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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Oktober - Blick ins Bienenvolk II Bienenhaus im Dezember 2010 Mitte Dezember - Blick ins Bienenvolk II
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15.01.2011, 14.04 Uhr

Arbeiten am Bienenvolk im Herbst und Winter: Eine Checkliste

Im Herbst bzw. Winter stehen die vorerst letzten Arbeiten am Bienenvolk an. Die Varroabehandlung im Spätsommer habe ich wortgetreu durchexerziert, die Einwinterungsarbeiten habe ich ebenfalls erledigt. Jetzt gilt es, den Winter durchzustehen. Dabei kann man entweder Däumchen drehen und warten oder Rähmchen reinigen sowie spannen und hoffen, alles richtig gemacht zu haben. Der Winter ist sozusagen in zweierlei Hinsicht für Imker spannend. Ob das imkerlich Gemachte und Nichtgemachte richtig war, zeigt sich im Frühjahr 2011. Einen Erfahrungsbericht gab es im letzten Beitrag. Hier nachgeschoben noch mein angelesener Wissenszuwachs: Quasi mit dem vorausschauenden Ziel es nächstes Jahr besser zu machen. Man lernt ja nie aus.*

Insgesamt 3 Merkpunkte des dritten Imkerchecks im Jahr nennen die von mir konsultierten Experten:
- Check der Bienenvölker
- Check der Varroabekämpfung
- Check des Equipments

Check der Bienenvölker
Im Bienenvolk ist im Winter relativ wenig los: Das Brutgeschäft geht bei Kälte zurück und kommt etwa drei Wochen nach Einsatz der ersten Fröste ganz zum Erliegen. Gleichzeitig drängen sich die Bienen je nach Kälte in einer dichten Traube zusammen, um Heizkosten zu sparen. Wird der Winter von wärmeren Phasen unterbrochen, geht die Traube auseinander und es kann auch zur Flugaktivität kommen. Ganz unwillkommen scheint den Bienen die winterliche Ausflugsmöglichkeit nicht zu sein, da sie es ihnen erlaubt die Kotblase zu leeren, die sich über den Winter anfüllt. Wer bei sehr warmen Wintertemperaturen keinen Bienenflug beobachten kann, sollte sich Sorgen um den Zustand der beobachteten Völker machen. Da im Winter keine natürlichen Trachtquellen vorhanden sind, besteht an warmen Wintertagen die Gefahr der Räuberei unter den Völkern: So schielen die Nachbarsvölker auf den Futtervorrat der anderen Völker: Wehe denen, die sich nicht zu verteidigen wissen. Mitunter setzt das Volk während einer Wärmephase wieder Brut an.

Schutzvorkehrungen treffen und Schutzvorrichtungen anbringen
Der Imker hat im Winter an den Bienen relativ wenig zu tun. Pohl formuliert das so: "Ein gut versorgtes Wintervolk verlangt vom Imker nichts als Schutz vor Ruhestörung, mit der Kälte wird es selbst fertig." Wichtig ist, dass das Bienenvolk einen trockenen und sauberen Sitz im Winter hat. Dazu braucht es keine "extra" Verpackung der Beuten, lediglich ein guter Abzug von Feuchtigkeit aus dem Volk muss gewährleistet sein. In dieser Hinsicht hat die Überwinterung auf einem offenen Gitterboden, Liebig zufolge, Vorteile: "Die Überwinterung auf offenem Gitterboden sorgt für eine möglichst lange, brutfreie Winterruhe, weil die Völker im Herbst rechtzeitig aus der Brut gehen und im Frühjahr oder gegen Ende des Winters relativ spät mit dem Brutgeschäft beginnen."
Nach den Vorbereitungen auf den Winter soll der Imker, den Experten zufolge, dafür sorgen, dass die Bienen winterruhe haben und halten können. Am Bienenstand sind daher Eingriffe so weit wie möglich zu unterlassen. Auch Erschütterungen, etwa durch Wald- und Bauarbeiten in Nähe des Standes, gilt es zu vermeiden - sie stören die Winterruhe, führen dadurch möglicherweise zum Auseinanderbrechen der Wintertraube und zum Verlust der Völker. Weiterhin soll man Vorsorge dafür treffen, dass mögliche Störungen der Winterruhe nicht desaströse Konsequenzen nach sich ziehen: Die Fluglöcher werden zum Schutz vor Räuberei aber auch vor Mäusen auf etwa 8mm verengt. Damit auch Spitzmäuse keine Chance mehr haben, kann man ein Absperrgitter vor dem Flugloch anbringen. Ganz abgedichtet dürfen die Fluglöcher aber auf keinen Fall werden - etwas Ausgang muss sein, auch für Bienen im Winter. Auch Spechte und Meisen können, Weiss zufolge, in unseren Breitengraden den Bienen gefährlich werden. Zur Abhilfe empfiehlt der Autor die Anlage einer Futterstelle für Vögel etwas abseits vom Bienenstand.

Einfütterung zwischen Unterversorgung und Überversorgung
Bevor die Bienen Winterruhe halten können, gilt es ihnen nach Abschleudern des Honigs ein Futterpolster zu verschaffen, das eine Winterruhe auch ermöglicht. Empfohlen wird, die Einfütterung bis spätestens zum 1. Oktober abzuschließen. Die Einfütterung kann dabei mit verschiedenen Zuckerlösungen erfolgen. Weiss empfiehlt eine Futterzusammensetzung aus 2 Teilen wasser und 3 Teilen Zucker. Die Einfütterung einer solchen Lösung fordert den Bienen den geringsten Einsatz von Betriebsenergie ab: Einmal müssen sie nur eine geringe Menge von überschüssigen Wasser aus dem Stock befördern und zum anderen kristallisiert diese Lösung nur selten aus. Alle von mir gelesenen Autoren raten von der Beigabe von Futterzusätzen ab - man fange sich mit ihnen mehr Risiken ein, als einem lieb sein kann. Wichtig ist - laut Weiss - dass die Futterlösung nicht verunreinigt ist. Gefährlich ist lange abgelagerter und verunreinigter Zucker - in ihm können Hefen und Bakterien enthalten sein, die, als ungeplanter Zusatz zum Winterfutter, das Ende der Bienen bedeuten können.
In Abschätzung des Futtereintrags durch späte Tracht gilt es zwischen 10-15kg Zucker pro Volk einzufüttern. Liebig etwa berechnet die Futtermenge pro Volk entlang der Wabenzahl einer vollen Zarge mal 1,5 Kilo Zucker. Mineralstoffreicher Waldhonig darf auf keinen Fall im Bienenvolk bleiben, da er die Bienenmägen über den Winter hinweg zu stark belastet. Die Einfütterung soll zügig und möglichst sauber erfolgen, um Räuberei und damit "Mord und Totschlag" (Weiss) zu vermeiden.
Ein Grundproblem der Einfütterung ist sicher die richtige Balance zwischen Unter- und Überversorgung zu finden. Bei Unterversorgung verhungern die Bienen im Verlauf des Winters sang- und klanglos. Die Gefahr des Verhungerns scheint gerade im Frühjahr und vor allem bei starken Völkern groß zu sein: Der hohe Brutumsatz und Futterbedarf der starken Völker wird für diese in frühjährlichen Kälteperioden und daraus entstehenden Trachtlücken zum nicht zu unterschätzenden Risiko. Aber auch eine Überversorgung gilt es zu vermeiden. Zu viel Futter im Bienenvolk hat zwei schädliche Nebenwirkungen: Erstens sitzt die Bienentraube auf mit Futter gefüllten Waben kalt und damit ungesund, so zumindest die Aussage von Weiss. Einfacher lassen sich, ihm zufolge, Leer- und Brutwaben von der Traube beheizen. Zweitens führt zu viel Futter im Volk zum "Verhonigen des Brutnestes", oder einfacher gesagt: Je mehr Honig eingelagert ist, desto weniger Platz ist für die Aufzucht von Jungbienen da. Dadurch wird die Volksentwicklung nachhaltig ausgebremst, dies kann bis hin zur Auflösung des Volkes gehen, wenn aus Platzmangel gar keine Jungbienen mehr nachgezogen werden können.
Folgt man Liebig, ist die rechtzeitige und nicht zu späte Einfütterung wichtig, damit sich das Brutgeschäft nicht zu lange in den Winter hinein weiterzieht. Ein später Brutansatz soll vermieden werden, da sich sonst die Winterbienen mit Ammendiensten verausgaben und dadurch ihre Lebensspanne sinkt. Auch die im Winter aufgezogenen Jungbienen gehören, aufgrund der schlechten Pollen- und Eiweißversorgung, einer für das Bienenvolk wenig hilfreichen, da kurzlebigen Generation schlecht vorbereiteter Winterbienen an: Live Fast and Die Young mag im Rock'N'Roll zum Erfolg führen, aber sicher nicht in der Evolutionsgeschichte. Verausgabte alte Bienen und kurzlebige Jungbienen führen auf kurz oder lang zum Schrumpfen des Volkskörpers und dadurch letztlich zum Ausfallen der stockeigenen Heizung: Das Bienenvolk ist dann dem Untergang geweiht.

Ruhe bewahren
Sind die Wintervorkehrungen getroffen und die Einfütterung abgeschlossen, gilt es Ruhe zu bewahren. Die Wabenordnung soll, Pohl zufolge, nach der Einfütterung nicht mehr verändert werden, da die Bienen die Futtervorräte in bestimmter räumlicher Ordnung anlegen und ein Umstellen der Waben zur Desorientierung oder zum Auseinanderfallen der Wintertraube führt und die Effizienz des von Bienen angelegten Lagers zerstört.
Sorgenfreier kann man scheinbar auf zwei Zargen überwintern: Die Überwinterung der Bienen auf zwei Zargen ermöglicht eine ausreichende Einfütterung, ohne dass der ganze Wabenbau mit Honig gefüllt wird. Wichtig ist, dass zwischen den Waben der beiden Beuten nicht mehr als 9mm Abstand sein sollte, sonst reißt die Wintertraube beim Wandern entlang des Futters durch die Beute auseinander und ein Teil der Bienen verhungert, meist passiert dies nach Wärmephasen, in denen sich die Traube lockert.
Wer seine Bienen im Winter unbedingt beobachten möchte kann dies durch Begutachtung von Flugloch und Bodeneinlage tun, ohne dabei gleich ins Volk eingreifen zu müssen.
Die Feststellung von Liebig, dass weniger die winterliche Kälte den Überwinterungserfolg beeinflusst, als vielmehr die Trachtsituation im Spätsommer, wechselnde Warm-Kaltphasen im Winter und damit verbundener Brutansatz und vor allem die imkerliche Pflege der Völker im abgelaufenen Jahr, mag dabei jene Imker beruhigen, die sich ihres Vorgehens sicher sind und alle Umwelteinflüsse umsichtig abgewogen haben. Anfänger wie mich macht eine solche Aussage nur noch wuseliger als ich ohnehin schon bin, irgendwann werde ich mir doch noch eine Glasbeute bauen.

Check der Varroabekämpfung
Der einzige direkte Eingriff am Bienenvolk, der im Winter ansteht ist die Winterbehandlung mit Oxalsäure oder Perizin. Die Behandlung mit letzterem Mittel sollte, nach Ansicht der verschiedenen Experten, weitgehend vermieden werden, da Perizin in Wachs und Honig Rückstände hinterlässt und Varroamilben durchaus gegen das Mittel resistent werden können.
Sinnvoller ist eine Behandlung mit Oxalsäure. Richtig eingesetzt, hat diese Behandlung einen ebenso hohen Wirkungsgrad wie Perizin, nur dass sie keine Rückstände hinterlässt und keine Gefahr der Resistenzbildung besteht.
Oxalsäure kann auf verschiedene Weise eingesetzt werden:
- Man beträufelt die Bienen bei absoluter Brutfreiheit mit einer Oxalsäurelösung. Dazu sind die Mittel Oxuvar (Andermatt Biovet) und Oxalsäurediydrat-Lösung (Serumwerk Bernburg) in Deutschland zugelassen. Die Anwendung erfolgt mit einer Spritze und ist unkompliziert durchzuführen, indem man einmalig auf die von der Bienentraube besetzten Wabengassen kleine Mengen der Lösung träufelt. Strittig ist, bei welchen Temperaturen man am besten Träufeln sollte: Bei Temperaturen unter Null Grad, weil dann die Bienentraube am engsten gedrängt ist - oder bei Temperaturen leicht - so machen wir es - über Null Grad, weil man hier eine noch weitgehend enge Traube hat, die Bienen sich aber bereits mehr bewegen und dadurch besser durchmischen. Wichtig ist auf jeden Fall eine absolute Brutfreiheit der Völker, damit die Oxalsäure so viele Milben erwischt wie möglich, denn das Mittel wirkt nicht in die Brut. Daher sollte der Einsatz der Säure eher später im Winter erfolgen, als zu früh. Um den Milbenabfall zu kontrollieren gilt es das Bodenbrett bereits ein bis zwei Wochen vor Behandlung einzuschieben und bis zu 4 Wochen nach Behandlung zu beobachten. Laut Liebig kann der durch Oxalsäure bedingte Milbenabfall bis zu vier Wochen anhalten. An die 80% der Milben fallen bereits in der ersten Woche ab.
- Eine andere Einsatzmethode ist das Besprühen der einzelnen Waben mit einer sehr gering dosierten Lösung von Oxalsäure sowie das Verdampfen von Oxalsäure im Volk. Beide Anwendungen sind in Deutschland nicht zugelassen, werden aber durchaus praktiziert. Untersuchungen des Schweizer Bieneninstituts** ergaben eine ähnlich gute Wirkung bezüglich der Varroareduktion wie durch das Beträufeln. Bei beiden Methoden ist allerdings der Aufwand höher.

Check des Equipments
Der Feuertest der Ernsthaftigkeit meiner imkerlichen Pläne stand für diesen Winter an. Klar, Kurse besuchen macht Spaß. Auch durch die Weltgeschichte herumbummeln und andere Imker bezogen auf deren Wissen zu löchern, finde ich spannend, ist als Bildungsforscherin ja irgendwo auch Teil meines Berufs. Im Sommer an den Bienen herumwurschteln ist schon etwas anstrengender, bei sanftmütigen Bienen und angenehmen Temperaturen ist mir das aber immer noch lieber als mich als menschliche Sardine ins nächste Strandbad zu quetschen. Honig schleudern mache ich seit meiner Kindheit gern - Entdeckeln eher weniger, aber unter dem Quetschhan hängen und Honig naschen schon eher.
Aber Rähmchen putzen und drahten im Winter? Beuten reinigen? Waben pressen? In unserer Hobbyimkerei sind wir für die winterlichen Arbeiten eher schlecht angerichtet. Wir haben keinen Waschkesseln und keine überflüssige Geschirrspülmaschine und reinigen daher unsere Rähmchen noch von Hand. Irgendwann muss sich das ändern, keine Frage, aber die nächsten Jahre über werden wir wohl weiter Rähmchen abschaben und Beuten ausflammen. Insgesamt sind die winterlichen Reinigungsarbeiten - ohne passendes Equipment - ziemlich mühselig. Berge von Rähmchen wollen gereinigt und neu gespannt werden, zu alte Rähmchen werden gleichzeitig aussortiert und wandern in den Ofen. Honigaufsätze und andere Beutenteile wollen geschrubbt oder ausgeflammt werden. Das im letzten Jahr gesammelte Baurahmen- und Verdeckelungswachs wird zu neuen Mittelwänden verarbeitet. Mit einer wassergekühlten Presse ginge das sicher schneller, mit zwei Pressen mit Kupferplatten geht es aber auch. Im Hinterkopf habe ich dabei immer noch die Überlegung, später einmal die Angebote zur Eigenwachsumarbeitung verschiedener Imkereien anzunehmen. Ganz "nebenbei" warten noch an die 20 Apideakästen auf eine Grundreinigung. Außerdem werde ich mir Gedanken dazu machen müssen, ob ich die Rähmchen für die Apidea Kästen nicht selber herstellen kann - das ständige Abbrechen der Seitenteile ist, bezogen auf deren Preis, ein wirkliches Ärgernis . Ein Lichtblick ist da schon der Einbau meines Nicot-Systems in Rähmchen, wenigstens kann man hier mal was Neues zusammenbauen.

Wenn dann zu Ende des Winters alles in Schuss gebracht ist, geht es mit den eigentlich schönen Aufgaben der Imkerei weiter: Völker führen und Völker vermehren, auf das man eine reiche Honigernte einfahren kann und am Ende des Jahres wieder viel zu putzen hat.


*Durchgeschaut habe ich die Monatsberichte in der ADIZ, über die letzten zwei Jahre von Johann Fischer, Dr. Pia Aumeier und Jovita Lange. Außerdem liegen bei mir zuhause "Der Wochenendimker" von Karl Weiß, "Einfach Imkern" von Gerhard Liebig, "Die Imkerfibel" von Ernst Pohl (erschienen 1978) und "Die Honigbiene - Vom Bienenstaat zur Imkerei" von Armin Spürgin.
Die Monatsberichte gibt es hier: [www.diebiene.de] ; Auch eine ganz informative Seite findet sich hier: www.bee-info.de
** Homepage des Schweizer Bieneninstituts:
[www.agroscope.admin.ch]
offline

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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