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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de
115 mal angesehen
18.05.2011, 18.59 Uhr

Bauchentscheidungen, die besseren Entscheidungen?

Irgendwie stehen wir ja alle ständig vor Entscheidungen. Das beginnt bei kleinen Dingen wie der täglichen Kleiderwahl und endet bei den ganz großen lebensverändernden Entscheidungen. Im Alltag treffen wir oft unbewusst Entscheidungen aus dem Bauch heraus, weil es einfach schneller geht und eventuelle Konsequenzen da meistens nicht so gravierend sind. Bei den wirklich wichtigen Angelegenheiten vertrauen wir jedoch eher auf unseren Kopf, auf analytisches Abwägen von Vor- und Nachteilen. Am besten noch 3 Mal drüber Schlafen, noch mehr Informationen einholen und mit verschiedenen Leuten drüber sprechen. Naja, zumindest geh ich meistens so vor, ich weiß ja nicht, ob ihr es vielleicht anders haltet *lacht*.

Genau zu diesem Thema ist mir vor kurzem ein sehr interessantes Buch in die Hände gefallen. Und zwar „Bauchentscheidungen“ vom Gerd Gigerenzer. Dieser meint nämlich, dass unser Geist nicht wie eine Rechenmaschine funktioniert (auch wenn wir das gern hätten) und auch die aufgestellten Vor- und Nachteile bei einer Entscheidung sind oft mehr oder minder subjektiv und alles andere als präzise.

In seinem Buch wird nun also die kühne Behauptung aufgestellt, dass schnelle Bauchentscheidungen mit wenigen Informationen zu besseren Ergebnissen führen als lange und ausführliche Analysen. Also ich hab da schon erst mal geschluckt, als ich das gehört hatte. Aber die Resultate seiner Untersuchungen waren wirklich beeindruckend.

Und wie funktioniert eine Bauchentscheidung also? Ganz einfach: nimm das wichtigste Kriterium und entscheide. Damit ist man eigentlich schon fertig! Gibt es einen Gleichstand zwischen den Alternativen, nimm einfach das zweitwichtigste Kriterium und wähle wieder, danach das drittwichtigste usw... Man nennt das auch „Take-the-best-Strategie“. Klingt fast zu simpel um wirklich gut zu funktionieren, oder?

Bei Studien, wo Studenten Ergebnisse von Footballspielen vorhersagen sollten, lagen sie mit dieser Strategie zu immerhin 78% richtig. Bei weiteren Studien, wo mit diesem Verfahren Vorhersagen zu 20 Problemkreisen gemacht werden sollte kam man immerhin auf 71%. Eine komplizierte statistische Analyse zu genau denselben Problemen, bei der sehr viele Kriterien einberechnet wurden, kam übrigens „nur“ auf 68%.

Wichtig ist auf jeden Fall, sich nur auf die allerwichtigsten Kriterien zu beschränken und diese hierarchisch abzuarbeiten. Viele Informationen verbessern auf keinen Fall die Resultate, eher im Gegenteil. Also im Endeffekt heißt es, Informationen auch bewusst zu ignorieren.

Übrigens sollen die so genannten „Maximierer“, also diejenigen, die alles ganz genau und mit vielen Informationen abwägen, mit ihren Entscheidungen unzufriedener als sein als die „Bauchentscheider“. Selbst wenn sie richtig gelegen haben! Der Grund: sie kennen die Alternativen zu gut bzw. haben diese für ihren Geschmack nicht genau genug untersucht. Deshalb haben sie immer das Gefühl, dass sie sich vielleicht doch anders hätten entscheiden sollen.

Ich weiß nicht, ob ich das so direkt bei den wirklich wichtigen Entscheidungen anwenden könnte. Irgendwas würde sich wohl sträuben, nachdem man es jahrelang anders gehalten hat. Aber bei nicht ganz so wichtigen Angelegenheiten wäre es sicherlich mal einen Versuch wert – zumal es so klingt, als würde man sich damit viel Zeit und Nerven sparen *grins*.

[www.weltwoche.ch]
[ralfschwartz.typepad.com]
[content.stuttgarter-zeitung.de]

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

18.05.2011 19:17 Echinacea83
Die Erfahrungen haben es mich gelehrt: man sollte viel öfter auf den Bauch hören.
Im Nachhinein hat sich so manche Kopfentscheidung als nicht richtig erwiesen.
Wobei ich der Meinung bin, dass man nicht jede Entscheidung dem Bauch überlassen sollte.
Abwägungen sind immer gut, gerade, wenn es zum Beispiel um Geld, eine neue Arbeitsstelle oder dergleichen geht, also alles, was unsere Zukunft, materiell gesehen, beeinflussen kann.
19.05.2011 09:19 merlincurry
Gerade bei Geld ist der Bauch ganz wichtig. Vor ca 15 jahren hatte ich die Idee mir Aktien von "sohu.com" (chinesische Suchmaschine) zu kaufen. Ein "Experte" machte deutlich, das ich wohl ein bischen doof sei, das kann man nicht kaufen ! Damals standen sie bei ca 80-90 ct ......heute bei über 70 €
heul, aber heute höre ich auf keinen Experten mehr !
19.05.2011 10:28 Paradiesgarten

Ein super interessantes Thema !
19.05.2011 18:30 thunderstruck
Ich bin überzeugter "Bauchentscheider", allerdings bin ich überhaupt ein "guter" Entscheider. Rumeiern ist mir zuwider und wäre meinem Betriebserfolg auch recht abträglich. Also treffe ich lieber eine schnelle Bauchentscheidung als überhaupt keine und nehme das Risiko einer Fehlentscheidung in Kauf. Bei einer schnellen Bauchentscheidung liegt die Chance, daß sie richtig ist, bei 50%. Kann ich mich gar nicht entscheiden, mache ich zu 100% einen Fehler. Frei nach dem Motto: "Eine schlechte Entscheidung ist besser als gar keine". Analysieren liegt mir ohnehin nicht, also wäre in meinem Fall jede Kopfentscheidung sowieso eine Farce, nur daß sie länger dauert als eine Bauchentscheidung.
19.05.2011 19:19 Leanne
thunderstruck schrieb:
Ich bin überzeugter "Bauchentscheider", allerdings bin ich überhaupt ein "guter" Entscheider. Rumeiern ist mir zuwider und wäre meinem Betriebserfolg auch recht abträglich. Also treffe ich lieber eine schnelle Bauchentscheidung als überhaupt keine und nehme das Risiko einer Fehlentscheidung in Kauf. Bei einer schnellen Bauchentscheidung liegt die Chance, daß sie richtig ist, bei 50%. Kann ich mich gar nicht entscheiden, mache ich zu 100% einen Fehler. Frei nach dem Motto: "Eine schlechte Entscheidung ist besser als gar keine". Analysieren liegt mir ohnehin nicht, also wäre in meinem Fall jede Kopfentscheidung sowieso eine Farce, nur daß sie länger dauert als eine Bauchentscheidung.


... hierzu sagt mir mein Bauch, dass dies ein sehr gutes Entscheidungsprinzip ist. Erfahrungen haben Dich sicherlich viel gelehrt.
20.05.2011 12:08 gingko77
Mein Bauch sagt nie etwas --
aber manchmal knurrt er, wenn er hungrig ist.
LG
20.05.2011 14:00 Leanne
gingko77 schrieb:
Mein Bauch sagt nie etwas --

aber manchmal knurrt er, wenn er hungrig ist.

LG

Verbindungsproblem?
Vielleicht liegst an der Kommandozentrale... LG
20.05.2011 16:40 gingko77
Tja, ich glaube die Verbindung zwischen meinem Bauch und meinem Sprachzentrum im präfrontalem Cortex ist leicht gestört.
Aber dafür schickt mir der Hypothalamus verstärkte Hungersignale.
Wenn ich die nur abschalten könnte, wäre es bestimmt auch leichter mit dem Abnehmen.
LG
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