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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

http://web.media.mit.edu/~dkroy/
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20.07.2011, 20.17 Uhr

Wie Kinder Sprache lernen

Dass Babys in einer für Menschen unglaublichen Geschwindigkeit lernen ist schon lange bekannt. Doch wie genau das vor sich geht, ist Wissenschaftlern bis heute immer noch nicht ganz klar. Ganz ähnlich wie für die Eltern das Sprechen lernen ihres Kindes immer wieder ein kleines Wunder ist, können Experten bisher nicht vorhersagen wie und wann ein Kind welches Wort genau lernt, es versteht und richtig anwenden kann.

Auf ted.com gibt es zwei sehr interessante Vorträge zu genau diesem Thema, bei denen Wissenschaftler ihre verblüffenden Erkenntnisse in diesem Bereich vorstellen. (Noch mal kurz zu TED: das ist eine Internetseite, wo Menschen Vorträge über interessante Ideen oder Erkenntnisse halten. TED bedeutet Technology, Entertainment und Design).

Die Geburt eines Wortes

Da ist zum einen Deb Roy, Sprach- und Kognitionswissenschaftler am berühmten MIT. Er wurde 2005 Vater. Mit seinem Ziel den Spracherwerb bei Kindern näher zu untersuchen, ließ er in seiner Wohnung überall Kameras und Mikophone installieren, um die Entwicklung seines Sohnes lückenlos dokumentieren zu können. Seine Frau ist übrigens ebenso Kognitionswissenschaftlerin und sie war mit der ganzen Sache einverstanden . Und für private Angelegenheiten konnten die Kameras natürlich auch ausgeschaltet werden.

3 Jahre lang wurden ununterbrochen Film- und Audiodaten gesammelt – das entspricht etwa 200.000 Stunden. Roy spricht selbst scherzhaft von der größten Heimvideokollektion der Geschichte . Danach mussten diese unfassbaren Datenmengen natürlich noch ausgewertet werden, was wohl die größte Herausforderung des Projektes darstellte.

Primär ging es vor allem darum herauszufinden, welche Wörter wann und wo am häufigsten von den Erwachsenen verwendet wurden, und inwiefern sich dies auf das Sprechenlernen des Sohnes auswirkten. Sie entwickelten Software, die Interaktionen zwischen den Bewohnern des Hauses über Bewegungslinien oder Wort“ansammlungen“ quasi zusammenfassen und graphisch darstellen konnten. Das lässt sch jetzt schwer beschreiben, aber wenn ihr euch das Video anseht, wird es ganz klar.

Die wohl erstaunlichste Erkenntnis war, dass sich das Sprachverhalten der Erwachsenen mit dem Kind dann veränderte, wenn das Kind kurz davor war ein neues Wort korrekt zu lernen. Dann wurden ihre Sätze nämlich einfacher, so dass es für den Kleinen leichter wurde, das neue Wort in den Sprachschatz aufzunehmen. Hinterher wurden die Sätze wieder komplexer, um die Verwendung zu üben. Das passiert absolut unbewusst, keiner der Erwachsenen konnte sich erinnern, so etwas getan zu haben. Aber damit wird klar, dass die Kinder sich nicht nur den Erwachsenen anpassen, sondern das über eine Art Rückkopplungssystem sich auch der Erwachsene auf das Kind einstellt, um Lernprozesse zu fördern. Sehr clever von der Natur eingerichtet, oder?

Der Vortrag zum Projekt findet ihr hier: [www.ted.com]
[www.wired.com]
[edition.cnn.com]

Kinder sind Sprachgenies

Auch Patricia Kuhl, Co-Direktor am “Institute for Brain and Learning Sciences” an der Universität von Washington untersucht, wie Babys Sprache lernen. In ihrem Vortrag macht sie uns klar, wie erstaunlich die Lernfähigkeiten von Babys und Kindern sind. Sie sagt, dass Menschen bis zu einem Alter von 7 Jahren quasi Genies sind, indem wie viel sie innerhalb dieser kurzen Zeit lernen. Die Lernkurve ist dabei bei den Babys am allerhöchsten und sie fällt dramatisch bis zum Teenageralter ab. Wir lernen also nie wieder so viel wie dann, wenn wir Babys und Kleinkinder sind.

Ihre erstaunliche Erkenntnis war, dass wir bis zu einem Alter von 6-8 Monaten sprachlich gesehen quasi „Weltenbürger“ sind. Sie können alle möglichen Arten von Sprechlauten voneinander unterscheiden, egal ob sie zu deutsch, englisch oder chinesisch gehören. Das klingt im ersten Moment relativ profan. Aber wir können zum Beispiel als Erwachsene verschiedene Laute der chinesischen Sprache nicht mehr oder nur noch sehr schwer voneinander unterscheiden, weil unser Gehirn nicht auf chinesisch, sondern auf deutsch trainiert ist.

Gerade mal zwei Monate später ist aus diesen kleinen „Weltenbürgern“ ein Mitglied der jeweiligen Sprachkultur geworden. Denn in diesem kurzen Zeitraum hat ihr Gehirn begonnen, die typischen Sprachlaute der umgebenden Menschen wahrzunehmen und zu üben – als Vorbereitung für das eigene Sprechen.

Soweit nur ein ganz kurzer Einblick in den Vortrag. Das Video kann man sich hier: anschauen [www.ted.com]

Foto: hier sieht man die Kameraperspektives für Deb Roys Haus, Quelle: [web.media.mit.edu]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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