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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Aprill 2011 - Ausgebauter Baurahmen April 2011 - Kontrollblick ins Volk II April 2011 - Kontrollblick ins Volk III
811 mal angesehen
15.04.2011, 13.58 Uhr

Anfängerkurs III: Frühjahrsarbeiten und Trachtbeginn

Im Zentrum des dritten Kurses der Veranstaltung „Gute imkerliche Praxis“ standen weitere Arbeiten im Frühjahr, erste Maßnahmen zur Varroakontrolle und der Trachtbeginn. Hier ein Bericht über die Kursinhalte.

Anfängerkurs: Gute imkerliche Praxis
Der komplette Kirchhainer Anfängerkurs "Gute imkerliche Praxis" umfasst 6 ganztätige Termine und kostet für hessische Imker 150 Euro, für alle anderen Imker 210 Euro. Die Kurstermine finden von Februar bis November etwa einmal pro Monat statt. Bis auf den ersten Kurstermin haben alle Termine einen Theorieteil und einen Praxisteil. Geleitet werden die Kurse von dem Mitarbeitern des Instituts, die sich je nach Themenblock abwechseln. Der Kursverlauf ist gut durchgeplant und angenehm. Man merkt, dass die Planung der einzelnen Kursbestandteile durchdacht wurde. Angenehm ist, dass es die gesamten Kursunterlagen im Internet zum Download gibt. Auch für all jene, die nicht im Kurs sein können, mögen daher die unten aufgeführten Links interessant sein.

Inhalte des Kurses "Gute imkerliche Praxis" III
Der dritte Kurstag im April drehte sich um die Arbeiten im Frühjahr, erste Maßnahmen zur Varroakontrolle und den Trachtbeginn. Hauptsächlich ging es in diesem Kurs einmal um die Bienenweide und zum anderen um die Varroamilbe – gerade bezogen auf die Varroa ist Vorsorge besser als später das Nachsehen zu haben.

Bienen unterstützen – Bienenweide fördern
Bienen leisten einen enormen Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen (1). Von ihnen sind daher nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch viele Wildtiere abhängig, die sich etwa von Beeren und dergleichen ernähren abhängig. Bienen ernähren sich von Nektar und Pollen, beides finden sie auf Pflanzen (2). Dem Nektar ähnlich ist der Honigtau, den Bienen von Lachniden und Lecanien, also Läusen, ernten (2a, 2b). Der von Läusen erzeugte Honig wird auch Waldhonig (2c) bezeichnet, da viele Läuse Nadelbäume besiedeln. Eine ausreichende Pollenversorgung der Bienen ist unbedingt nötig, da sonst Brutpflege und Ernährung der jungen Bienen nicht optimal gewährleistet sind. Unter Pollenmangel erzogenen Bienen sind wesentlich in ihrer späteren Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
Imker sind daher gut beraten einen Standort mit guter Pollenversorgung zu wählen, oder selbst zur Verbesserung der Bienenweide beizutragen. Dazu sollte man die wichtigsten Trachtpflanzen und deren Trachtzeiten kennen (3, 3a). Man kann selbst Trachtpflanzen vermehren, etwa durch Stecklingsbildung (4) oder durch das Ausbringen spezieller Saatmischungen zur Bienenweide (5a, 5b).

Bienen unterstützen – Varroa bekämpfen
Das Hauptproblem der Imkerei ist sicherlich die Varroamilbe. Sie beschäftigt den Imker das ganze Jahr (6). Sie wurde in den 1980er Jahren aus Asien nach Europa eingeführt und hat sich seitdem weltweit verbreitet. Ursprünglich besiedelte die Varroamilbe die östliche Bienenrasse Apis cerana, welche mit dem Parasiten gut zurecht kommt. Im Verlauf wechselte jedoch eine kleine Population den Wirt und besiedelte in Folge auch Populationen der Apis mellifera (7). Durch die längeren Brutphasen und fehlende Abwehrmechanismen ist Apis mellifera der Varroamilbe nicht gewachsen. Daher ist es nötig ganzjährig Maßnahmen zu ergreifen, die der Varroavermehrung einen Riegel vorschieben.
Effektive Varroabekämpfung setzt ein Grundverständnis der Biologie der Varroamilbe voraus. Die Varroamilbe ist ein Brutparasit, der vor allem die Brut aber auch erwachsene Bienen befällt. Einmal in der Brut kann sich die Varroamilbe in Arbeiterinnenbrut bis zu 1-2x und in Drohnebrut 2-3x vermehren (8). Der Lebens- und Vermehrungszyklus ist dabei auf den Brutrhythmus der Bienen abgestimmt. Solange keine Brut vorhanden ist, sitzen die Milben auf den Bienen und ernähren sich von deren Hämolymphe. Sobald die Brut vor der Verdeckelung steht, wandern die Milben von den Bienen ab und lassen sich in den Brutzellen einschließen. Nach Verpuppung der Biene beginnt dann der Vermehrungszyklus der Milben, bei der die Muttermilbe zuerst ein Männchen produziert, mit dem sie dann in Folge mehrere Töchter erzeugt. Je nach Verdeckelungsdauer entstehen so bis zu 3 weitere Milben (9).
Da während der Trachtzeit keine chemischen Behandlungen der Bienenvölker erlaubt sind, können biotechnische Maßnahmen eingesetzt werden. In Kirchhain werden dazu in jedem Volk in der oberen Brutzarge zwei Drohnenbaurahmen eingesetzt, die wechselweise ausgeschnitten werden. Nach dem Einhängen erfolgt der Ausbau der Wabe und die Verdeckelung der Drohnenbrut nach frühestens 12 bis spätestens 24 Tagen – in diesem Abstand sollte man die Brut also ausschneiden. Durch drei- bis viermaliges Drohnenbrutscheiden lässt sich der Milbendruck im Sommer um 30 bis 50% senken, nebenher kann man bestes Bauwachs gewinnen. Wichtig ist es, die Drohnenbrut nicht auslaufen zu lassen, da sich jede im Frühjahr auskommende Milbe bis zum Winter hin exponential vervielfacht. Zwar mag die Anzahl der Milben in den ersten ausgeschnittenen Baurahmen noch recht gering sein, aber bereits die Herausnahme der wenigen Milben hat einen großen Effekt für die Verringerung der Milben zum Sommer hin.
Neben dem Drohnenbrutscheiden werden in Kirchhain weitere biotechnische Maßnahmen eingesetzt, die in späteren Kursteilen erläutert werden. Einen detaillierten Einblick in Vermehrung und Bekämpfung der Varroa geben die Broschüre „Varroa unter Kontrolle“ (10) und das Buch „Varroose - erkennen und erfolgreich behandeln“ (11)

Bienen unterstützen – Raum geben
Als letzte Aufgabe steht zu Trachtbeginn eine erneute Durchschau und die Erweiterung der Bienenvölker an (12). die Bienenvölker werden nochmals auf Weiselrichtigkeit, vorhandene Brut sowie Futtervorräte kontrolliert. Mit Beginn der ersten Massentrachten gilt es noch vorhandene volle Futterwaben zu entfernen, um eine Vermischung von Winterfutter mit neu eingetragenem Honig zu vermeiden. Je nach Entwicklungsstand der Völker kann auch nach ersten Anzeichen der Schwarmstimmung gesucht werden, etwa angesetzten Weiselnäpfen. Die Kontrolle der vorhandenen Brut ist insofern wichtig, da aus jeder verdeckelten Brutwabe Bienen schlüpfen, die anschließend etwa drei Wabengassen belegen. Gerade im Frühjahr wird es so im Bienenvolk schnell eng. Gut entwickelte, einräumige Völker erhalten daher nach der Durchschau eine zweite Brutzarge mit Drohnenbaurahmen und Mittelwänden. Zur besseren Annahme der zweiten Zarge können in der Mitte der Zarge drei bereits ausgebaute Waben, idealerweise aus dem Honigraum des letzten Jahres, eingesetzt werden. Starke zweiräumige Völker werden durch die Gabe von Drohnenbaurahmen sowie gegebenenfalls Mittelwänden im Bereich der Brutzargen erweitert. Ihnen wird zudem die Honigzarge aufgesetzt. Diese ist meist nur mit Mittelwänden bestückt. Besser angenommen wird sie, wenn in der Mitte der Zarge drei bereits ausgebaute, unbebrütete Waben eingesetzt sind. Sinnvoll ist es zwischen Brutraum und Honigraum ein Absperrgitter einzusetzen (13,14). Durch das Absperrgitter wird die Königin daran gehindert in den Honigraum zu gelangen und dort Eier zu legen. Die Bienen nehmen das Absperrgitter problemlos an und es konnte bisher keine Beeinträchtigung der Volksentwicklung durch das Gitter beobachtet werden. Zu den vielen Vorteilen eines Absperrgitters gehört, dass es eine einfache Honigernte ermöglicht, indem der Honigraum brutfrei bleibt: dass der Einsatz einer Bienenflucht möglich wird; dass die Völkerführung und Schwarmkontrolle vereinfacht werden und dass die unbebrüteten Honigwaben bei der Lagerung kaum Wachsmotten anziehen.

Das angelernte Wissen konnte die Kursgruppe dann am Lehrbienenstand selbst erproben. Anders als die letzten Male war der Kirchhainer Wettergott dem Kurs diesmal weniger wohl gesonnen. Erstaunlich war, mit welcher Ruhe die Kirchhainer Bienen das Herumgewurschtel der Imkeranfänger und die kalten Temperaturen ertrugen: Waben richtig entnehmen und einsetzen, Bienen abschütteln und abkehren ist doch nicht so leicht wie gedacht. Immerhin gab es zur Entlohnung auch eine Kostprobe des ersten Honigs, den die Bienen mangels Platz im Wildbau zwischen den Zargen eingelagert hatten und der bei Durchschau entnommen wurde.

Wer sich für genauere Inhalte interessiert, für den habe ich unten die Links zu den sehr schön gestalteten Arbeitsblättern zusammengestellt - quasi als virtueller Onlinekurs für all jene, die nicht das Glück hatten, teilnehmen zu können. Aber 2012 ist auch noch ein Jahr

Linkliste
(1) Bienen und Bestäubung [www.llh-hessen.de]
(2) Bienenernährung [www.llh-hessen.de]
(2a) Entwicklung von Lecanien [www.llh-hessen.de]
(2b) Honigtaubildung [www.llh-hessen.de]
(2c) Waldtracht erkennen [www.llh-hessen.de]
(3) Trachtpflanzen [www.llh-hessen.de]
(3a) Bienenweide [www.llh-hessen.de]
(4) Trachtpflanzen vermehren [www.llh-hessen.de]
(5) Saatmischungen [www.llh-hessen.de]
(5a) Saatmischungen kaufen [www.llh-hessen.de]

(6)Maßnahmen im Jahresverlauf [www.llh-hessen.de]
(7) Dissertation zum Genotyp der europäischen Varroamilben [edoc.ub.uni-muenchen.de]
(8) Entwicklung der Varroamilbe I [www.llh-hessen.de]
(9) Entwicklung der Varroamilbe II [www.llh-hessen.de]
(10) Varroa unter Kontrolle [www.diebiene.de]
(11) Pohl, F. (2008): Varroose - erkennen und erfolgreich behandeln. Kosmos.

(12) Erweiterung im Frühjahr [www.llh-hessen.de]
(13) Absperrgitter I [www.llh-hessen.de]
(14) Absperrgitter II [www.llh-hessen.de]

Die gesamten Arbeitsblätter findet man in der Übersicht hier:
[www.llh-hessen.de]
offline

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim

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Kommentare

03.05.2011 19:15 Jantje
Tolle Beiträge von dir zum Kurs.
Etwas überraschend komme ich gerade zur Imkerei und verfolge deine Berichte mit großem Interesse.
Zusammen mit der tollen Verlinkung sind sie Gold wert für mich.

Einzig die grosse Ungewissheit ob der nächste Kurs / Artikel bald erscheint quält mich

Vielen Dank für deine Mühen
Jantje
03.05.2011 19:58 Austeja
Jantje schrieb:

Einzig die grosse Ungewissheit ob der nächste Kurs / Artikel bald erscheint quält mich

Vielen Dank für deine Mühen

Jantje


Wenn der nächste Kurs war (Mitte Mai) und mich die Doktorarbeit lässt, dann wieder. Ende Juli hab ich sie hoffentlich fertig, dann hab ich wieder Zeit für alles mögliche

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