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477 mal angesehen
06.08.2010, 12.11 Uhr

Perizin - wo ist das Problem?

Die Frage an die dlv-Imkerredaktion:

Ich imkere mit Absperrgitter – also zwei Bruträume und ein Honigraum. Die Mittelwände (nicht varroazidfrei) werden im Honigraum ausgebaut. Im Spätsommer oder im Folgejahr kommen sie in die Ableger. Diese werden im nächsten Frühjahr zur Wildkirschblüte über Zeitung einem Volk aufgesetzt. Der untere Brutraum wird entnommen, und die Waben werden eingeschmolzen – bisheriger oberer Brutraum mit der Ablegerzarge wird auf einen neuen Boden gesetzt.

Im Spätsommer gehört den Bienen alles, was sie unter dem Absperrgitter eingetragen haben. Das Winterfutter wird danach bemessen. Perizin aus der Winterbehandlung kommt somit nie mit Honigwaben in Berührung. Es bleibt also nur noch das Problem der nicht varroazidfreien Mittelwände. Schon oft haben wir im Verein darüber geredet: Sollen wir einen eigenen Wachskreislauf beginnen und die Mittelwände selbst herstellen?

Ich bin der Meinung, dass die Mittelwand nur ca. 10 % der gesamten Zellenfläche ausmacht. Der Honig kann somit kaum eventuelle Rückstände aus der Mittelwand aufnehmen. Eine Honiganalyse, die ich in Hohenheim durchführen ließ, bestätigt dies: Mein Honig zeigt keine Rückstände! Daher die Frage: Was war eigentlich unser Problem?


Die kurz gefasste Antwort des Experten:

Leider sind die Zusammenhänge zwischen der Anwendung von Varroaziden und dem Risiko für die Honigqualität nicht so überschaubar, wie in der Anfrage dargestellt. Leider sind auch die Betriebsweisen, vor allem, was das Wachsrecycling und die Anwendungshäufigkeit der Träufelpräparate angeht, nicht immer so optimal wie im Betrieb des Fragenden. Sonst hätten wir tatsächlich weit weniger Probleme.

Aber beginnen wir von ganz vorne:

Wenn wir Perizin, das den fettlöslichen Wirkstoff Coumaphos enthält, im Winter in die Wabengassen der Völker träufeln, dann wollen wir den Wirkstoff, der als Kontaktgift auf Varroa wirkt, in das Haarkleid der Bienen bringen. Einen Teil des Wirkstoffs finden wir tatsächlich auf und in den Bienen, ein größerer Anteil wird dagegen auf den Wachsoberflächen und in den Vorräten ankommen. Das lässt sich leider nicht vermeiden. Wenn mehr als einmal geträufelt wird, steigert sich entsprechend der Wirkstoffgehalt im Volk.

Wir wissen, dass das Winterfutter nach der Anwendung relativ hohe Wirkstoffgehalte enthält. Kein Problem, wenn die Vorräte aufgezehrt werden oder wenn der Imker im Frühjahr überschüssiges Futter entnimmt. Wenn aber Winterfutter in den Honigraum umgetragen wird, dann kann daraus schnell ein Problem für den Frühjahrshonig werden.

Von der Wachsoberfläche kann der Wirkstoff in das Larvenfutter, das Bienenbrot und in den Honig einwandern. Bienenvölker, die in der Frühtracht stehen, lagern vorübergehend den frisch eingetragenen Nektar in freiwerdenden Brutarealen der unteren Zargen ein. Dort wird der Honig vorgetrocknet und dann später in die Honigräume transportiert. Während dieser Lagerphase befindet sich der Honig also in Zellbereichen, die bei der Winterbehandlung mitbehandelt worden sind. Der Wirkstoff kann dann dort auch in den Honig einwandern.

Bienen, die in Zellen aufwachsen, deren Zellwände Coumaphos enthalten, haben in ihrem Körper den Wirkstoff gespeichert. Diese Bienen schwitzen später wirkstoffhaltige Wachsplättchen und bauen damit beispielsweise die Zellen von Mittelwänden im Honigraum aus. Außerdem verteilen Bienen mit ihren Beinen und der Körperoberfläche Wirkstoffe im ganzen Bienenstock, auch vom Brutraum in den Honigraum.

Demzufolge gibt es für den Perizin-Wirkstoff keine Grenzen oder Barrieren im Bienenvolk. Ob sich daraus messbare Konsequenzen für die Honigqualität ergeben, hängt entscheidend vom Imker ab. Wir wissen, dass die Rückstandsprobleme, die es beim Perizin gibt (siehe Jahresbericht der LA Bienenkunde), meist damit zusammenhängen, dass das Präparat entgegen der Gebrauchsanweisung mehrfach eingesetzt wird und dadurch der Wirkstoffgehalt im Volk höher ausfällt.

In Verbindung mit Coumaphos-Rückständen, die über die Umarbeitung von Altwachs zu Mittelwänden in das Volk gelangen, summieren sich dann die Wirkstoffspuren zu messbaren Rückständen im Honig.

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Die komplette Antwort könnt ihr auf der Onlineseite der dlv-Imkerzeitschriften ADIZ, die Biene und der Imkerfreund nachlesen:

[www.diebiene.de]


Wenn auch ihr Fragen habt, könnt ihr sie direkt an unsere dlv-Imkerredaktion schicken: js-bienenredaktion@t-online.de


Habt ihr noch Fragen dazu an die anderen Imker? Dann startet im landlive-Forum eine Diskussion dazu:

[www.landlive.de]

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Kommentare

07.08.2010 14:39 hartmut17
Dass die Mittelwand nur 10% der gesamten Zellflaeche einnimmt ist sicher falsch. Diese Aussage nimmt an, dass die Bienen neu ausgeschwitztes Wachs sozusagen auf die Mittelwand aufsetzen. Es ist aber so, dass die Bienen auch aus der Mittelwand Wachs zum ausziehen der Zellen benutzen.

mfg
hartmut
08.08.2010 14:43 Lahntaler
Da hat Hartmut sicher recht, eine Mittelwand wiegt etwa die Hälfte einer ausgebauten Wabe, es sind also ca. 50% belastetes Wachs enthalten.
Bei der "Umhängeritis" (BR -> HR) ist die Ächtung von Perizin / Bayovar sicher angebracht, insb. da es gute Alternativen zu "systemischen" Medikamenten gibt.
~~~LAHN~taler~~~
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