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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Spielnäpfchen Drohnen auf Tuchfühlung Spielnäpfchen
713 mal angesehen
24.05.2011, 23.35 Uhr

Anfängerkurs IV: Schwarmzeit = Vermehrungszeit

Im Zentrum des vierten Kurses der Veranstaltung „Gute imkerliche Praxis“ standen die Arbeiten, die zum Entwicklungshöhepunkt des Bienenvolkes anfallen: Schwärme, Ableger und erste Varroabekämpfungsmaßnahmen. Hier ein Bericht über die Kursinhalte.

Anfängerkurs: Gute imkerliche Praxis
Der komplette Kirchhainer Anfängerkurs "Gute imkerliche Praxis" umfasst 6 ganztätige Termine und kostet für hessische Imker 150 Euro, für alle anderen Imker - auch für mich armen Bayern - 210 Euro. Die Kurstermine finden von Februar bis November etwa einmal pro Monat statt. Bis auf den ersten Kurstermin haben alle Termine einen Theorieteil und einen Praxisteil. Geleitet werden die Kurse von dem Mitarbeitern des Instituts, die sich je nach Themenblock abwechseln. Der Kursverlauf ist gut durchgeplant und angenehm. Man merkt, dass die Planung der einzelnen Kursbestandteile durchdacht wurde. Angenehm ist, dass es die gesamten Kursunterlagen im Internet zum Download gibt. Auch für all jene, die nicht im Kurs sein können, mögen daher die unten aufgeführten Links interessant sein.

Inhalte des Kurses "Gute imkerliche Praxis" III
Der vierte Kurstag im Mai drehte sich um die Arbeiten zu Beginn des Sommers: Was tun mit starken Völkern, mit Schwarmlust und Schwärmen und wie macht man eigentlich Ableger und betreibt sinnvolle Bestandserneuerung. Apropos Bestandserneuerung, ging es auch um vorsorgliche biotechnische Varroabekämpfung, damit man seinen Bestand im nächsten Jahr nicht zwangserneuern muss. Mit der Varroa macht man also im Mai genau das Gegenteil von dem, was man mit den Bienen macht: Ausrotten und Aufbauen, klingt fair

Varroapopulation ausrotten
Die steigende Entwicklung im Bienenvolk führt im späten Frühjahr zum massiven Anstieg der Varroapopulation. Während die Folgen der Schädigung durch Varroa vorerst kaum zu erkennen sind, macht sich spätestens im Sommer die verherende Wirkung des Schädlings bereit: Die als Brut geschädigten Bienen sind wesentlich weniger widerstandsfähig als unbeschädigt aufgewachsenene Bienen. Sie haben eine kürzere Lebenserwartung, teils eingeschränkte Sinnesfähigkeiten und sind anfälliger für Viroosen. Auch wenn die Bienen also außen noch paletti aussehen, kann es um die Volksgesundheit schon schlecht bestellt sein. In späteren Befallsphasen finden sich dann auch verkrüppelte Bienen und die Folgen um sich greifender Virusinfektionen sind deutlich sichtbar. Oft ist es dann aber für das Volk schon zu spät.
Um nicht schon im Sommer starke Varroaprobleme zu haben, empfiehlt es sich frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Am einfachsten zu managen ist sicherlich das Ausschneiden von Drohnenbrut. Mehrfach angewendet senkt es die Varroapopulation bis zum Sommer um die 30%, teils auch mehr. Wichtig ist es Drohnenbrut frühzeitig auszuschneiden, da sich die Population exponential vermehrt: Jede früh entfernte Varroa bedeutet im Sommer einen ganzen Stamm von Varroen weniger im Volk. In Krichhain arbeitet man dazu in 10er Zandermagazinen mit zwei versetzt auszuschneidenden Drohnenbrutrahmen. Ausgeschnitten wird, sobald die meiste Brut verdeckelt ist (1).
Weitere Maßnahmen der Varroabekämpfung sind das Forcieren von Brutpausen, Brutentnahmen - etwa durch die Nutzung von Fangwaben -, aber auch die Ablegerbildung (2).

Bienenpopulation aufbauen - Schwärme
Im Mai befindet sich das Bienenvolk am Entwicklungshöhepunkt und für den Imker geht es dementsprechend rund. Schwarmzeit ist Vermehrungszeit, nicht nur aus Sicht der Bienen. Schwarmauslösende Faktoren sind Raumenge in der Beute oder durch zu hohen Honigeintrag und Einschränkung des Brutnestes; ein Abschwächen des Kontakts zwischen Arbeiterinnen und Königin, etwa durch eine zu alte und nur noch wenig Königinnensubstanz abgebende Königin oder durch eine starke Ausdünnung der Königinnensubstanz im übergroß gewordenen Volk; Behinderungen des Sammel-, Brut- und Bautriebes etwa durch Schlechtwetterperioden (3).
In diesen Situationen beginnen die Bienen mit Schwarmvorbereitungen. Sie legen Schwarmzellen an, die man daran erkennt, dass sie am unteren Rand der Rähmchen in großer Anzahl gebaut werden. Anders ist das bei stiller Umweiselung oder Nachschaffungszellen: Diese liegen meist mitten auf den Waben und sind nur in kleiner Stückzahl vorhanden. Sind aus den urprünglichen Spielnäpfchen bereits weiter ausgebaute Zellen geworden, in denen Futtersaft und Maden zu erkennen sind, wird es für den Imker brennzlig: schwarmverhinderungsmaßnahmen sind angesagt. Schwarmtriebige Völker erkennt man am abnehmenden Bautrieb, gerade der Drohnenbaurahmen wird nicht mehr ausgebaut und am abnehmenden Flugbetrieb. Beim Blick ins schwarmlustige Volk fallen dann auch die in grossen Massierungen faul herumsitzenden Bienen im unteren, oft inneren Teil der Bienenbehausung auf: Sie warten am Flugloch, um nicht den Schwarmabgang zu verpassen. Auch die Königin wird ausgehungert, um wieder Fluggewicht zu erreichen (4).
Insgesamt gibt es verschiedene Schwarmarten. Der erste Schwarm nennt sich Vorschwarm. Mit ihm verlässt die alte Königin und bis zur Hälfte des Bienenvolkes den Stock. Danach können mehrere Nachschwärme mit jungen unbegatteten Königinnen und wesentlich kleinerer Bienenmasse folgen. Weitere, eher seltenere, Schwarmarten sind der Singerschwarm, der Heidschwarm und der Hungerschwarm.
Der Schwarmvorgang findet normalerweise bei gutem Wetter über 15 Grad und zwischen 10:00 bis 15:00 statt. Die Bienen verlassen den Stock und sammeln sich zunächst an einem meist schattigen Ort, bevor dann die neue Behausung angezielt wird. Beim Verfolgen eine Schwarmes sollte man schnell handeln, wenig Gefahren auf sich nehmen und das Schwarmrecht beachten (6).
Wichtig beim Umgang mit Schwärmen ist es den Schwarm am Weiterflug zu hindern. Gut funktioniert das mit einem Druckzerstäuber und Wasser. Besser hat man aber gleich einen Schwarmfangbeutel oder eine Schwarmfangkiste bereit, in die man den Schwarm schüttelt. Einmal eingetütet, wird die Kiste an einem schattigen Standort unweit der Fundstelle umgedreht und ein Flugloch improvisiert - etwa durch Unterlegen zweiter Stöckchen. Dann ist Warten angesagt. Wurde die Königin miteingefangen, so beginnen sich die Bienen im Inneren der Kiste aufzuhängen und zu bauen. Am Flugloch kann man sterzelnde Bienen beobachten, die den noch verbliebenen Freifliegern den Weg weisen. Wie eine Kolonne wandern die restlichen Bienen dann der neuen Behausung zu (3; 5). Der Schwarm ist drin. Man kann ihn nun in eine neue Beute einschlagen und dem abgeschwärmten Volk eine neue Königin lassen. Am besten aber entfernt man die neue Königin, bricht alle Schwar- und Nachschaffungszellen und lässt das Volk dann aus zugegebenen, guten Zuchtstoff eine Königin nachziehen. Man kann den Schwarm auch dem Restvolk zurückgeben - allerdings erst nachdem man dieses von neuen Königinnen und Weiselzellen befreit hat (10).

Bienenpopulation halten - Schwärme verhindern, Ableger bilden
Schwärme lassen sich durch verschiedene Maßnahmen verhindern: Eine junge Königin senkt den Schwarmtrieb außerordentlich, eine frühe Raumgabe und die damit verbundene Beschäftigungstherapie der Bienen durch Bauen und Brüten tut ihr übriges. Das Ersetzen von Brut- und Honigwaben im Bereich des Brutnestes - etwa für die Ablegerbildung (7; 7a; 7b) ist eine wichtige Maßnahme. Das Volk kann auch durch eine Teilung in Brutling- und Flugling oder durch Kunstschwarmbildung (8) geschröpft werden. Trotzdem sollten alle neune Tage regelmäßige Kontrollen nach ersten Schwarmzeichen erfolgen.
Eine relativ sichere Methode den Schwarmtrieb zu bremsen ist die Zwischenablegerbildung (9). Dabei erhält der Zwischenableger alle Flugbienen. Der Ableger mit den Brutbienen und behält die Königin, ist aber ohne Flugbienen. In beiden Volksteilen kommt daher die Schwarmstimmung zum erliegen und man kann das Volk nach geraumer Zeit wieder neu vereinigen und hat die volle Trachtstärke erhalten. Das Ganze erscheint als Kistenstapelei etwas kompliziert - aber hat sicher seinen Nutzen.
Die Jungvolkbildung (7) ist eine andere Maßnahme, die sich als Schwarmverhinderung nutzen lässt. Zur Ablegerbildung werden dazu je nach Jahreszeit und Betriebsweise unterschiedlich viele Brutwaben entnommen und zusammen mit Futterwaben in einen Ableger gegeben. Die Ablegerbildung kann dabei in speziell umgebaute Zargen, Zargen mit schied oder in Ablegerkästen stattfinden. Den Bienen ist es wurscht. Ziel der Jungvolkbildung ist die Aufzucht gesunder uns starker, vitaler Volkseinheiten und dadurch die Verjüngung des Bienenbestandens.

Das angelernte Wissen konnte die Kursgruppe dann bei besten Wetter am Lehrbienenstand selbst erproben. Die zu bearbeitenden Schwärme mussten wir uns allerdings virtuell vorstellen - immerhin konnten wir die Schwarmkontrolle an den Übungsvölkern vornehmen. Neben der Kontrolle ging es zudem ums Aufsetzen der Honigräume sowie die Zwischenablegerbildung.

Wer sich für genauere Inhalte interessiert, für den habe ich unten die Links zu den sehr schön gestalteten Arbeitsblättern zusammengestellt - quasi als virtueller Onlinekurs für all jene, die nicht das Glück hatten, teilnehmen zu können. Aber 2012 ist auch noch ein Jahr

Linkliste
(1) Bekämpfung der Varroatose [www.llh-hessen.de]
(2) Varroa unter Kontrolle [www.diebiene.de]
(3) Schwarmtrieb und Schwärme [www.llh-hessen.de]
(4) Schwarmkontrolle [www.llh-hessen.de]
(5) Schwarmlenkung [www.llh-hessen.de]
(6) Schwarmrecht Paragraph BGB 961 -964 [bundesrecht.juris.de]
(7) Einfache Jungvolkbildung [www.llh-hessen.de]
(7a) Jungvolkbildung [www.llh-hessen.de]
(7b) Jungvölker durch schröpfen [www.llh-hessen.de]
(8) Kunstschwarmbildung [www.llh-hessen.de]
(9) Zwischenablegerbildung [www.llh-hessen.de]
(10) Verschiedene Formen der Umweiselung [www.llh-hessen.de]


Die gesamten Arbeitsblätter findet man in der Übersicht hier:
[www.llh-hessen.de]
offline

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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Kommentare

25.05.2011 11:37 Jantje
Ah, super. Der nächste Teil.
Danke dir wieder für die Arbeit, ich werds gleich aufsaugen.
Zieh den Hut,
Jantje
25.05.2011 11:45 Jantje
Der Link 8 Kunstschwarmbildung läuft ins leere.
25.05.2011 13:34 Austeja
Jantje schrieb:
Der Link 8 Kunstschwarmbildung läuft ins leere.


Hallo, jetzt funktioniert alles!
03.06.2012 21:50 tschortwosmij
Danke!
Hab mir heut alle vier Tage incl. Llinks reingezogen daß die Rübe qualmt, war genau das, was ich gesucht hab!

Jetz werd ich mal schaun, was die Imkerei vor Ort so macht.

zT
04.11.2016 22:02 Blattschreck
schade LINKS gehen nicht mehr
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