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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Die Welt in 100 Jahren
29 mal angesehen
05.01.2011, 19.59 Uhr

Buchtipp: Die Welt in 100 Jahren

Gerade hat 2011 begonnen, und immer zu dieser Zeit überlegt man, wie sich wohl das eigene Leben in den nächsten Monaten entwickeln wird. Wird es ein gutes Jahr? Ein freud- und liebevolles oder anstrengendes Jahr? Das weiß natürlich keiner so genau, und auch ich werde mich einfach überraschen lassen (und nein, ich habe auch keine guten Vorsätze für 2011 gefasst…).

Passend dazu geht es heute um eine der großen Fragen der Menschheit: wie wird die Zukunft sein, welche Technologien wird es in einigen Jahrzehnten geben, und werden wir Menschen es endlich schaffen, in Frieden miteinander zu leben. Doch im Buch „Die Welt in 100 Jahren“ geht es NICHT um die Zukunft. Es erschien vor ein bisschen mehr als 100 Jahren und somit geht es spannenderweise darum, was die Menschen im Jahr 1910 dachten, wie unsere Gegenwart werden würde.

Damals – in einer Zeit der Aufbruchsstimmung und absoluten Technikbegeisterung - hatte der Journalist Arthur Bremer wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit darum gebeten, ihre Gedanken zu einer Welt in 100 Jahren zu äußern. Daraus entstand dieses reich illustrierte Buch, das zu einem absoluten Beststeller wurde. Es ist sicherlich sehr interessant mit unserem heutigen Hintergrund zu lesen und zu entdecken, welche der Voraussagen absolut an der Realität vorbei gegangen sind und welche vielleicht sogar eingetroffen sind!

Auf nicht eingetretenen Seite wäre da zuerst einmal der Weltfrieden, der wohl als tiefer Wunsch immer auf der Liste der Zukunftsvisionen stehen wird. Jedoch wurde dieser nicht vorhergesagt durch die Weiterentwicklung des Menschen. Sondern – und damit lag die Autorin Bertha von Suttner gar nicht mal so falsch - durch globales Wettrüsten, das eine „Balance des Schreckens“ auslöst, so dass keiner mehr wagt, das Knöpfchen zu drücken, weil es quasi sofort einen Doppelselbstmord der Gegner zur Folge hätte.

Weiterhin soll es natürlich keine Krankheiten mehr geben, und auch keine Hungersnöte, denn wir können Erdbeeren so groß wir Orangen züchten. Auch gäbe es keine Kriminalität mehr, weil man erkannt hätte, dass alle Kriminellen bloß krank sind und sie in Krankenhäusern geheilt werden könnten. Auch riesige Luftschiffflotten bestehend aus Zeppelinen sind natürlich so nicht eingetreten, weil das Flugzeug sie ersetzt hat.

Und dennoch gab es auch Treffer bei den Vorhersagen. Die wohl erstaunlichste: das Handy, oder besser gesagt das "Telefon in der Westentasche". Die Gedanken, die sich Robert Sloss damals darüber machte, beschrieben erstaunlich präzise, was später auch eingetroffen ist. Zitat: "Der Bürger der drahtlosen Zeit wird überall mit seinem 'Empfänger' herumgehen, einerlei wo er auch sein wird, er wird bloß den 'Stimm-Zeiger' auf die betreffende Nummer einzustellen brauchen und der Gerufene wird sofort seinen Hörer vibrieren lassen oder das Signal geben können." (Quelle: [www.br-online.de] Hey, sogar inklusive Vibrationsalarm!!

Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr hingegen zeichnete ein düsteres Bild seines Berufsstandes. Es würde keine Literaten mehr geben und jeder wäre sein eigener Dichter – wobei man bei dieser Aussage sicherlich beachten muss, dass Anfang des 20. Jahrhunderts die Dichtkunst eher gehobenen Schichten vorbehalten war, die sich solche „Mätzchen“ auch leisten konnten. Und während es auch für Normalsterbliche immer leichter wurde, auch Autor zu werden, so ist seine Aussage, dass jeder sein eigener Dichter sein könnte, gerade in den letzten 10 Jahren genau so eingetreten. Durch das Internet kann sich jeder veröffentlichen, wann und wo er will. Jeder kann Schriftsteller sein (die einzige Frage ist nur, ob derjenige auch damit einen Lebensunterhalt verdienen kann).

Auch zum Teil eingetreten ist folgende Aussage: "Auf die Ehe und Liebe wird der Einfluß der drahtlosen Telegraphie ein außerordentlicher sein. Liebespaare und Ehepaare werden nie voneinander getrennt sein, selbst wenn sie Hunderte und Tausende Meilen voneinander entfernt sind. Sie werden sich immer sehen, immer sprechen, kurzum, es wird die Glückszeit der Liebe angebrochen sein."

Wobei wir uns zwar nicht überall persönlich sehen können, aber Telefonate über weite Entfernungen sind ja völlig normal geworden und durch Videotelefonie kann man sich sogar sehen. Selbst für mich ist das eine enorme Erleichterung, um weit entfernte Freundschaften aufrecht zu erhalten. Und die vielen Paare mit Fernbeziehungen werden das wohl genauso sehen. Kein Vergleich zum altmodischen und langwierigen Briefe schreiben.

Ja, und warum stelle ich euch heute ein 100 Jahre altes Buch vor? Weil die 100 Jahre genau jetzt herum sind es noch einmal neu aufgelegt wurde, und zwar genau wie das Original von damals. Wer als keine altdeutsche Schrift lesen kann, wird sich schwer tun. Aber ansonsten eine spannende Lektüre, die einem klar macht, dass unsere Gegenwart die Zukunft der Vergangenheit ist. Eine Gelegenheit auch darüber nachzudenken, was uns selbst wohl noch in den nächsten Jahrzehnten erwarten wird…

[www.br-online.de]
[www.wdr.de]
[www.daserste.de]

Und was erwartet ihr für eure Zukunft, für dieses Jahr?
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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