, dabei nur wenig mehr Männer als Frauen. Der Vormittag bestand aus insgesamt drei sehr informativen Vorträgen, bei denen sich die Referenten Dr. Ralph Büchler, der Leiter des Institus, und Bruno Binder-Köllhofer abwechselten. Die Vorträge umfasstend dabei drei aufeinander aufbauende Themen. In "Grundlagen natürlicher Vitalität", wo erläutert wurde wie es der Organismus Bien von sich aus schafft und schaffen kann widrigen Umweltumständen und Parasiten zu trotzen. Darauf aufbauend ging der Teil "Naturgemäße Völkerführung und Krankheitsbekämpfung" auf das am Institut praktizierte Vorgehen bei der Volksführung ein und erläuterte, wie dieses Vorgehen sich natürliche Kompensationsmöglichkeiten der Bienen zunutze macht, um so den Einsatz chemischer Varroa-Medikamente so gering wie möglich zu halten. Das Credo der Institutsmitarbeiter war dabei, dass es darum ginge den Einsatz von Medikamenten so weit wie möglich zu reduzieren, um sich die natürliche Auslese der resistenten Völker zunutze zu machen und diese gezielt zu selektieren. Gerade der Einsatz von Medikamenten stünde der Selektion auf weitgehende Varroatoleranz entgegen, da so auch kaum resistente Völker weiter vermehrt werden. Im letzten Vortrag zur "Jungvolkbildung aus Brutsammlern und Fluglingen" ging es dann um die konkrete Methode der Sommerbehandlung, die am Institut praktiziert wird. Dabei werden - kurz gesagt - Ende Juni die Völker in Fluglinge und Brutableger aufgeteilt. Die Varroabekämpfung erfolgt in den Fluglingen durch die Nutzung einer einzelnen Fangwabe. Die Brutlinge werden bei eintretender Brutfreiheit einer Kurzzeitbehandlung mit 60% Ameisensäure unterzogen, die in dreitägigem Abstand einmal wiederholt werden kann. Diese Methode zeigt gute Ergebnisse, solange sie von einem konsequenten Varroa-Monitoring und der gezielten Selektion weitgehend Varroa resistenter Völker begleitet wird. Genauere Informationen zur Kirchhainer Vorgehensweise und zu vielem weiteren findet man z.B. hier im Internet:
[www.llh-hessen.de]

Den Abschluss des Kurses bildete dann eine mehrstündige praktische Vorführung am Lehrbienenstand des Institutes. Die Kursgruppe wurde dazu zweigeteilt. Eine Hälfte betreute Bruno Binder-Köllhofer, die andere Karin Petzoldt-Treibert. Das bisher im Kurs besprochene wurde dabei eins zu eins an verschiedenen Völkern demonstriert, gleichzeitig standen weitere Völker bereits präpariert bereit, an denen man nachfolgende Arbeitsschritte durchgehen konnte. Eindrucksvoll fand ich die Sanftmut und den Wabensitz der Kirchhainer Bienen - wer sich überlegt Königinnen zu kaufen, kann einen solchen Kursbesuch noch ganz praktisch mit einer Tuchfühlung der möglicherweise zu erwerbenden Zuchtlinie verbinden. Um etwa 17:00 waren dann auch die letzten Fragen beantwortet und der Kurs wurde beendet. Im Nachhinein ist der Tag wirklich sehr schnell vergangen und ich selber bin voll zufrieden. Der Kurs hat mir sehr viel gebracht, nicht nur weil er gut strukturiert, gut gehalten und durch gute Kursmaterialien ergänzt wurde, sondern gerade auch durch die sehr kompetent angeleiteten praktischen Übungen. Schade, dass es mir zeitlich wahrscheinlich nie möglich sein wird, einen kompletten Anfängerkurs in Kirchhain zu belegen. Wer in der Nähe wohnt, sollte das Angebot des Instituts auf jeden Fall nutzen - zwar kosten die Kurse an die 20 Euro, aber die sind es - meiner Meinung nach - auf jeden Fall wert.
Vom Kurs bleiben mir die Skripte der Vorträge, mit denen ich mein löchriges Gedächtnis gut überbrücken kann sowie eine Kursbescheinigung, die optisch mehr hermacht als mein Studienabschluss-Diplom. Ein Erfolg auf der ganzen Linie also und ein vorgemerktes Ziel für weitere Kursbesuche, sofern ich wieder mal Zeit dafür finde.

Eine ganze Reihe Photos des Bieneninstituts kann man in meinem Album einsehen:
[www.landlive.de]
offline

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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