Zur mobilen Version wechseln »
AktuellesWetterShopAboMediaserviceKontaktDie besten Seiten der ImkereiImkerzeitschriften
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Aufgebrochene Weiselzelle Flugloch im August - Ende August I Flugloch im August - Die drei Mädels von der Tankstelle I
1691 mal angesehen
31.08.2010, 22.20 Uhr

Arbeiten am Bienenvolk im Spätsommer: Ein Erfahrungsbericht

Erfreulicherweise bin ich den Sommer über öfters daheim und kann daher auch mehr an den Bienen machen. Das Abschleudern des letzten Waldhonigs, das Zusammenstellen der Völker, die Varroabehandlung und das Auffüttern habe ich also in Eigenregie übernommen.

Weniger Bienen - mehr Arbeit
Im Spätsommer verklingt die letzte Tracht und die Zahl der Bienen nimmt ab. Dieses Jahr waren wir mit einer üppigen Waldtracht gesegnet - so viel Honig haben wir bisher noch nie in einem Jahr ernten können. Die Menge des Honigs brachte uns zwar einen vollen Lagerraum, aber auch an die Grenzen der Belastbarkeit: Fast jeden Tag einige Schleudergänge einzurichten, schlaucht sogar mich als enthusiastische Jungimkerin. Die Honigaufsätze unserer Trogbeuten waren bei der Honigernte eindeutig leichter zu schleppen, da sie kleinere und weniger Waben beinhalten als meine Herold Magazine. Allerdings kann ich für meine Herold Beuten eine Bienenflucht nutzen und diese erleichtert das Honigernten, gerade weil das lästige Bienenabkehren von den Honigwaben entfällt. Zum einen verlängert das Abkehren die Abnahme der Honigräume enorm und zum anderen hassen es unsere Immen abgekehrt zu werden. Immerhin bin ich mittlerweile gegen Stiche fast immun. Es juckt nicht einmal mehr.
Neben den Honigräumen haben wir auch im hinteren bzw. oberen Brutraum noch nur mit Waldhonig gefüllte Waben entnommen, da Bienen Waldhonig schlecht vertragen. Den Honig, der um das eigentliche Brutnest herum eingelagert wurde, haben wir den Bienen als Vorrat bis zur Einfütterung belassen.

Einengen
Nach der Honigernte wurden unsere Völker nochmal gründlich durchgesehen, um die Volksstärke und den Volkszustand abzuschätzen. Die sieben Bienenvölker, die ich allein betreue, machten allesamt einen guten Eindruck und sitzen nunmehr auf zwei Zargen. Ein im Frühjahr noch schwaches Volk hat sich bis zum August gut entwickelt, so dass ich es auch um eine Zarge erweitert habe. Auf Anraten meines Chefimkers habe ich diesem Volk im Juli noch eine verdeckelte Brutwabe aus einem der stärkeren Völker zugehangen. Mittlerweile ist es nur noch etwas kleiner als die anderen Völker. Neben den Wirtschaftsvölkern existieren noch eine ganze Runde Ableger, die im September mit den Altvölkern vereinigt werden sollen. Zwei der Ableger beheimaten junge, von einem Züchter erworbene, Königinnen, die in meinem Bienenstand die Altköniginnen von zwei Völkern ablösen sollen. Meine, von einem Imker ererbte, derzeitige "Nummer Sechs" und "Nummer Sieben" sind im letzten Jahr durch ihre übermäßige Stecherei aufgefallen. Dank ihnen bin ich jetzt wohl gegen Bienengift immun, da ich ein undankbarer Mensch bin, müssen die beiden alten Damen im September aber abdanken. Die restlichen Königinnen "Nummer Eins" bis "Nummer Fünf" stehen im nächsten Jahr auf dem Abschussplan. Dann möchte ich sie durch selbst nachgezüchtete Königinnen ersetzen.

Gegen Varroabefall behandeln
Die Varroamilbe ist auch in meinen Völkern unterwegs, deswegen war nach dem Einengen Behandeln angesagt. Der natürliche Totenfall vor der Behandlung, den ich über den Varroaschieber ersehen konnte, lag bei allen Völkern meines Standes im Juli bei etwa 3 Milben pro Tag. In unseren Trogbeuten lässt sich der Befall schwerer abschätzen, da sie nur mit einem provisorischen Varroaschieber nachgerüstet sind. Bisher haben wir im Sommer vor allem mit Thymol und vor längerer Zeit auch Bayvarol behandelt. Beide Mittel zeigten gute Erfolge, was zum Teil aber auch dem regelmäßigen Drohnenbrutscheiden geschuldet sein kann. Einige Versuche Ameisensäure per Schwammtuch in den Trogbeuten zu verdunsten verliefen nicht gut. Die Spannbreite der nicht erwünschten Folgen reichte von völliger Wirkungslosigkeit wegen zu schlechtem Wetter bis hin zu Brutschäden durch zu schnelles Verdampfen an unerwartet warmen Tagen.
In meinen Herold Magazinen wollte ich dieses mal Ameisensäure als Mittel einsetzen und zwar entlang der Vorgehensweise, die Pia Aumeier und Gerhard Liebig gegenwärtig empfehlen. Dazu habe ich mir einige Liebig Dispenser zugelegt, in denen ich Ameisensäure verdunsten lassen kann. Die Vorgehensweise kann man hier nachvollziehen: [www.landlive.de]
Ein Problem stellt die Ameisensäure Behandlung in der Leerzarge dar, wenn man vorher zur Auffütterung einen Futtertrog verwendet hat, denn auch nach Auffressen des Futters sitzen meine Bienen im Trog. Das Problem habe ich gelöst, indem ich am Abend vor der Behandlung einfach eine Leerzarge bzw eine Bienenflucht unter dem Futtertrog eingesetzt habe, dann war der Trog am nächsten Tag bienenfrei und konnte einfach abgenommen werden: Kein umständliches Abkehren der Bienen aus dem Trog und vor allem dem Trogaufstieg!

Erste Versuche mit dem Liebig Dispenser verliefen nicht so einfach wie erwartet. Es wird empfohlen die untere Brutraumzarge zu entfernen und den Honigraum als zweite Brutzarge zu geben. Die Bienen sollten im August schon oben sitzen, so dass sich die untere Zarge entnehmen ließe. Meine Bienen waren aber beileibe nicht in der zweiten Zarge, sondern das Brutnest war gleichmäßig verteilt über beide Zargen. Da ich die Bienen erst im Mai in die neuen Zargen eingesiedelt habe und das Wabenwerk in beiden Zargen erst knappe 4 Monate alt ist, habe ich daher für dieses Jahr von der Bauerneuerung abgesehen und alles so belassen, wie es war. Die Liebig Dispenser habe ich dann frühmorgens auf die Rähmchen des zweiten Brutraumes gestellt - allerdings ein paar Hölzchen untergestellt, so dass zwischen Verdunstungsfläche und Brut doch einiges an Abstand war. Die Säure war nach 3 Tagen planmäßig verdunstet, auch weil mir der Wettergott gnädig war und es drei Tage lang gut über 15 Grad warm war. Eine erster Blick auf die Waben nach 4 Tagen zeigte keine sichtbaren Brutschäden in den Völkern. Nur bei einem Volk hatte ich scheinbar nicht genug Acht gegeben, hier war schlüpfreife Brut beschädigt worden: Ein trauriger Anblick wie die jungen Bienen mit ausgestreckten Rüsseln tot in den Zellen hängen - gleichzeitig eine Lehre nächstes Mal vorsichtiger zu sein.

Im Anschluss habe ich dann alle paar Tage den Milbenfall protokolliert. In den ersten drei Tagen fielen Milben quer über den ganzen Boden, nach etwa 5 Tagen verlief die Linie der toten Milben parallel zu bestimmten Wabengassen. Mittlerweile sind die 12 Tage fast um, in denen durch Ameisensäure getötete Milben abfallen. Für alle behandelten Völker liegt die Anzahl der abgefallenen Milben um die 700 Milben. Der Milbenabfall war in den ersten drei Tagen sehr hoch (ca. 200-100 Milben) und pendelte sich die Tage danach auf um die 20-40 Milben ein. Erstaunlicherweise fielen auch noch an den Tagen 11, 12 und 13 nach der Bahndlung um die 30 Milben ab. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich noch einmal behandeln soll. Bei geringem Milbenabfall sollte man es ja lassen. Wahrscheinlich werde ich dennoch eine zweite Behandlung im Liebig Dispenser durchführen - einmal um sicher zu gehen und zum anderen, weil ich als Anfänger ja noch Lehrgeld zahle und es mich brennend interessiert wieviele Milben dann noch abfallen würden.
An den Völkern scheint noch alles in Ordnung zu sein. Ich habe die Fluglöcher und den Varroaschieber fast täglich nach der Behandlung kontrolliert und auch kurz nach Behandlungsende und 12 Tage nach Behandlungsbeginn einen Blick in die Völker geworfen - mir ist bei den Völkern kein besonderer Totenfall, kein Ausräumen der Brut und keine besondere Unruhe aufgefallen - ich hoffe also, dass alles in Ordnung ist.

Wie auch schon in meinem ersten Jahr als Imkerin, machen auch dieses Jahr zur Varroasaison verschiedene Wunderheiler mit ihren Wundermitteln meine Umgebung unsicher. Aus zeitlichen Gründen habe allerdings kaum Kurse an den lokalen Lehrbienenständen besucht, so dass ich nur vom Hörsensagen über Kollegen davon gehört habe: Aus Österreich kommend, wird etwa Kolloidales Silberwasser als umfassend gegen alle Keime und Krankheiten wirkendes und "natürliches" Mittel stark beworben. Wer gerne mit Schwermetall versetztes Wasser ins sein Bienenvolk kippt, sollte hier zugreifen. Ein kurzer Blick in die Wikipedia sollte eigentlich aber davon abhalten: [de.wikipedia.org]
Der "Naturarzt" der letztes Jahr in meiner Region sein Wunderwasser "Bienenelixir VM" vertrieben hat, spukt nun in einer anderen Region im Oberbayern herum und lässt sich bei uns nicht mehr blicken. Die Anwender seines Mittels in meiner Gegend berichten von einer nicht vorhandenen Wirksamkeit. Was in dem Zeug drin ist, konnte bis heute niemand herausfinden - dass es nichts gegen die Milben ausrichtet, haben viele Anwender leidlich erfahren müssen. Die nicht vorhandene Wirksamkeit hat indes zu einer Preissteigerung geführt, der Liter Wasser - von dem nicht einmal der Verkäufer sagen kann was drin ist - kostet nun über 22 Euro, statt ehemals 18 Euro. Vielleicht dient das Geld der imkerlichen Fortbildung des Herstellers, der nach eigener Aussage nie selbst Bienen besessen hat und dies auch in Zukunft nicht vor hat. Seine Aussage, dass bei Anwendung des Mittels keine Milben abfallen und damit das Volk gesund sei, lässt den Besuch imkerlicher Grundkurse seinerseits sinnvoll erscheinen.

Immerhin, meine Bienen sind meine Bienen und wer mir etwas andrehen will, das ich meinen Bienen im Anschluss dann ins Volk schütten, versprühen, verdampfen oder einfüttern soll, muss an mir und meiner elenden Fragerei vorbei. Keine Antworten sind da auch Antworten und so kommen mir solche Sachen dann auch nicht in die Tüte. Daher versuche ich es jetzt mit Ameisensäure, dazu habe ich einen sehr guten Kurs besucht, in dem die Anwendung in allen Phasen an präparierten Völkern vorgestellt wurde. Hier bin ich mir sicher zu wissen, mit was ich es zu tun habe, wie ich es machen muss, was schief gehen kann, wie ich die Wirksamkeit beurteilen kann und welche Nebenfolgen mich erwarten.

Auffüttern
Nach der Behandlung habe ich alle Völker mit etwa 15 Litern Apiinvert über Futtertröge gefüttert. Apiinvert benutzen wir - wie auch Zuckerwasser aus handelsüblichem Haushaltszucker - schon seit Jahren und haben damit gute Erfahrungen gemacht. An meinem Stand gibt es kein Springkraut, das auch um diese Jahreszeit noch hohe Honigeinträge bringt, also muss ich mich nicht sorgen, zuviel einzufüttern. Etwas bange ist mir allerdings doch, wenn ich sehe mit welcher Lockerheit mein Chefimker abschätzen kann wieviel Futter welches Volk braucht. Seine Erfahrung hat ihm bisher immer recht gegeben. Ich habe keinerlei Erfahrung bezüglich der Einfütterung, keine Stockwaagen und tue mich schwer mit dem Abschätzen, so dass ich hier froh bin, einen erfahrenen Imker an der Seite zu haben, der mich davor bewahrt, dass mir die Völker verhungern oder das Brutnest verhonigt.
In Zukunft würde ich auch gern Futtersirupe auf Weizenbasis ausprobieren, allerdings kommt man in meiner Gegend an diese schwer heran, bisher hat sich noch niemand dafür aufgeopfert eine Großbestellung zu organisieren. Die viele Werbung für Futterzusätze in Form von Tees, Extrakten, etc. ignoriere ich mittlerweile. Einmal habe ich weder das Geld, das teils für diese Mittel verlangt wird, noch die Zeit zu deren Zubereitung. Die Bombenstärke mit der unsere - nur mit Zuckerwasser eingewinterten - Völker den letzten Winter überlebt haben und die danach anfallende Masse an Arbeit aufgrund der hohen Zahl starker Völker, lässt mich zudem davon absehen mit einem kostspieligen und ominösen Mittel noch stärkerer Völker heraufzubeschwören. Selbst wenn das möglich wäre - mehr Bienen will ich wirklich nicht. Mir reichen erstmal meine eigenen.


Alles in allem also wieder einmal viel Arbeit, die bisher nur zur Hälfte getan ist. Eine zweite Behandlung gegen Varroa steht noch aus, auch die Vereinigung der Völker mit Ablegern und der Austausch schlechter Königinnen. Eventuell muss ich nochmals nachfüttern. Und eine letzte Durchschau der Völker nach der zweiten Behandlung steht auch noch an.
Ich merke indes schon, dass man als Jungimker einiges an Grips mitbringen muss: Genug Grips die Erfahrung der erfahreneren Imker wertzuschätzen aber auch genug Grips sich nicht alles aufschwatzen zu lassen, was Leute mit angeblicher Erfahrung so alles verkaufen wollen. Letztlich sind es also die Sorge um die Bienen - denen ich nichts antun will, über das ich nicht Bescheid weiß - aber auch die Sorge um sich selbst - weil ich keinen Hochstaplern aufsitzen will und auch das gelernte Sinnvolle nicht falsch machen will - die man im Spätsommer ausbalancieren muss.
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim

Schlagwörter

abkehren

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

01.09.2010 11:12 Bienenfreund
Betrifft zweite Behandlung: ich würde abwarten und den natürlichen Milbenfall beobachten. Vielleicht kommst Du so bis zur Winterbehandlung hin. Bei mir verstärken sich die Milbenzahlen oft erst im Oktober, ich habe im Flugbereich von 25 qkm etwa ein Dutzend Imker und Bienenhalter oder leider Bienenkastenaufsteller, die nichts machen, aber jedes Jahr neue Bienen kaufen.

Betrifft: Wunderheiler mit ihren Wundermitteln
Du kennst die Bienenkacheln nicht! Die reißen es raus. 50 Euro pro Stück und an den Kasten von außen geklebt vitalisieren...wen? Wohl den Verkäufer
Danke für den informativen Blogeintrag
Gruß Bienenfreund
03.09.2010 20:36 Honigbienen
Hallo,
auch wenn es etwas Arbeit macht,ist die Bienenhaltung auch bei mir nicht mehr wegzudenken.
Einfach ein tolles Hobby
Auch ich habe eine Betriebsweise,ohne jeden Schnick-Schnack und super gesunde leistungsfähige Bienenvölker ( derzeit 32 )
Alle Völker sind aufgefüttert und behandelt.
Es ist einfach toll,wenn sie an so einem Tag wie heute stark fliegen.
Ich glaube schon,das du auf dem richtigen Weg bist ( trotz der Bienenstiche ) dich mit Leib und Seele der Imkerei zu verschreiben,oder ??
Es ist einfach ein tolles Hobby!!!

Ich wünsche Dir allseits gesunde Bienen und volle Honigtöpfe
10.01.2011 08:49 Hans_Hagen_Theimer
Welchen guten Ameisensäurebehandlungskurs hast Du besucht?
10.01.2011 10:03 Austeja
Hallo,
2009 war ich dazu auf einem Kurs an deinem Lehrbienenstand in Prutting, später in 2009 auch in Kolbermoor am Lehrbienenstand, wo es auch um Varroabehandlung mit Ameisensäure ging. Beide Kurse waren gut, deine finde ich aber besser, weil durch die Powerpointpräsentation eine klare Linie in den Vortrag kommt und man auch Bilder vor sich hat. Ohne eine klare Vortragsstrukur geraten so imkerliche Vorträge oft in ein ziemlich fragmentiertes Erzählen, und damit kann zumindest ich wenig anfangen (andere dann wieder schon). Der Kurs auf den ich mich hier beziehe war 2010 am Bienenmuseum Duisburg, Leiterin war Pia Aumeier. So grausam das ist, von meinem Arbeitsplatz in Frankfurt aus, bin ich oft mal schneller in Duisburg als in Rosenheim. In Rosenheim wäre ich aber lieber.
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang