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Das Honigschwein
518 mal angesehen
08.10.2007, 11.15 Uhr

Das Honigschwein

Nun aber zur Geschichte vom Honigschwein.
(Zu Maryan Alber siehe nächsten Blogeintrag)
Maryan Alber erzählt:

„Auf der Insel Lipari habe ich mehrere Stände reiner Carnica-Rasse. Einer davon befand sich in einem Hinterhof mit einigen Orangen- und Feigenbäumen, und trotz der grauenhaften Unordnung wäre es den Bienchen nicht so schlecht gegangen, solange sie mehr oder weniger allein dort hausten.

Eines Morgens begrüßte mich mit vergnügtem Quieken und Grunzen ein pralles, weißes Ferkel und betrachtete mich verschmitzt mit seinen kleinen Schweinsäuglein; eines war blau und das andere war braun. Ich musste es wegjagen, weil es vor lauter Zudringlichkeit schon an meinen Schuhen nagte.
Ich arbeitete an meinen Bienen und da fiel, wie immer in der Schwarmzeit, das eine oder andere Stückchen verdeckelte Drohnenwabe an, die auszuschmelzen bekanntlich nicht lohnt. Ich warf sie fort zu all dem Unrat des Grundeigentümers – und schon war das Ferkelchen dort und schmatzte und leckte sich genießerisch. Dies war mein erster grober Fehler, denn damit lehrte ich das liebe Tierchen diese Leckerbissen schätzen; klebte irgendwo noch ein wenig Honig an den Waben, dann reizte dies besonders seine Lüsternheit. Es kam mit nickendem Ringelschwänzchen zu mir und knabberte wieder zärtlich an meinen Schuhen. Gib noch, gib!

Und das Ferkel wuchs und wurde bald ein mächtiges Schwein, dessen Hunger nicht mehr zu stillen war. Längst hatte es gelernt, sich die begehrten Leckerbissen selbst zu verschaffen. Zweimal hatte es aufgestapelte Honigräume umgekippt und die schweren Vorrats-Honigwaben gefressen samt Wachs und Drähten. Zum Glück herrschte gutes Wetter und die Bienen litten keine Not. Ich verzieh, bat aber den Besitzer dringend, das Tier zu verwahren. Ich wollte gerne Pfähle, Stacheldraht und Nägel kaufen. Es half nichts und bald hatte das Schwein einen halben Zentner Honig verdrückt. Der Herr des Missetäters lachte mich aus und ich wollte ihn selbst sehen lassen, wie es zuging. Wir standen hinter der Trockenmauer und lugten durch ein Loch zwischen den Steinen. Das Schwein hatte sich schlafend gestellt, bis wir verschwunden waren; dann erhob es sich und ging seelenruhig auf den Kistenstapel mit den Honigwaben los; es stemmte sich gegen den Turm, stieß mit dem Rüssel und gab erst auf, als zunächst nichts zu erreichen war.

Aber eines Tages hatte ich kaum den Dampfer verlassen, da kamen sie schon von allen Seiten auf mich zu und sagten: „Das Schwein ist tot, das einzige Schwein auf der ganzen Insel. Sie sind daran schuld mit ihrem Honig; der Tierarzt hat es aufgeschlitzt und mehr als 30 kg Honig und Wachs, Draht und Holzsplitter gefunden.“
An Ort und Stelle sah ich, dass die Leute nicht einmal gar so übermäßig übertrieben hatten. Der einzige Trost war in all der Verheerung, dass es nun Schluss war für immer, nachdem das Schwein sich an meinem Honig tot gefressen hatte.“

So endet Maryan Albers Geschichte aus dem Jahr 1954. Heute hat bei uns wohl niemand mehr ein Hausschwein in seinem Garten, das den Honig der Bienen rauben könnte. Wohlstand und EU-Regeln haben dies erübrigt, und wir kaufen lieber gleich direkt unsere Schnitzel. Allerdings stammen sie dann nicht aus einer „Honigmast“.

Quelle: Deutsche Bienenwirtschaft, Jg.1954, S. 111f. und S. 188ff.

Foto: Gianni Berengo Gardin, Italiani, Milano 1999


offline

Geschrieben von

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Kommentare

08.10.2007 20:31 Bienenhaus
Bienenfreund, das ist sehr interessant.

Grüße

Dieter
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