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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Stand der Imker auf der LGS Rosenheim Flugloch im August - Die drei Mädels von der Tankstelle I Stand der Imker auf der LGS
914 mal angesehen
06.10.2010, 20.19 Uhr

Out of Rosenheim: Landesgartenschau Rosenheim

Rosenheim hat zwar keine imkerlichen Sehenswürdigkeiten zu bieten, dafür war der Kreisverband Rosenheimer Imker aber mit einem recht ansehnlichen Stand auf der Landesgartenschau Rosenheim vertreten: Out of Rosenheim in Rosenheim sozusagen, da die Landesgartenschau durch allerlei bewachsenen Bauzäune vom Rest der Rosenheimer Welt abgeschirmt ist. Als Erwachsenenpädagogin habe ich es mir daher nicht nehmen lassen unserem kleinen Imkerverein bei dessen einwöchiger Betreuung des Standes zu unterstützen.
Quasi als Realexperiment: Wie komme ich als Imker bei Laien an.
Das Ergebnis war ermutigend, für den Laien bin ich schon Experte und auch die vielen verdeckten Imker, die den Stand begutachtet haben, hatten nur wenig an mir auszusetzen. Imker gäben aber sicher gute Agenten ab. Ich wusste ja schon, dass Imker einander gern ins Bienenhaus oder unter den Beutendeckel spähen, aber dass sie in verdeckter Mission auch die ahnungslosen Betreuer eines Pavillions auf der hiesigen Landesgartenschau inspizieren, war mir neu.

Für alle, die selbst einmal Stände betreuen müssen und daran Interesse haben, wie man als - mit einer "Kreisverband-Rosenheimer-Imker-Schürze" ausgestatteter - verdeckter Imker-Anfänger mit unter Alltagskleidung verdeckten Imker-Experten umgeht, hier ein Missionsbericht.

Unser kleiner Verein, das LGS Management und die Besucher
Insgesamt eine Woche lang hatte unser kleiner Imkerverein die Betreuung des Imker-Pavillons der Landesgartenschau in Rosenheim zu stemmen. Unser Verein hat knappe 20 Mitglieder, die meisten davon in der gehobenen Altersklasse. Männlich natürlich. Der Großteil der Mitglieder hat weniger als 10 Völker und imkern schon ein ganzes Leben lang. Die Imkerei auf- oder abzugeben kommt für die wenigsten in Frage. Ich finde die alten Herren unseres Vereins sehr rührig. Sie entsprechen fast alle meinem Idealbild eines besorgten Bienenvaters, auch wenn die Formen der Bienenfürsorge sicher - wie bei fast allen Imkern - diskussionswürdig sind. Einmal pro Jahr gibt es ein kurz gehaltenes Vereinstreffen, ansonsten spricht man sich informell ab. Die nötigen Formalien, etwa die Bestellung der Behandlungsmittel, werden vom Vorstand organisiert. Der Anteil belastbarerer Imker, unter 70 Jahren ist eher gering. Daher kamen die ersten Probleme auf den Verein zu, als es darum ging genügend Betreuer für den Standdienst des Pavillons zu akquirieren. Im Endeffekt wurde die Arbeit dann von knapp 6 ImkerInnen sowie einer handvoll Familienangehörigen gestemmt. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass pro Tag etwa drei Personen am Stand anwesend sein sollten.

Der Anstrengung unseres Imkervereins - aber sicher auch derjenigen der Imkervereine die an anderen Wochen die Betreuung übernahmen - stand leider ein unfreundliches Management der Landesgartenschau gegenüber. Die Standbetreuung sollte natürlich kostenlos und von 9:00 bis 18:00 geleistet werden, Parkplätze für die Mitwirkenden gab es dafür aber nicht. Als ich diesbezüglich beim Management nachfragte und darum bat auf einem nahen Parkplatz vielleicht einen Auto-Stellplatz pro Tag bereit zu stellen, wurde ich auf das kostenpflichtige Parkhaus nebenan verwiesen. Erfreulicherweise waren andere Leute hier hilfsbereiter, so dass sich doch noch die Möglichkeit ergab kostenlos zu parken: Dem Roten Kreuz sei Dank! Außer kaltem Wasser und Strom im Pavillon gab es keine Essenspauschale, auch keine Möglichkeit eines ermäßigten Essens auf dem Gelände. Pro Tag erhielten wir drei Freikarten, so dass je drei Betreuer in die Schau konnten.

Aufgewogen wurde dieses sichtliche Desinteresse des Managements der Landesgartenschau an den Standbetreuern immerhin durch das überwältigende Interesse der Standbesucher. Der Großteil der Besucher rekrutierte sich aus älteren Jahrgängen, war aber immer wieder durchmischt mit Familien und jüngeren Personen, selten auch Jugendlichen oder Kindern.
Da der Stand quasi an der Durchgangsroute der Schau lag, allerdings nicht direkt am Weg, kamen immer wieder größere Gruppen heran, die etwa als Reisegruppe oder als Freundeskreis die Gartenschau erkundeten. Ein langsames "Durchfließen" einzelner Personen gab es fast nicht.
Pädagogisches Chaos als Form der Ermöglichungsdidaktik
Der Stand selbst war unter pädagogischen Gesichtspunkten eher chaotisch strukturiert: Hier mal ein paar Poster, da eine Schleuder, hier ein großer Wachsblock, dort drei Schaubeuten. Einzig eine Reihe Informationsständer außerhalb des Standes hatte eine gewisse sinnhafte Ordnung. Chaos muss aber nicht schlecht sein, denn pädagogisch gesehen macht eine Ordnung erst dann Sinn, wenn der Adressat mit ihr auch etwas anfangen kann. Vielmehr boten die verschiedenen, gut sichtbar ausgestellten Informationswände, ebenso wie die Schaubeuten, einen ersten optischen Reiz, mit dem Besucher an den Stand gelockt werden konnten: Schau mal da - Bienen! Am Stand selbst waren die Besucher dann erst einmal sich selbst überlassen und konnten je nach eigenem Interesse an diesem oder jenem Schaustück verweilen.
Dabei gab es vom Sightseeing (Schaubeuten) über das Edutainment (Erklärung an Schaubeuten, Verkaufsgespräch, Mitmachaktionen) bis hin zur zielgerichteten und unverfälschten Information (Schautafeln, Prospekte) alle Möglichkeiten einer Erlebniswelt orientierten Pädagogik am Stand - Selbsttätigkeit (Eigenes Beobachten, Mitmachaktionen) nicht ausgeschlossen.
Gefehlt hat uns lediglich ein Glücksrad, so wie es die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau an ihrem Stand hatte, und wie es Dr. Friedgard Schaper vom bayrischen Bieneninstitut eindrucksvoll vorführte. Anhand von an die 20 einfachen und schweren Fragen zu Bienen und Bestäubung konnte man am Glücksrad alle Themen abarbeiten, für die wir einen ganzen Stand benötigten. Das einzige Manko am Glücksrad: der Ablesepfeil war oben angebracht - an der Seite hätte er mehr Sinn gemacht, da man dort die Fragen normal ablesen konnte.
Learning on the Fly
Die Verweildauer unserer Besucher am Stand betrug meist gut über 5 Minuten. Einige Personen blieben durchaus über eine halbe Stunde hängen und begutachteten die gebotenen Ausstellungsstücke teils mehrfach. Bewährt hat sich unsererseits dabei die Ansprache der Personen, die sich dem Stand nähern, denn leider traute sich nur der kleinere Teil der Besucher uns direkt anzusprechen. Das Vorgehen war dabei denkbar einfach, man könnte es etwas spitzfindig als individualisierte und situationsgerechte Pädagogik beschreiben - "Learning on the Fly" sozusagen. Als Standbetreuer waren wir zu dritt um den Stand herum verteilt und beobachteten dabei sowohl die Bienen als auch die Besucher. Bei größeren Besuchergruppen hieß einer der Betreuer die Gruppen als Ganzes willkommen und bot sich gleich anschließend als Ansprechpartner an, der für Fragen zur Verfügung stehe. An die meist darauf folgenden Fragen konnte sich dann eine kleine Führung um den Stand anschließen, die nicht von einer Ordnung des Betreuer ausging, sondern sich, den Fragen der Besucher folgend, durch den Stand und an den Beuten entlang schlängelte. Erst wenn es keine Fragen mehr gab, war die "Führung" zu Ende. Im Lauf der Gespräche sammelten sich dabei immer wieder neue Leute um uns, während andere weiterzogen. Die Zeit verging dabei oft schneller als uns bewusst war. Interessant war die Auswahl der Themen, die unsere Besucher interessierte:
Das große Bienensterben
Die meisten Besucher sprachen uns auf das in den Medien grassierende "große Bienensterben" an und drückten diesbezüglich starke Verunsicherung aus. Oft hörte man dabei Sätze wie "Früher gab es in unserem Garten immer Bienen, aber seit einiger Zeit sind sie auch weg" oder "Wie ist das hier vor Ort, sterben hier auch die Bienen". Ich selber bin kein Fan von medialen Weltuntergangsszenarien und habe deshalb als Betreuerin nicht versucht Ängste weiter zu befeuern, sondern die von mir betreuten Standbesucher mit einem Gefühl des "Empowerment" nach Hause zu schicken, frei nach dem Motto: Sicher ist es nicht ideal, aber man kann was dagegen machen. Der Theorie des "großen Bienensterbens" habe ich dabei zuerst die Tatsache des "großen Imkersterbens" gegenübergestellt. Etwas, was unseren Verein auch in den nächsten zehn Jahren blühen dürfte. Keine Bienen mehr im Garten heißt ja zunächst einmal, dass es keinen Imker mehr in der Nähe gibt. Dabei kann man so einfach selbst Imker werden oder die Imker in der Nähe durch Kauf regionalen Honigs unterstützen. Die von mir verteilten Broschüren lokaler Imkereien mit Honigverkauf und die Anfängerfibel fanden dabei guten Absatz. Auf die Idee, dass Bienen auch verschwinden, wenn Imker aussterben, waren die wenigsten Besucher gekommen.
Die Varroa
An diesem Punkt konnten dann weitere Erläuterungen anschließen: Natürlich gäbe es enorme Probleme für die Bienenhaltung in Europa seit Einführung der Varroa. Aber man habe auch früher schon gegen diverse Bienenleiden kämpfen müssen, etwa Tracheenmilbe und Nosema. Bienensterben sei daher meistens ein Problem fehlender imkerlicher Fürsorge für die Bienen, denn theoretisch habe man die Mittel an der Hand der Varroa soweit Herr zu werden, dass ein "großes Bienensterben" verhindert werden könnte. Praktisch gäbe es aber viele Bienenhalter, die nicht auf solche vorhandenen, zugelassenen und erprobten Mittel zurückgreifen würden. Anstelle die Schuld für das Bienensterben auf Großkonzerne, Landwirtschaft und alle anderen möglichen Schuldigen zurückzuführen, könne man als Imker bei sich selbst anfangen. Hier gäbe es am meisten zu bewegen. Und hier habe ich dann immer wieder den dezenten Hinweis darauf gesetzt, dass Imker werden nicht schwer ist und es eine Unzahl von Lehrbienenständen und Imkervereinen in unserer Gegend gibt. Selbst imkern als Königsweg gegen das Bienensterben also.
Bienen und Bienendreck
Krönender Abschluss einer solchen Führung war dann zumeist ein Blick in eine der vorhandenen Schaubeuten mit Erklärungen zum Organismus Bien und seinen Bestandteilen. Interessiert waren die meisten Besucher am "Varroaboden" einer Schaubeute, der als solcher ausgezeichnet war. Viel Interesse wurde dabei meist den Erläuterungen zuteil, die sich mit dem Dreck auf dem Varroaschieber befassten. Die wenigsten Menschen haben in ihrem Leben eine einzelne Wachsschuppe gesehen, allein die Vorstellung, dass aus diesen fast unsichtbaren Plättchen eine Wabe wird, fasziniert. Auch die Komplexität der Bestanddteile des Bodendrecks und was man daraus orakeln kann, fanden viele Besucher amüsant: Hier der Dreck in einer runden Form in der Mitte heißt, das Brutnest ist da und da. Hier sehen sie Wachsplättchen, das heißt meine Bienen bauen noch und liegen nicht faul rum. Der Pollen hier hat diese und jene Farbe und kommt sicher von dieser und jener Blüte. Au weia, ein feuchter Dreckfleck - ja Bienen haben auch mal Durchfall. Und verteilt über das Bodenbrett immer wieder der bereits besprochene Übeltäter: die Varroamilbe.
Ähnlich unterhaltsam wie die Aufklärung über den Bienendreck gestaltete sich nur die Aufklärung über die Drohnenschlacht. Diese war bei unseren Schauvölkern gerade in gutem Gange, was zu diversen Besucheranfragen führte, die besorgt auf die große Anzahl toter Bienen vor dem Flugloch oder die heftigen Kämpfe hinwiesen. Gerade die Reaktion von Paaren auf die Erläuterung erlaubte dabei tiefere Einblicke in die Paarbeziehungen: Der typische "Macho" lies zumeist noch einige bestätigte Kommentare von sich, wenn es darum ging, dass Drohen von Natur aus nichts arbeiteten und sich dazu noch füttern liesen. Dabei war der Verweis auf die Praxis des sich Bier holen lassens meist gleich gemacht. Umso empfindlicher reagierte dieser Männertyp dann auf die Erläuterungen zur Drohnenschlacht und den Hinweis darauf, dass unnütze Fresser im Winter eben raus müssten. Spätestens nächsten Sommer gäbe es ja wieder Neue. Die Reaktionen des "Machos" darauf reichten vom beschwichtigenden "Naja, so unnütz sind wir ja Gott sei Dank nicht" bis hin zum mit einem unterwürfigen und mit Dackelblick garnierten "Da kann ich ja echt froh sein, dass meine Frau das anders handhabt". Ein Schmunzeln von zumindest einem Partner war garantiert.
Kinder wollten zumeist die Königin sehen - an einem Schaukasten war dies auch möglich. Anders als bei den Erwachsenen brauchen Kinder scheinbar etwas optisch und haptisch direkt Greifbares. Mit ausschweifenden Erzählungen werden sie kaum glücklich, mit dem Öffnen einer Schaubeute, mit einer einmal in die Hand genommenen und zur Begutachtung freigegebenen toten Biene oder einem Drohn, mit einmal die Hand auf die von Bienen erwärmte Abdeckfolie einer Schaubeute legen oder eben dem Blick auf die Königin, die sich als deutlich größere Biene von den anderen abhebt und von diesen kreisförmig umlagert wird, sind die meisten Kinder aber schnell zufriedengestellt. Jungs wollen dabei lieber einmal kräftig an der Schleuder drehen, oft waren aber die Mädchen mutiger darin sich etwa einem Flugloch direkt zu nähern, um das dortige Treiben zu begutachten.
Verschimmelte Bienen
Am Flugloch erspähten einige Besucher etwas, was uns mehrfach mit vorwurfsvollem Blick angekreidet wurde: Unsere Schaubienen wären in keinem guten Zustand, denn "verschimmelte, aber noch lebendige Bienen" würden sich an fast jedem Flugloch finden. Erfreulicherweise hatten wir an der Ostseite des Standes eine größere Anzahl an Springkraut. Anhand einer Blüte lies sich schnell demonstrieren, woher der "Schimmel" kam: Die "verschimmelten Bienen" waren nichts anderes als Pollensammlerinnen, die vom Springkraut zurück kamen. So konnten wir auch hier den Besuchern unseres Standes etwas von der Angst nehmen, dass es um die Bienen rund herum schlecht bestellt sei un dgleichzeitig einiges an Werbung für den Einkauf beim regionalen Imker oder das Selber-Imker-Werden machen.
Verdeckte Imker
Neben den normalen Besuchern fanden sich an unserem Stand immer wieder "verdeckte" Imker ein, die sich als Besucher ausgaben und oft erst am Ende eines Gespräches zu verstehen gaben, dass sie auch Imker wären. Auffällig an den "verdeckten" Imker war allerdings immer die breit zur Schau gestellt Fachkenntnis, entlang derer einzelne Standbetreuer gelöchert wurden.
So war ich erstaunt, als einer der Besucher plötzlich nach der Funktion des Deckelfluglochs fragte. Unsicher, wie weit ich für eine Erklärung ausholen sollte, antwortete ich kann, man benötige dies für verschiedene Formen der Ablegerbildung und einige Betriebsweisen. Ich hoffte, mit so einer Antwort weder zu langweilen noch zu überfordern. Gleich darauf folgte dann die Frage, wie wir es mit den Fluglöchern hätten, ob die bei uns schon eng gemacht wären. Wieder verwirrt verwies ich darauf, dass das vom Standort und auch von den erfolgten imkerlichen Maßnahmen abhinge, Fütterung und Varroabehandlung zum Beispiel. Nach ein paar weiteren Detailfragen tauchte im Hintergrund plötzlich eine ältere Dame auf, die zielstrebig auf den fragenden Herrn zusteuerte und diesen moderat verärgert anging: "Was stehst denn hier rum und fragst, du hast doch selber daheim genug Bienen!" Auf meine ironische Bemerkung, wie ich mich denn als "Imker" im "Imkertest" so gemacht hätte, habe ich dann von ihm immerhin ein bestätigendes "Gar nicht schlecht" erhalten.
Leider waren nicht alle Imkerspione so wohlgesinnt. Im Verlauf einer Woche gab es eine ganze Reihe von Beschwerden über die Etikettierung und Auszeichnung von Produkten des Verkaufsstandes. So wurde z.B. die Etikettierung des Mets bemängelt, den wir - wie alle Verkaufsprodukte - über die Süddeutsche Imkereigenossenschaft bezogen hatten. Bei einer einfachen Bemängelung blieb es meist nicht, viele der Schimpfer bissen sich regelrecht am Standteam fest und schimpften dann geraume Zeit vor sich hin, bis sie sich scheinbar wichtigeren Dingen zuwandten. Ärgerlich für uns, da damit immer Zeit verloren ging, wirklich interessierten Besuchern weiter zu helfen.
Noch ärgerlicher waren jene Imkerspione, die einfach nur zum Schimpfen und nörgeln kamen, ohne Grund und Hintergrund. Ein Besucher um die 40 schaffte es sich eine ganze Dreiviertelstunde über die Nachteile der Carnica Bienen zu ereifern, die in unseren Schaubeuten zu sehen war. Dies garnierte er mit einem, in seinen Bestandteilen immer wieder wiederholten Vortrag über die herausragenden Merkmale der Buckfast. Als mir schließlich fast der Kragen platzte und ich den Herrn nach seiner Erfahrung in der Imkerei befragte, hieß es lapidar, er habe seit 15 Jahren keine Bienen mehr. Ohne eine eigene Position bezüglich der beiden Arten von Bienen zu haben, fand ich es doch unerträglich, wenn man mit konzentrierter Nörgelei solange von der eigentlichen Arbeit abgehalten wird. Was soll man aber tun? Im Endeffekt lies ich in solchen Situationen dann immer Freundlichkeit vorgehen und versuchte durch unterschwelliges Nachfragen nach den imkerlichen Erfahrungen des Fragers die Situation zu entschärfen, denn wenn es gelang den anderen als Laien zu identifizieren, konnten viele Gespräche schnell beendet werden: Anfängerfibel in die Hand gedrückt und verabschiedet.
Aufgeklärte Kunden
Mehr als an den verdeckten Imkern konnte man aber an den wirklich wenigen Standbesuchern verzweifeln, die sich als aufgeklärte Kunden ausgaben. Neben den Damen, die auf Gelee Royale als Nahrungsergänzungsmittel schworen, aber bei Erläuterungen zum Drohnenbrutschneiden vor moralischem Entsetzen fast aus dem Sessel fielen ("Dann töten sie ja die ganzen Larven der Bienen!") waren es hier vor allem die etwas gestelzten Damen aus gutem Hause, die ihren Honig unbedingt "naturbelassen" konsumieren wollten. In einem Fall wurde etwa nach kaltgeschleudertem Honig gefragt, da dieser ja naturbelassener sei als der "andere Honig". All meine Erläuterungen bezüglich Stocktemperatur, Schleuderung und Honigqualität prallten an der Dame ungehört ab, so dass ich ihr letztlich auf Wunsch den Honig verkaufte, der "kälter geschleudert wurde, als die anderen Honige". Ehrlich gesagt, hab ich ihr den Honig angedreht, von dem wir noch die meisten Gläser da hatten. Was soll man sonst auch sagen. Fürs nächste Jahr plane ich jetzt schon meinen "bei echtem Vollmond kälter geschleuderten Bienenhonig" ein, der sicher ein riesiger Verkaufserfolg in der Damenwelt unserer Nachbarschaft werden könnte, dort wo alles an esoterischen Blüten blüht - von Ayurverda-Klangschalengymnastik bis hin zu Zen-Meditations-Gesichtscreme - nur nicht der Rasen im Vorgarten.

Es muss also noch eine ganze Menge Informationsarbeit geleistet werden.
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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim

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Kommentare

06.10.2010 21:01 Bienenfreund
Wirklich amüsant zu lesen, und lehrreich. Superklasse!
07.10.2010 20:14 monte
dein bericht war super.
kann dich nur voll und ganz bestätigen, hatte allerdings nur 1 tag dienst auf der lgs in nrw in hemer.
komisch standaufbau und drumherum das gleiche chaos .
allerdings ich war auf die imkerspione besser vorbereitet, da ich seit 4 jahren mehrmals wöchentlich einen markt beschicke und solche schnell erkenne. nicht alle.
07.10.2010 20:19 Bienenalex
Hallo Austeja,
wieder einmal ein super Bericht.!!!
Ich kann deine Erfashrngen nachempfinden und nachvollziehen. Ich war auch schon mehrfach in der Vergangenheit bei Veranstaltungen als Imkerverein oft alleine herumngestanden. Das wird sich in Zuikunft hoffentlich ändern.
Über die lieben verdeckten Imker am Marktstand kann ich Arien singen.

weiter so
08.10.2010 22:36 stilleWeisel
Köstlich, die Esoterik-Tanten sind aber auch wirklich so dämlich, an alles zu glauben!
Auf diesen Markt kann man sich einstellen.
"An Litha zur Zeit der vollen Mondin nachtkühl geschleuderter Honig aus drei mal drei Blüten und Kräutern." - Für den Liebeszauber. Nur für aufgeklärte Kundinnen unterm Ladentisch zurückgestellt. Zwölfeurofuffzig, unter Frauen (gütiges Nicken).

Dein Bericht ist klasse! Standbetreuung ist ein Knochenjob!

Gruß, Käte.
09.10.2010 00:19 Bienenalex
Für die älteren Herren kannst du noch Schneeglöckchenhonig einplanen. Der wird auch nachts geerntet und geschleudert und ist, aber nur hinter vorgehaltener Hand, ein unglaubliches Potenzmittel. Das berichtete unsere Lokalpresse vor einigen Jahren in der Ausgabe vom 1.4. und dzeigte dabei ein Bild eines Imkers wie er die Bienen beim Sammeln von diesem Honig beobachtete. Am folgenden Markttag hätte ich zwei Kisten davon verkaufen können - wenn ich richtig geschaltet hätte. Gewusst wie.

09.10.2010 19:26 Denoix
Gab es in Rosenheim keine Führungen für angemldete Gruppen oder Schulklassen. Bei der bay. LGS in Neu-Ulm vor zwei Jahren wurde dies von den Imkern angeboten mit Unterstützung der LGS-Verwaltung und von annähernd 100 Gruppen angenommen!
Grüße aus Ulm
10.10.2010 09:49 Hans_Hagen_Theimer
Auch in Rosenheim gab es für angemeldete Schulklassen Vorträge.
28.10.2010 17:12 beekeeper
Ist wirklich lesenswert
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