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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Unser täglich Brot
80 mal angesehen
01.12.2010, 20.06 Uhr

Unser täglich Brot

Diese Dokumentation lief am Sonntag Abend auf 3Sat. Ich hab sie mir angeschaut, weil ich schon sehr viel darüber gehört habe und mir endlich einmal selbst ein Urteil bilden wollte. Es ist ein Film des Österreichers Nikolaus Geyrhalter, der in ganz Europa Produktionsstätten für Lebensmittel aller Art besuchte. Dabei ist es keine Dokumentation in dem Sinne, weil nicht beschrieben, geschweige denn erklärt wird. Völlig ohne Kommentar sieht man eine Sequenz nach der anderen. Da wird dann zum Beispiel gezeigt, wie Paprika geerntet, Rinder geschlachtet oder Felder gedüngt werden. Eigentlich nichts Aufregendes in dem Sinne.

Ein besonderes Stilmittel des Films ist, dass die Kamera fast immer völlig statisch ist. Wie in einem bewegten Foto sieht man Menschen oder Maschinen, die ihre Arbeit verrichten. Die Kamera ist meistens auch so ausgerichtet, dass ganz gerade auf etwas blickt. Das gibt eine gewisse Symmetrie, ja fast Künstlichkeit. Ich denke es wird benutzt, um die starke Technologisierung, die in der Lebensmittelindustrie vorherrscht, stärker zu betonen. Kaum eine Szene, in der nicht riesige Maschinen gezeigt werden, die vollautomatisch ihre Arbeit verrichten. Wo noch Menschen per Hand arbeiten, ist es zumeist Akkordarbeit von nur wenigen Handgriffen. Selbst das wirkt irgendwann roboterhaft.

Auf den ersten Blick ist das durchaus ein wenig schockierend, wenn man das noch nie so gesehen hat. In der Werbung werden ja einem meist noch ursprüngliche Bauernhöfe vorgegaukelt. Und auch wenn einem klar ist, dass das so nicht funktionieren kann, muss man es doch mit eigenen Augen sehen, um zu realisieren, wie automatisiert die Lebensmittelherstellung wirklich abläuft und wie wenig menschlicher Anteil da noch übrig ist. Wenn man nur kurz drüber nachdenkt, ist es eine logische Folge. Denn wir verlangen und bekommen immer billigere Lebensmittel – und wie sonst soll das funktionieren?

Der Film klagt keinesfalls irgendwelche „Missstände“ an. Er zeigt einfach so, wie es ist. Ich denke gerade bei der Tierhaltung und –verarbeitung wurden keinesfalls schlimme Betriebe gezeigt. Die hätten sich auch wohl kaum in die Karten schauen lassen. Trotzdem muss man schon schlucken, wenn Kücken auf Fließbändern transportiert und von Maschinen wie Tomaten sortiert werden. Wenn man bei den Schlachtungen von Rindern zusieht, oder wie Hühner vollautomatisch zerteilt und Fische ebenso vollautomatisch ausgenommen werden. Ich weiß, dass das normale Praxis ist. Und trotzdem ist es grade bei Tieren ist es schwierig zu realisieren, dass sie im Endeffekt nichts weiter als Produkte sind, die verarbeitet werden. Klar, wie sollen denn auch die Massen von Fleisch sonst in unsere Supermarktregale kommen. Man denkt einfach nicht drüber nach und normalerweise wird es ja auch eher versteckt gehandhabt– bzw. wollen die meisten Menschen das doch gar nicht wissen, wie ihr Schnitzel auf den Teller kommt.

Der Film hinterlässt auf jeden Fall ein beklemmendes Gefühl, ohne das ich richtig einordnen kann, woher das kommt. Wahrscheinlich sind es die strengen Bilder, und dass kaum menschliche Stimmen zu vernehmen sind. Man hört eigentlich die meiste Zeit nur Maschinenlärm und am Ende fand ich das durchaus anstrengend. Auch sind die Menschen so untergeordnet, nur ein winziges Rädchen im riesigen Maschinengetriebe. Überhaupt wirkt alles sehr künstlich und steril – schon komisch bei einem Thema wie Nahrungsmittel.

Aber auf jeden Fall ist die Doku sehenswert. Ganz oft hab ich mit offenem Mund dagesessen und war bei manchen Szenen überrascht oder vor den Kopf gestoßen, weil man – und so ist es nun mal – keine Ahnung hat, wie das alles abläuft. Trotzdem werde ich auch das Gefühl nicht los, dass ich gern noch ein paar handfeste Fakten dazu bekommen hätte, um manche Dinge besser einordnen zu können. Aber das könnt ihr ja selbst entscheiden. Der Film ist auf jeden Fall überall auf DVD erhältlich und läuft am 13. Februar 2011 noch mal auf 3Sat (könnt ihr euch ja schon mal in den Kalender eintragen ).

[www.unsertaeglichbrot.at]
[www.3sat.de]
[www.arte.tv]

Bildquelle: [www.unsertaeglichbrot.at]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

02.12.2010 08:32 Echinacea83
Ich hab den Film auch gesehen, leider nicht ganz und nicht am Stück.
Ich glaube, die fehlende Moderation hat dem ganzen keinen Abbruch getan, im Gegenteil, ich hätte es als störend empfunden, denn sie hätte vom gesehenen zu sehr abgelenkt!

Der Film hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl vieles zuvor schon bekannt war.
02.12.2010 09:29 Paradiesgarten

Ohne viel technische Mittel wird ganz einfach die Realität dargestellt, gut wenn man trotzdem weiss, wie das Schnitzel auf den Teller kommt.
Dann denkt man mal wieder drüber nach.
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