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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Blick vom Brocken
80 mal angesehen
07.09.2010, 19.33 Uhr

Oberharzer Wasserregal

Wir haben seit dem 2. August ein neues UNESCO Weltkulturerbe in Deutschland: das Oberharzer Wasserregal. Als jemand, der ein paar Jahre im Harz gelebt hat, war ich sehr überrascht, dass ich davon vorher noch nie etwas gehört hatte. Umso interessanter war es zu erfahren, um was es sich dabei handelt.

Von außen gesehen ist das Wasserregal ein System von Seen und Wasserläufen, fast könnte man meinen es wäre natürlich entstanden – bei dem landschaftlichen Reichtum des Harzes, hätte mich das auch keineswegs verwundert. Aber vielleicht ist euch auch schon aufgefallen, dass es ein WeltKULTURerbe und kein WeltNATURerbe ist, und richtig, es handelt sich um ein komplexes Wasserwirtschaftssystem, das im Laufe von 300 Jahren von Menschen erschaffen wurde.

Dabei ging es um Wasserenergie, die für den Bergbau gewonnen werden sollte. Die Mönche des Zisterzienserklosters Walkenried hatten ab dem 13. Jahrhundert ein Bergbaugebiet zugesprochen bekommen. Sie waren die ersten, die sich Gedanken darüber machten, wie man Wasserkraft für den Abbau von Erzen nutzen kann. Sie waren dann auch diejenigen, bereits ein erstes Wasserversorgungssystem entwickelten.

Ab dem 16. Jahrhundert errichtete die Harzer Bergleute mit diesem Wissen das Oberharzer Wasserregal. Dafür wurde jeder Bach und jedes Rinnsal mit Gräben angezapft, die das Wasser zu unzähligen Wasserrädern führten, die Pumpen und Transportsysteme in den Bergwerken antrieben.
Jedoch gab es meist nur im Frühjahr bei der Schneeschmelze Wasser im Überfluss. Wenn es im Sommer eine Dürre gab, konnte in den Bergwerken nicht gearbeitet werden. Deshalb wurden zusätzlich Stauteiche angelegt, die das Regenwasser speichern und bei Bedarf abgeben konnte. Das System wurde im Laufe der Jahrhunderte immer komplexer. Das Wasser wird so gut verteilt, dass möglichst viele Wasserräder betrieben werden können und überall die gerade gebrauchte Menge Wasser ankommt.

Bis zum 19 Jahrhundert wurde das Oberharzer Wasserregal auf einem Gebiet von etwa 200 Quadratkilometern ausgebaut. Zum UNESCO Kulturerbe zählen heute über 100 Stauteiche (ich habe auch schon 12 bzw. 140 gelesen), 500 Kilometer Gräben und 30 Kilometer unterirdische Wasserläufe. Damit gilt es als das bedeutendste vorindustrielle Energieversorgungssystem der Welt, das genutzt wurde um Silber, Blei und Kupfer abzubauen und dabei in Tiefen von bis zu 300 Metern vorzudringen. Das wäre ohne Wasserkraft nicht möglich gewesen. Der Harz entwickelte sich dadurch zum größten Industriegebiet Deutschlands in der frühen Neuzeit.

Übrigens meint das Wort „Regal“ nicht das Bauwerk an sich, sondern ein königliches Nutzungsrecht. In diesem Fall das des Wassers für den Bergbau. Das bedeutete, dass die Bergleute das Wasser vor allen anderen z.B. Müllern oder Fischern nutzen durften. Es gab für die Bergleute natürlich neben dem Wasserregal auch ein Bergbauregal (und wieder was gelernt ).

Heute wird noch ein Teil der Teiche und Gräben gepflegt und vor allem zur Trinkwasserversorgung genutzt. Auch Angeln und Wandern ist an vielen Teichen möglich. An manchen kann man auch Baden. Sicherlich ein interessantes Ausflugsziel sowohl für Naturliebhaber als auch für Technikinteressierte.

[www.oberharz.de]
[www.oberharz.de]
[www.harzwasserwerke.de]
[www.faz.net]
[www.spiegel.de]
[www.stern.de]

Artikel mit Video:
[www.mdr.de]
[www.tagesschau.de]

Foto: nicht ganz passend, aber immerhin ein Blick vom Brocken
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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Kommentare

08.09.2010 12:03 Paradiesgarten

Ohne die Unesco wäre das Wasserregal wohl nicht bekannt geworden. Sehr interessant.
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