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Unsere Maid Vubit Vubit beim Bügeln Unser Hoftor
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11.07.2010, 02.10 Uhr

Unser äthiopischer Haushalt

Eine Maid ist hier unumgänglich, auch "kleine Leute" haben eine. Es ist mehr zu tun, weil alles schnell einstaubt, nichts praktisch eingerichtet ist und auch die technischen Helfer weitgehend fehlen. Es gibt Waschmaschinen. Die Meinungen der Deutschen, ob man eine anschaffen soll, gehen auseinander. Der Grund ist ein moralischer, denn eine Maid, die auf dem Boden hockend mit kaltem Wasser die Wäsche schrubbt, hat einen Arbeitsplatz. Wir haben uns trotzdem für eine Waschmaschine entschieden.
Unsere Maid Vubit haben wir von unserem Vermeiter übernommen. Vorher arbeitete sie 10 Stunden am Tag, mit einem freien Sonntag im Monat, für umgerechnet 30 Euiro im Monat. Wir wollten sie erst einmal für sechs Stunden am Tag, der Hausbesitzer versuchte, ein entsprechend niedrigeres Gehalt auszuhandeln. Vubit sagte, sie würde sich dann so schnell wie möglich eine andere Stelle suchen, weil sie auf das Geld angewiesen sei. Wir sagten ihr 30 Euro zu.
Dann hatten die beiden noch ein Problem. Vubit sei familiär behandelt worden, sie wolle nicht wie eine Sklavin arbeiten, sie wolle nicht geschlagen werden. Wir sagten zu, die Menschenrechte einzuhalten. Das überzeugte nicht so. Erst als wir versprachen, sie nie anzuschreien, waren beide beruhigt. Vubit versprach, demütig und bescheiden zu sein.
Vubit ist das, was man früher eine Perle nannte. Sie kommt früher als verabredet und arbeitet zügig. Sie hält alles sehr sauber. Nur gebügelt hatte sie noch nie. Das tut sie inzwischen mit Feuereifer. Meistens schicke ich sie nach drei Stunden nach Hause, weil alles getan ist. Sechs Stunden hat sie noch nie gearbeitet.
Gewöhnlich werden auch noch zwei Wächter, einen für den Tag, einen für die Nacht, beschäftigt. Unser Vermieter sagte, das sei nicht nötig, die Gegend sei sicher, die Nachbarn zuverlässig. Es ist nicht eine Frage des Geldes, Wächter bekommen lächerlich wenig. Mir ist der Gedanke, dass immer jemand auf dem Grundstück herumlungert, unangenehm. Man muss auch Angst haben, dass das Personal stiehlt, das kommt vor. Alle Schränke haben Schlösser, sogar der Kühlschrank hat ein Schloss. Ich habe keine Lust, alles abzuschließen. So gehe ich selbst zum großen Hoftor, wenn jemand anklopft.

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Rosalie

Rosalie

Alter: 74 Jahre,
aus Frankfurt
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Kommentare

11.07.2010 11:39 Bienenfreund
Kühlschrank mit Schloss - das erinnert an bis aufs Messer zerstrittene WGs der 70er Jahre bei uns
Ich war aber nie in so einer, kenne das nur vom Hörensagen.
Vielen Dank für die vielen guten Infos in Deinem Blog und die Beschreibungen von Land und Leuten und sozialer Wirklichkeit. Eigentlich müssten wir uns hier schämen.
Gruß, Bienenfreund
12.07.2010 12:21 Paradiesgarten

Wie unterschiedlich doch der Alltag in verschiedenen Ländern ist...
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