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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Prora vom Strand aus Modell von Prora in der KulturKunststatt Prora Prora
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15.10.2010, 20.37 Uhr

Der Koloss von Prora

Für einen Ausflug ging es also nach Prora. Wir haben uns trotz der Laufweite von Binz für eine kleine Touristenbahn entschieden, weil wir erkältungstechnisch bereits da etwas angeschlagen waren und das Auto auf unserem kostbaren und sehr engen Parkplatz mitten in Binz lieber stehen lassen wollten. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn man auf dem Prora-Gelände ankommt und die riesigen, nicht enden wollenden Betonbauten sieht. Diese wurden ja in den 30er Jahren als Urlaubsanlage für die NS-Reiseorganisation Kraft durch Freude (KdF) gebaut. Der Architekt hatte übrigens den passenden Namen Clemens Klotz. Das Projekt sollte bis zu 20.000 Menschen auf einmal beherbergen, die dort jeweils 10 preiswerte Ferientage verbringen sollten. Also eine einzige riesige Urlaubsstadt.

Doch beendet wurde der Koloss nie. Errichtet wurden von 1936 bis 1939 die 8 Gästeblöcke zumindest im Rohbau auf einer Länge von immerhin 4,5 Kilometern sowie die Kaianlage. In Planung waren noch Schwimmbäder, die Festhalle und sowie ein Großteil der Wirtschaftsgebäude. Die Arbeiten wurden jedoch mit Beginn des 2. Weltkrieges komplett eingestellt, sehr wahrscheinlich sollten sie danach fortgeführt werden.

Bis 1945 diente Prora als Ausbildungsort, als Lazarett und zum Kriegsende und in den ersten Jahren danach auch als Wohnort für Kriegsflüchtlinge. Die Rote Armee, war hier eine zeitlang stationiert und versuchte in den 50er Jahren einen Teil der Gebäude zu sprengen. Allerdings war das Projekt nicht gerade von Erfolg gekrönt und so ließ man es wieder sein.

Zu DDR-Zeiten waren hier NVA-Soldaten stationiert. Nach der Wende übernahm erst die Bundeswehr die Gebäude, allerdings nur bis 1992. Seit den 90er Jahren hatten Gebäudeteile von Prora mehrere Besitzer, es war zum Beispiel eine Jugendherberge untergebracht - ein Großteil war allerdings mehr oder minder dem Verfall ausgesetzt, was man dem Gelände auch leider ansieht. Für mich wurde die bedrückende Stimmung in Prora dadurch nur noch verstärkt. So viel blanker Beton, da hätte ich mir keinen Urlaub vorstellen können .

Heute kann man dort verschiedene Museen anschauen. Da wäre zum einen das Dokumentationszentrum über die Geschichte Proras und seinem Zusammenhang mit der damaligen nationalsozialistischen Gesellschaft, das wir einer Stiftung verdanken [www.dokumentationszentrum-prora.de.]

Und dann gibt es da noch die private KulturKunststatt Prora, die immerhin 5 Museen unter einem Dach beherbergt. Darunter natürlich eine Ausstellung über die Organisation KdF und den Bau von Prora, die sehr viele private Erinnerungsstücke enthält. Weiterhin gibt es eine NVA-Ausstellung und eine umfangreiche DDR-Ausstellung mit damaligen technischen Geräten und einer umfangreichen Motorradschau.

Die KulturKunststatt Prora ist auf 5 Etagen verteilt und man kann darin Stunden verbringen. Vor allem mein Mann hätte gern noch ein paar Tage drangehängt, ich war bereits nach 2,5 Stunden mehr als knülle *lacht*. Es wurden unzählige Museumsstücke liebevoll und detailgetreu zusammengetragen. Allerdings wirkt es nicht ganz so „schick“ wie das andere Dokumentationszentrum und der spröde DDR-Charme ist allgegenwärtig. Eigentlich ist es fast wie eine Zeitreise in die Vergangenheit – vor allem auf den Toiletten . Dafür darf man sich dann in der obersten Etage im hauseigenen Café mit direktem Blick auf die Ostsee eine Erholungspause gönnen. [www.kulturkunststatt.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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