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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Imkerei in Schottland:  Ablegerkasten, Imkerschleier, Smoker Imkerei in Schottland: Verschiedene schottische Honige und Honigsorten Imkerei in Schottland: Informationsstand der Bieneninspektoren
489 mal angesehen
09.07.2010, 01.43 Uhr

Out of Rosenheim: Imkerei in Schottland II

Ich war ja nun aber nicht in England sondern in Schottland. Außer tollen Pferden, martialischen Geschichten von Wikingern und Freiheitskämpfern sowie lauten Dudelsäcken gibt es auch in Schottland Bienen: Schottische Bienen, laut wie eine Great Highland Bagpipe, stachelig wie eine Distel und kampflustig wie William Wallace - zumindest glaubt man das, wenn man sich Photos schottischer Imker in ihren "Raumanzügen" anschaut.

Imkerei in Schottland – Trachtlage
Der größte Teil der schottischen Landschaft besteht aus Mooren und Heiden. Mit der Heide durfte ich bei einer längeren Bergtour eine harrsche Bekanntschaft machen: Heide ist nicht gut für den Blutdruck des amitionierten Highland-Erklimmers und auch sonst ziemlich bösartig und stachelig. Gehalten werden dort Hochlandrinder und Schafe, es gibt auch eine bedeutende Waldwirtschaft. Fruchtbare Gebiete, die von der konventionellen Landwirtschaft genutzt werden befinden sich vor allem im zentralen Flachlandgürtel, der sich entlang der englisch-schottischen Grenze und der Ostküste erstreckt. Allerdings gibt es über ganz Schottland verteilt Gebiete, die sich ideal für die Bienenhaltung eignen, sich aber in der Trachtlage ganz enorm unterscheiden.
Im Hochland und in den Moorgebieten ist die Heide die Haupttracht. Dabei unterscheiden Schotten zwischen „Bell Heather“ (Graue Heide) und „Ling Heather“ (Besenheide), die nacheinander zur Tracht kommen aber im selben Gebiet wachsen. Weitere Trachtpflanzen sind Ahorn, Wildkirsche, Schwarzdorn, Weide, Linde, Klee und in den landwirtschaftlichen Gebieten Raps. Die vielfältige Trachtlage macht es fast unmöglich standardisierte Sortenhonige zu ernten. Daher wird der meiste schottische Honig nicht industriell, sondern direkt von den Imkern vermarktet und als regionaler Honig verkauft.

Imkerei in Schottland – Eine Katastrophe nach der nächsten
Am Anfang stand die „Isle of Wright“ Krankheit . In ihrem Verlauf löschte diese Krankheit in den Jahren von 1904 bis 1910 fast die gesamte Bienenpopulation der britischen Inseln aus und stürzte die britische Imkerei in eine tiefe Krise. Nur an wenigen Stellen überlebten kleine Populationen der einheimischen Bienen. Die Krankheit war auch der Ausgangspunkt der Buckfastzucht durch Bruder Adam. Erst 1921 konnte die Krankheit auf die Tracheenmilbe zurückgeführt und dadurch sinnvoll behandelt werden.
Die nächste Katastrophe für schottischen Imker kam im Jahr 1992 mit der Varroamilbe ins Land. Auch hier wurden wieder unzählige Bienenvölker vernichtet. Bis ins Jahr 2007 war Varroa auch amtlich meldepflichtig. Bei der Varroabehandlung setzt man in Schottland auf ein integriertes Varroamanagement, dass Varroamonitoring mit biotechnischen Methoden wie Fangwaben, Drohnenbrutschneiden und gezielte Ablegerbildung mit chemischen Verfahren kombiniert. Am meisten werden dabei die Mittel Bayvarol, Apistan oder Apiguard verwendet. Von den organischen Säuren wird allein die Benutzung von Oxalsäure für die Winterbehandlung empfohlen. Von Ameisensäure wird auf breiter Linie abgeraten, da es sich dabei nach Ansicht schottischer Imker um eine gefährliche Substanz handelt, die nur unter strikten Sicherheitsvorkehrungen verwendet werden sollte und zudem nur unsicher in der Wirkung ist. Es scheint also einen Unterschied zu machen, ob man in Deutschland fluffig von „Ameisensäure“ redet oder den etwas technischeren Begriff „formic acid“ benutzt, wie die Engländer.
Einen interessanten Überblick gibt die Broschüre „Managing Varroa“, die von der FERA („The Food and Environment Research Agency“) herausgegeben wird. Diese Broschüre macht auch einen, in Deutschland kaum propagierten, Unterschied zwischen zugelassenen und nicht zugelassenen Varroabehandlungsmitteln stark und votiert für zugelassene Mittel.
In der Broschüre wird auch die Methode des „Shook Swarms“ genauer erklärt, welche, nach Angaben der des hauptamtlichen schottischen Bieneninspektors, die zentrale Methode zur Bekämpfung von schweren Varroa- oder Faulbrutinfektionen ist. Dabei werden einem Volk sämtliche Flugbienen entnommen und in einer separaten Box mit Oxalsäure gegen Milbenbefall oder Antibiotika gegen Sporenbefall behandelt. Die gesamte Brut des Volkes wird dann vernichtet. Bei schwächeren Infektionen werden verschiedene Varianten dieses Vorgehens verwendet
Erst im Jahr 2009 erlebten die schottischen Imker dann den vorerst letzten Schock, als im Gebiet an der Ostküste, nördlich von Edinburgh eine massive Epidemie europäischer Faulbrut ausbrach, die einigen Imker bis zu 90% ihres Bienenbestandes dahinraffte. Erste Warnzeichen hatte die schottische Regierung bereits im Sommer 2009 aus England erhalten. Dort berichteten einige Imker davon, ihre aus Schottland gekauften Völker hätten amerikanische Faulbrut. Eine Inspektion bestätigte den Verdacht nicht, allerdings wurde europäische Faulbrut gefunden. Kurze Zeit darauf brach in Schottland selbst die europäische Faulbrut aus und führte zu einem massiven Bienensterben. Bisher hatte man in Schottland zwar amerikanische Faulbrut gehabt, nie aber europäische Faulbrut, so dass die Vermutung nahe lag, die Krankheit sei von aus Übersee oder Europa importierten Bienen auf die Insel gebracht worden. Im Zuge der Seucheneindämmung wurden infolge 5782 Völker begutachtet. In 255 Völkern und 64 Imkereien fand sich europäische Faulbrut und in 123 Völkern von 32 Imkereien fand sich amerikanische Faulbrut, womit etwa 13,2% der inspizierten Kolonien infiziert waren. Die vermutete Dunkelziffer der Krankheitsausbreitung liegt aber höher, da viele Imker nicht inspiziert wurden oder ihre Völker bereits vorab vernichtet hatten. Zur Eindämmung der europäischen Faulbrut griff man bei nur geringfügig infizierten Kolonien auf die „Shook Swarm“ Methode, Antibiotika (Apitec) und Desinfektion der Magazine zurück. Sofern die Infektionsrate über 50% der Brut lag, wurde das Volk ebenso wie Beute und Rähmchen vernichtet. Mittlerweile hat sich die Situation in Schottland beruhigt und schottische Regierung ebenso wie schottische Imkervereinigung arbeiten im Rahmen eines Bienengesundheitsplanes zusammen, um zukünftig solche Epidemien zu vermeiden.

Imkerei in Schottland – die SBKA
Die zentrale Vereinigung der Imker in Schottland ist die „Scottish Beekeepers Association" (SBKA). Diese wurde 1912 auf Bestreben von G. W. Avery, einem neu einberufenen Professor für Bienenhaltung am „Edinburgh und East of Scotland College of Agriculture“, gegründet. Bereits etwa 20 Jahre vorher gab es in Schottland viele kleinere Imkervereine, die teilweise in Konkurrenz zueinander standen. Der Ausgangspunkt der Vereinigung zur SBKA war die sich seit 1904 rasant in Großbritannien ausbreitende „Isle of Wright“ Krankheit, die fast die gesamte britische Bienenpopulation vernichtete. Ziel der SBKA in dieser Zeit sollte es sein, die am Boden zerstörten Imker zusammen zu bringen um die die Imker beim Wiederaufbau der Imkerei im Land zu unterstützen. Das Schlagwort im ersten Report der Vereinigung ist dabei „Union is Strenght“. In diesem Sinne versucht die SBKA seit damals Imker zum gemeinsamen Vorteil zusammen zu bringen – zur gemeinschaftlichen Imkerei, zur gemeinsamen Fortbildung und zur gemeinsamen Kontrolle alter und neuer Bienenkrankheiten. Die SBKA organisiert auch lokale Treffen und Honigprämierungen. Den Höhepunkt des Jahres bildet die gemeinsame Präsenz und Honigprämierung auf der „Royal Highland Show“ – der größten Landwirtschaftsmesse Schottlands, die ich besucht habe.
Eine Mitgliedschaft kostet gegenwärtige etwa 30 Euro. Sie beinhaltet ein Abo der Monatszeitschrift "THE SCOTTISH BEEKEEPER", den Zugang zur Moir Library und zu Kursangeboten der SBKA sowie eine kleine Versicherung.
Die SBKA betreut auch die Moir Library, die eine Erwähnung wert ist. Im Jahr 1912 begann Mr. John W Moir eine Privatsammlung von Büchern zur Imkerei anzulegen. Um 1933 umfasste die Bibliothek bereits 1270 Bücher und kurz darauf begann Mr. Moir die SBKA mit der Verwaltung der Bibliotke zu betreuen. Im Jahr 1939 umfasste die Sammlung bereits 1799 Bücher und 439 Zeitschriftenhefte. Darunter sind 233 Bücher, die als besonders wertvolle Bücher als Langzeitgaben in der schottischen Nationalbibliothek untergebracht sind. Einige dieser Bücher datieren bis ins Jahr 1525 zurück.
Aktuell hat die SBKA um die 1500 Mitglieder, etwa die Hälfte aller Imker in Schottland. Die SBKA hilft Neuanfänger der Imkerei auf vielerlei Weise. Sie vermittelt den Kontakt zu lokalen Bienenvereinen und Imkerpaten, sie bietet Kurse an und sie stellt verschiedenste Informationsmatierialien bereit, etwa die Heftserie "Beekeeping in a Nutshell", die einige sehr schöne Titel umfasst. Leider waren die meisten bei meinem Besuch schon ausverkauft, spannend fand ich aber das Heftchen "Listen to the bees", das die Versuche eines britischen Imkers und Rundfunktechnikers, bis hin zur Erfindung eines Apidiktors, dem Klangleben der Bienen näherzukommen ausführlich und unterhaltsam beschreibt. Auch einen Fanshop mit Shirts etc. gibt es bei der SBKA.

Imkerei in Schottland – Der Bienengesundheitsplan
Nach dem Ausbruch der Faulbrut im Jahr 2009 beschloss die schottische Regierung mehr als bisher für die Imkerei zu tun. Im Zentrum der Anstrengungen steht dabei eine personelle Institutionalisierung in Form eines hauptamtlich eingestellten Bieneninspektors und einer ganzen Reihe teilzeitbeschäftigter BieneninspektorInnen, die dem „Rural Payments and Inspections Directorate“ (RPID) zugeordnet sind. Daneben wurde ein staatlicher Plan zur Bienengesundheit aufgesetzt: Die „Honey Bee Health Strategy”, deren Ziel eine nachhaltige und gesunde Bienenpopulation sein soll. Dieses Programm startete im Juni 2010.
Im Zentrum der Überlegungen zur Strategie steht die Bedeutsamkeit der Honigbiene für Bestäubung von Nutzpflanzen aber auch anderen Pflanzen. Gleichzeitig wird betont, dass Honigbienen einer Vielzahl von Bedrohungen, Krankheiten und Schädlingen ausgesetzt sind.
Die "Honey Bee Health Strategy" versucht, auf diese Probleme der Imker eine Antwort zu geben. Dazu werden verschiedene Aktivitäten, Prioritäten und Ziele beschrieben sowie die diesbezüglichen Rollen der schottischen Regierung und ihrer Organe, der Imkervereinigungen und ihrer Imker ausgelotet. Das Programm hat eine Laufzeit von 10 Jahren, bis zum Jahr 2020. Zentrale Ziele des Programms sind erstens: Die Gesundheit der Honigbienen zu schützen und zu verbessern und die Imker dabei unterstützen und zweitens: Eine nachhaltige Gestaltung der Umwelt durch den Erhalt einer guten und gesunden Bienenpopulation.
Um diese Ziele zu erreichen kommt es auf die Partnerschaft der verschiedenen Gruppen an, die mit Imkerei und Bienen zu tun haben. So konstatiert eine zentrale Broschüre:
"The overall Aim of the strategy is to achive a sustainable and healthy population of honey bees for the pollination and honey production in Scotland through strenghtened partnership working between stakeholders with interests in honey bees."

Dazu werden 4 Strategien des Bienengesundheitsplanes eingesetzt:
Education, Training and knowledge transfer: Gute Standards in der Bienenhaltung und Zucht können das Risiko von Krankheiten und Epidemien minimieren und so zu einer nachhaltigen Honigbienenpopulation beitragen. Diese Standards sollen den Imkern durch Aus- und Weiterbildung nahegebracht werden.
Communication: Effektive Kommunikation und gute Beziehungen zwischen allen an Bienen interessierten Gruppen müssen auf allen Ebenen gefördert werden.
Surveillance, Diagnosis and Biosecurity: Gute Überwachung basierend auf Achtsamkeit, Berichten und Diagnosen hilft bei der rechtzeitigen Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Schädlingen.
Research and Development: Grundlegende Wissenschaft und empirische Evidenz zu Fragen der Bienengesundheit, Krankheitsprävention und -kontrolle sowie gute Zucht bilden die Basis für die drei oben genannten Punkte.

Ziel des Programmes ist es, dass sich die Imker ihrer hohen Verantwortung für das Krankheitsmanagement und der gesetzliche Verpflichtung meldepflichte Krankheiten anzuzeigen, bewusst werden. Deswegen werden Ressourcen für Imker bereitgestellt:
Die Regierung hält Imker dazu an sich in der nationalen Datenbank "Bee Base" der „national Bee Unit“ anzumelden. Über diesen Service können Imker Informationen über Bienengesundheit und Krankheitsausbrüche beziehen. Der Service hilft auch den Bieneninspektoren bei der Krankheitskontrolle. Die Regierungsagentur "Science and Advice for Scottish Agriculture" (SASA) bietet Imkern kostenlose Diagnose von Krankheiten und Epidemien an, dazu arbeitet sie eng mit der „National Bee Unit“ zusammen. Weiterhin wird von der schottischen Regierung ein Vollzeit Bieneninspektor am „Scottish Agricultural College“ (SAC) beschäftigt, der kostenlose Beratung, Kurse und Trainingsprogramme für Imker in ganz Schottland anbietet. Die schottischen Bieneninspektioren werden zudem Inspektionen durchführen, sobald die auf die mögliche oder faktische Anwesenheit von Krankheiten oder Epidemien hingewiesen werden.
Auch werden Forschungs- und Entwicklungsprogramme wie die "Insect Pollination Initiative" gefördert. Dazu steht auch einiges im vorherigen Beitrag.


Über schottische Imker gibt es aber noch viel mehr zu berichten: Bienenchaos, Beutenchaos, die größte Imkerei Schottlands unter Führung von Willi Robson (der "gute" Imker aus "Das Geheimnis des Bienensterbens") und warum Imkeranfänger-Sein in Schottland echt teuer ist dann später einmal...


Homepage der "Scottish Beekeepers Association":
[www.scottishbeekeepers.org.uk]

Eine umfassende, informative Dokumentensammlung der SBKA gibt es hier:
[www.scottishbeekeepers.org.uk]

Das Informationsheft: „Managing Varroa“
[secure.fera.defra.gov.uk]

Seite der schottischen Regierung zur Imkerei:
[www.scotland.gov.uk]

Probelektüre "Listen to the bees"
[www.beedata.com]

Eine Photoserie findet man hier:
[www.landlive.de]
offline

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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Kommentare

09.07.2010 11:55 Bienenfreund
Könnte es sein, dass die Ameisensäureanwendung hinsichtlich der Temperaturen und relativen Luftfeuchte in Schottland eher suboptimal ist?
Was die allgemeine Verbreitung der AS angeht, war das hier auch umstritten, aber es gab Ende der 1970er Jahre zunächst keine Alternative. Immerhin mussten die Behörden die Verantwortung dafür übernehmen, dass bis zu 100.000 Menschen/Imker von Jung bis Alt mit offenen Säuren hantieren, keine spaßige Sache.
Gruß Bienenfreund
09.07.2010 14:25 Austeja
Wahrscheinlich ist es beides. Wenn man die Texte der verschiedenen britischen Organisationen über Ameisensäure durchliest, fällt aber immer wieder auf, dass der Begriff "formic acid" doch auch wesentlich mehr mit Chemie in Verbindung gesetzt wird als "Ameisensäure" bei uns. Aber das Wetter bei denen ist natürlich auch ein Problem.
20.07.2010 14:15 Heckenimker
1)
Im ersten Bild scheint mir der Überstand der Wabenträger ungewöhnlich lang. Was haben die davon für ein Vorteil (oder meinen zu haben?) Ist so eine Länge dort Usus? Quer durch das Beuten-Rähmchenchaos?
2)
Ein klarer und straffer Bericht - habe ihn mit Spaß und Genugtuung (auch anderswo gibt es ähnlich wie bei uns laufend Probleme, die Zeiten sind und bleiben interessant).
Anerkennung für Mühe und Verständlichkeit (gelungene nicht nur bemühte).
HI.
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