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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Imkerei in Schottland: Schaubeute Imkerei in Schottland: Wabenhonig Imkerei in Schottland: Wabenhonig
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28.07.2010, 00.22 Uhr

Out of Rosenheim: Imkerei in Schottland III

Imkerei in Schottland – Bienenchaos
Bienen in Schottland kaufen ist eine kostspielige Angelegenheit: Die fast ständige Knappheit an Bienen und die 2009 wütende Faulbrutepidemie ließen den Preis für ein Bienenvolk im letzten Jahr auf bis zu 250 Euro ansteigen, so zumindest die Auskunft der Imker der SBKA. Auch ansonsten liegt der Preis für Bienen auf dem freien Markt kaum niedriger, da die Berufsimker immer wieder neue Völker zukaufen um bestehende Verluste auszugleichen, weiterhin gibt es ein großes Interesse an der Bienenhaltung von Privatleuten. Die Nachfrage an Bienen ist so immer höher als das Angebot. Als Anfänger sollte man sich daher an die „Scottish Beekeepers Association [SBKA]“ wenden. Deren lokale Vereine bieten Anfängern meist Bienenvölker zum Nulltarif an. Inklusive einer längerfristigen Betreuung durch einen erfahrenen Imker.
Die Bienen in Schottland bezeichnet ein Imker, den ich getroffen habe, etwas unfreundlich als „mongrels“ – eine abfällige Bezeichnung für unkontrolliert entstandene Hybride. Wie oben bereits angeführt, raffte die „Isle of Wright“ Krankheit – also die Tracheenmilbe - um 1910 fast alle Bienen der britischen Inseln dahin. Nur kleine Populationen auf abgelegenen Inseln überlebten. Die früheren Bienen in Schottland gehörten der Rasse Apis mellifera mellifera (Dunkle Biene) an. Um die Verluste zu kompensieren wurden nach 1910 große Mengen dänischer Bienen der Rasse Apis mellifera mellifera eingeführt. Die heutige schottische Biene stammt also weitgehend von den dänischen dunklen Bienen ab. Gleichzeitig fingen damals verschiedene Imker – wie auch Bruder Adam - an, andere Bienenrassen einzuführen: Ligustica, Carnica, Etcetera. Anders als im Fall von Bruder Adam, fand dabei meistens keine gezielte Zucht statt, so dass sich die Bienen landauf ebenso wie landab wild miteinander verpaarten. Das Ergebnis war eine weitgehend ungenießbare und stechfreudige und nicht unbedingt den klimatischen Bedingungen angepasste Biene, die bis heute einen großen Teil der schottischen Bienen darstellt. Die Unfreundlichkeit aber auch schlechte „Geländegängigkeit“ der eingeführten Rassenmischung führt dazu, dass viele Imker auch weiterhin Bienen importieren, statt an einer gezielten Selektion der quasi heimischen dunklen Biene auf gewünschte Merkmale mitzuwirken. Ein großer Teil der Bienen kommt dabei aus Italien (Ligustica) und Neuseeland (Carnica). Seltener werden Buckfast Bienen aus England eingeführt. Fragt man schottische Imker nach spezifischen Vorteilen von Carnica und Buckfast, so reagieren diese leicht verwirrt. Scheinbar kennt man auf der Insel keinen solchen Glaubenskrieg zwischen beiden Rassen. Die Antwort war dann auch meist, dass die eine importierte Rasse genauso gut sei wie die andere. Allerdings gälte es einen Import von Carnica wie auch von Buckfast generell abzulehnen, da es sich dabei eben nicht um eine einheimische Rasse handelt und mit jedem Import die Gefahr einer erneuten Katastrophe einherginge. Neben Tracheenmilbe 1910, Varroa 1992 und Faulbrut 2008 habe man derer schließlich genug gehabt. Die SBKA wie auch die schottische Regierung lehnen Bienenimporte aus dem Ausland, aber auch aus England, grundsätzlich ab – gesetzlich gesehen sind sie aber weiterhin legal.
Große Imkereien, wie etwa die Chainbridge Honey Farm von Willi Robson, setzen auf gezielte Nachzucht schottischer Bienen und erzielen so gute Erfolge trotz – und gerade wegen – einheimischen Materials.
Da der normale schottische Imker aber nur um die 5 Bienenvölker hält, lohnt sich auf dieser Ebene Zucht oftmals nicht. Auch zentrale Zuchtprogramme für Bienen gibt es in Schottland nicht, daher gehen viele Imker den bequemen Weg des Imports. Letztlich propagieren die „National Bee Unit“ und die SBKA die Rückkehr zur einheimischen dunklen Biene und ein totales Importverbot. Auf lange Sicht sind auf Ebene der englischen und schottischen „Bieneninstitute“ auch gezielte Zuchtanstrengungen angedacht aber noch nicht realisiert. Gerade die Erfahrungen, die Großimker wie Willi Robson gemacht haben, zeigen, dass die Dunkle Biene oder aber die letzten vorhandenen Bestände der Landrasse am besten mit den klimatischen Verhältnissen und der Trachtlage in Schottland zurechtkommt. Oder wie es ein Teammitglied der Chainbridge Honey Farm ausdrückt: „Wenn man Italiener nach Schottland importieren würde, hätten die auch ein Problem mit dem Wetter und dem Wind. Wieso sollte es den italienischen Bienen so viel anders gehen. Freiwillig würden die hier nie Urlaub machen.“

Imkerei in Schottland – Beutenchaos
Was das Equipment zur Bienenhaltung angeht, blicken die schottischen Imker nicht unbedingt neidvoll aber mit Respekt nach Deutschland: Denn dort soll es – so der Glaube - eine landesweit einheitliche Standard Beute geben – „German Standard“ eben. Die Irritation ist folglich groß, wenn man das deutsche Beutenchaos als durchaus dem schottischen Beutenchaos ebenbürtig darstellt. Solange man auf der eigenen Seite des Ufers steht, scheint es drüben also immer etwas geordneter zuzugehen. Aber letztlich herrscht in Deutschland ebenso wie in Schottland – und übrigens auch in England - Beutenchaos: Wozu eine Lösung, wenn es viele gibt.
Vereinzelt imkern Bienenhalter in Schottland mit Sargbeuten („coffin hives“), dem Äquivalent unserer Trogbeuten, Oberträgerbeuten und verschiedenen anderen Speziallösungen. Etwas mehr Imker nutzen Langstroth und Dadant Beuten, obwohl auch diese eher die Ausnahme darstellen. Dazu gibt es verschiedene regionale Moden. Am weitesten verbreitet sind in Schottland und England der „National Standard Hive“ und neuerdings der „Modified Standard Hive“. der „Smith Hive“. sowie der pittoreske, dekotaugliche „WBC (William Broughton Carr) Hive”. Die Rähmchen der National Hives lassen sich dabei auch im WBC und im Smith Hive verwenden.
Der „National Standard Hive“ wird am meisten verwendet und umfasst normalerweise im Brutraum 11 Rahmen sowie in den Honigaufsätzen 10 Rahmen. Aufgebaut ist er wie auch ie Magazine bei uns: Boden mit Gitter und Varroaschieber, Brutraum, Absperrgitter und Honigaufsätze – oben auf ein Deckel. Alles einwandig. Manche Imker isolieren ihre Beuten im Winter mit „Überzügen“ aus Styropor, die außen am Magazin angebracht werden. Wie auch in Deutschland gibt es für den National alle möglichen Varianten an Rahmenanzahl, Rahmentiefe und Rahmenausführung sowie Brutraumgröße. Interessant dürften aber die vorgedrahteten Mittelwände sein, die einige Händler im Angebot haben – etwas Vergleichbares habe ich bei uns noch nie gesehen.
Ein anderer Typ von Beute ist der WBC. Er ist doppelwandig konstruiert, schaut aus wie eine kleine Windmühle ohne Windrad und findet vor allem durch seine Optik Käufer. Beworben wird er als ideale Vorgartenbeute. Vom weiteren Aufbau entspricht er allerdings allen anderen modernen Beuten, auch in dem Punkt, dass es unzählige Modifikationen der Beute gibt.
Der Smith Hive wurde von einem schottischen Imker, W. Smith aus Peebles, mit Blick auf die schottischen Tracht- und Wetterverhältnisse konstruiert. Er entspricht einer verkleinerten Langstroth Beute, die kurzohrige (natürlich gibt es in Schottland auch Rähmchenmaße mit kurzen und langen Ohren, wäre ja auch langweilig wenn nicht ) National Standard Rähmchen aufnehmen kann.
Zumindest auf Ebene der Rähmchengröße gibt es also etwas mehr Einheitlichkeit als bei uns, auch wenn es die jeweiligen Rähmchen je mit langen, kurzen Ohren und in unterschiedlichen Breiten und Tiefen gibt.
Ein aktueller Trend, den die Bienenwissenschaftler in Schottland eher skeptisch sehen, ist es den Bienen nur einen relativ engen Brutraum aber dafür bis zu drei Honigräume zu geben, um mehr Honigeintrag zu erzielen. Was diese Betriebsweise aber tatsächlich bringt – außer vielen Schwärmen – bleibt unklar.

Imkerei in Schottland – Kleinimker und Großimker
Man geht in Schottland von einer Imkerzahl von etwa 3000 Imkern aus, von denen 1500 Mitglieder in der SBKA sind. Die meisten schottischen Imker halten weniger als 5 Völker. Eine immer noch große Anzahl hält zwischen 10 und 60 Völkern. Um sich mit der Imkerei beruflich über Wasser zu halten benötigt man allerdings über 300 Völker. Richtige Berufsimker („Beefarms“) gibt es in ganz England um die 300. In Schottland schätzt man die Zahl der Berufsimker auf etwa 30. Die meisten Imker wandern im Spätsommer in die Heide, da diese die ergiebigste Trachtquelle ist. Die durchschnittlichen Winterverluste betragen zwischen 10 und 25 % mit Ausreißern nach oben und unten. Landwirte und Imker arbeiten in Schottland weitgehend ohne Probleme nebeneinander, was wohl auch daran liegen mag, dass die staatliche Verantwortung für Imkerei- und landwirtschaftliche Belange bei denselben Stellen angesiedelt ist. So sind viele Bieneninspektoren auch für Saatgutkontrollen zuständig. Auch die SBKA hat eine Aktion, die unter dem Namen „Spray Liaison“ für gezielte Absprachen und eine einvernehmliche Problemlösung bei Vergiftungsfällen zwischen Imkern und Landwirten wirbt.
Die größte Bienenfarm ist die Chainbridge Honey Farm von Willie Robson in der Nähe von Berwick-upon-Tweed. Geimkert wird bei den Robsons vor allem in Smith Hives, die aus lokalen Hölzern hergestellt werden. Gegründet wurde die Honey Farm 1948. Seit 1971 führt Willie Robson den Familienbetrieb und hat diesen seitdem immer weiter ausgebaut. So kam es zu einer Erhöhung der Anzahl der Bienenvölker auf gegenwärtig ca. 2000. In Zukunft wird eine Völkerzahl von 2500 angestrebt. Pro Jahr werden von diesen zwischen 50 und 80 Tonnen Honig produziert. Auch die Produktpalette wurde beständig erweitert. Von Wabenhonig über Kosmetik bis hin zur Schuhpolitur auf Bienenwachsbasis vertreibt Chainbridge eine breite Palette an Produkten. Das Hauptprodukt ist der Heide-Wabenhonig, für den man Spitzenpreise von bis zu 8 Euro pro Verpackungseinheit erreicht. Der Wabenhonig ist so gut wie immer ausverkauft, da die Chainbridge Honey Farm einer der wenigen einheimischen Produzenten von Wabenhonig ist. Viele andere scheuen den Aufwand der Herstellung von Wabenhonig.
Nach einem Umzug des Betriebs 1982 wurde das Gebäude 1991 um ein Besucherzentrum mit Verkaufsladen und einer Honig- und Imkerei-Ausstellung mit Weiterbildungsräumen erweitert. Im Betrieb arbeiten insgesamt 5 hauptamtliche (Familien-)Mitarbeiter und bis zu 10 Aushilfskräfte, die alle anfallenden Arbeiten – vom Beutenbau über die Maschinenwartung bis zur Honigernte - übernehmen
Bekannt dürfte Willie Robson bei uns vor allem durch den Film „Das Geheimnis des Bienensterbens“ sein. Als der „gute“ Imker im Film vertrat er dabei die Position, dass es wichtig sein einheimische Bienen zu halten, die sowohl dem lokalen Wetter als auch der Varroa einigermaßen trotzen können und dass Bienenimporte normalerweise in der einen oder anderen Katastrophe enden. Bisher hat sich diese Strategie gut bewährt, eine zweifache Behandlung der Bienen im Jahr gegen Varroa ist aber auch in der Chainbridge Honey Farm gang und gäbe. Von dem französischen Filmteam habe man nach den Aufnahmen aber nichts mehr gehört, führt die Tochter von Willie Robson an. Man wisse also nicht wirklich, was aus den damals gemachten Aufnahmen geworden sei. Da man als größte Bienenfarm öfters in den Medien präsent sei, habe man auch nicht den Elan jedem Filmteam eigens nachzuspüren. Meine Schilderung der relativ dichotomen Gegenüberstellung vom „bösen“ amerikanischen Imker und dem „guten“ schottischen Imker fand sie nichtsdestotrotz amüsant. Mit so etwas habe man nicht wirklich bei den Aufnahmen gerechnet, meint sie, immerhin sei es schön, dass man gut weg gekommen ist.

Homepage der "Scottish Beekeepers Association":
[www.scottishbeekeepers.org.uk]

Eine umfassende, informative Dokumentensammlung der SBKA gibt es hier:
[www.scottishbeekeepers.org.uk]

Das Informationsheft: „Managing Varroa“
[secure.fera.defra.gov.uk]

Seite der schottischen Regierung zur Imkerei:
[www.scotland.gov.uk]

Bilder von Beuten und Rahmen gibt es im Katalog von Thorne Scotland:
[www.thorne.co.uk]

Die Chainbridge Honey Farm
[www.chainbridgehoney.co.uk]
offline

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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Schlagwörter

apils mellifera mellifera, chainbridge, honey farm, imkerei, robson, sbka, schottland

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