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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Rolf van Melis / pixelio.de
87 mal angesehen
26.04.2011, 21.25 Uhr

Leben ohne Plastik

Letztes Jahr hatte ich den Film „Plastic Planet“ vorgestellt, der die Probleme, die die massenhafte Produktion, Verwendung und „Entsorgung“ von Plastik mit sich bringt. Es ging unter anderem darum, wie Stoffe aus dem Plastik bis in unser Blut vordringen und uns krank machen können und wie riesige Müllstrudel in den Meeren die Tiere vergiften. Wer noch mal nachlesen will: [www.landlive.de]

Die Krautwaschls
In eben diesem Blogeintrag hatte ich auch schon ganz kurz Familie Krautwaschl aus Österreich vorgestellt. Nachdem sie den Film gesehen hatten, machten sie es sich zur Aufgabe, einen Monat lang ohne Plastik zu leben. Die vielen Schwierigkeiten, die damit verbunden waren, kann man auf ihrer Internetseite nachlesen. [www.keinheimfuerplastik.at]
Allein alle gewünschten Lebensmittel ohne Plastikverpackung zu kaufen war schon nicht so einfach, entsprechende Läden mussten erst einmal ausfindig gemacht werden. Weiter ging es mit Hygiene- und Putzartikeln, Zahnbürsten. Es gab viele „Problemfälle“ wie Klopapier oder Zahnpasta, die erst nach langem Suchen gelöst werden konnten.

Inzwischen haben sie das Plastik seit über einem Jahr verbannt und auf ihrer Internetseite schon viele tolle Alltagstipps zusammengesammelt. Weiterhin haben die Krautwascherls mitgeholfen, die Produktdatenbank [www.plastikfrei.at] zu erstellen. Hier sind plastikfreie bzw. plastikarme Produkte aufgeführt. Die Datenbank wird beständig erweitert und man kann auch selbst entsprechende Produkte eintragen!

Im Moment setzen sich die Krautwascherls noch dafür ein, dass Plastiktüten in Österreich verboten werden. Inzwischen sind sie nämlich schon in einigen Ländern verboten, darunter Italien, Frankreich, einige Großstädte in Kalifornien und Südafrika. Wenn man genau drüber nachdenkt ist es auch unfassbar, wie viele Rohstoffe für die Beutel verwendet werden, die in den meisten Fällen sofort im Müll landen.

Die Websters
Zum selben Thema gibt es noch den wirklich netten Film „Recipes for Disaster“ / „Anleitung zur Katastrophe“. Es geht darum, wie eine vierköpfige Familie in Finnland versucht, ein Jahr möglichst wenig Öl zu verbrauchen bzw. ihren CO2-Ausstoss drastisch zu senken – wozu ja auch der Plastikkonsum gehört. Den Anstoß zu diesem Film gibt der Vater und Dokumentarfilmer John Webster. Er macht sich Sorgen um die Zukunft seiner Kinder und möchte aktiv dazu beitragen, die Katastrophe abzuwenden, auf die wir unaufhaltsam zusteuern.

Und dann geht das Abenteuer los. Das Auto muss ab sofort stehen bleiben. Nur noch per Bus oder per Fahrrad geht es in die Schule und auf Arbeit. Der normale Einkauf wird wie bei den Krautwascherls zum anstrengenden Spießroutenlauf. Zahnpasta wird ab sofort selbst gemacht, aus Natron, Salz und Pfefferminze – wohl ein sehr spezielles Geschmackserlebnis…. Geheizt wird mit einem Heizstrahler und Ökostrom. Zum Ferienhäuschen auf einer kleinen Insel wird nun auch kein Motorboot mehr benutzt. Dafür darf Papa jetzt ein paar Stunden lang rudern.

Es macht sehr viel Spaß der Familie zuzusehen, weil sie sympathisch ist – vor allem die beiden Söhne sind absolut knuffig. Aber das Experiment bringt mit seinem Aufwand – und durchaus auch, weil die Familie oft komisch angeschaut wird - die Beziehung der Eltern an ihre Grenzen. Ich selbst fand den Film sehr kurzweilig und unterhaltsam. Vielleicht wird er ja bei Gelegenheit mal wiederholt (ich hoffe es!). [www.sueddeutsche.de]

Foto: Rolf van Melis / pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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Kommentare

27.04.2011 11:43 pflugfurche1
Was die Familie da macht ist ein Bekämpfen der Symptome, und nicht der Ursache(Typisch für unsere Gesellschaft).

Ähnlich wie sich viele Leute beim Co2 Einsparen selber in die Tasche lügen das es nur so rauscht. Viele behaupten wie umweltfreundlich sie doch leben, aber kaufen sich dennoch alle 2 Jahre neue Autos, heizen ihre Wohnung im Winter ohne Ende und denken garnicht dran den üblichen Lebensstil aufzugeben.

Wirklich nachhaltig Leben, z.b. Allgemein seine Dinge ewig lang verwenden, sein Auto wegzugeben etc. pp. tut dann eh keiner.
27.04.2011 15:33 kruemel
Du kannst gern deine Meinung haben. Aber mir sind Menschen, die wenigstens versuchen was zu ändern - auch wenn es nur in kleinen Schritten ist - allemal lieber, als die die von vornherein sagen, dass eh keine Aktion genug bringt.

Mal abgesehen, dass die beiden Familien, die ich hier vorgestellt habe, mit ihrem Lebensstil schon viele Grenzen der Bequemlichkeit überschritten haben, in deren Nähe die meisten von uns noch nicht mal kommen. Ich weiß nicht, wie genau du dir die Quellen angeschaut hast, aber ich finde sehr wohl, dass beide Familien ihren Lebensstil bereits stark verändert und eingeschränkt haben. Insofern halte ich sie absolut für ein Vorbild.

Klar kann man es immer noch besser machen (Leben wie vor 100 Jahren?). Aber irgendwo muss man doch mal anfangen...

Vielleicht bin ich naiv, aber das ist mir herzlich egal.
28.04.2011 00:15 pflugfurche1
Sorry, aber was sollen solche Aktionen denn auf den globalen Kunststoff/ölkonsum für Auswirkungen gemacht? DAS ist genau das, was ich mit Bekämpfen der Symptome statt der Ursachen meine. Statt z.b. Umweltverträgliche Kunststoffe aus polymerisierter Stärke o. Zellulose (nur als Beispiel) weiterzuentwickeln bzw. zu entwickeln, wird ein enormer Aufwand dahinein gesteckt solche Aktionen durchzuziehen die m.e. niemanden etwas nützen.

Du surfst wohl gerade mit deinem stromverbrauchenden, mit Massen von Kunststoff und Recourcen hergestellten PC (~240 Liter Erdöl für einen PC soweit ich weiß) der nen langen Transportweg von seinem Herstellungsort hinter sich hat, und regst dich über all die schlimmen Leute auf die die Umwelt verschmutzen.
28.04.2011 00:20 pflugfurche1
Nicht das du mich falsch verstehst, ich hab nix gegen Umweltschutz, ganz im Gegenteil ist es ne wichtige Angelegenheit. Aber diese sich selbst Anlügerei bzw dieser Pseudo-Umweltschutz der nicht an den wirklichen Ursachen angreift und oft sogar kontraproduktiv ist nervt mich ungemein.
28.04.2011 08:27 kruemel
Ich geb dir vollkommen recht, es wäre besser umweltverträgliche Kunststoffe herzustellen. Nur kann ich als "Normalsterblicher" da leider nix ändern oder erfinden.

Bis dahin kann man doch den Konsum von normalem Plastik reduzieren, damit die Nachfrage danach sinkt. Es geht ja wahrlich nicht nur um Autos oder Computer - die sich für die meisten eher schwierig ersetzen lassen. Sondern halt um Wegwerf-Einkaufstüten, Joghurtbecher oder Trinkflaschen und ähnliches. Schau dich doch mal im Alltag um. Das summiert sich ganz erheblich und da kann man ohne größeren Aufwand ansetzen.

Wie schon gesagt: Irgendwo muss man anfangen. Ich kann nicht sehen, wo das kontraproduktiv ist, auf Pflandflaschen umzusteigen, Fahrrahd zu fahren oder Plastikbeutel komplett wegzulassen. Klar sind das nur kleine Schritte, die nicht die Erde retten werden. Da gibt's überhaupt nix zu diskutieren. Aber mit kleinen Schritten fängt es nun mal an. Die wenigsten Menschen verändern ihr Leben gern von jetzt auf gleich.

Aber wenn ich in meinem Umfeld sehe, wie viele inzwischen auf Ökostrom achen, eben nicht jedes Jahr ein neues Handy brauchen (sondern ihr altes inzwischen jahrelang mit sich rumschleppen), die inzwischen einen eigenen Garten haben oder eben sogar ihr Auto verkauft haben (was bis vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre), dann sehe ich, dass sich sehr wohl was ändert.

Es gibt immer welche, die übers Ziel hinausschießen und sich selbst belügen. Gerade in den Medien findet man solche Beispiele oft. Aber trotzdem finde ich, dass die Richtung stimmt, wenn das Bewusstsein für genau diese Themen wächst.
28.04.2011 09:25 kruemel
Aber eh das hier weiter ausartet: Lieber Halerebeck: ich dank dir auf jeden Fall für deinen Kommentar. Ich kann deine Meinung und deinen Frust durchaus nachvollziehen. Und ich sage auch gar nicht, dass du falsch liegst.

Ich habe aber dennoch eine andere Herangehensweise zu dem Thema, mit der ich persönlich sehr viel besser leben kann.

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