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Projektbüro Waldkulturerbe: Na...

Aktuelles vom Projektbüro Waldkulturerbe (51 Einträge)

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25.07.2011, 14.12 Uhr

In Deutschland werden wieder die Bäume gezählt

Ab 2011 wird in unserem Land auch wieder gezählt: Und zwar im Wald. Wer jetzt an den Zensus denkt, der irrt. Denn nicht nur unsere Bevölkerungsstruktur wird aktuell neu geschätzt, sondern auch unsere Wälder. Gerade haben 60 Inventurtrupps ihre Arbeit aufgenommen für die dritte Bundeswaldinventur (BWI³). Bis Dezember 2012 werden sie rund 60.000 Probepunkte in ganz Deutschland aufsuchen und etwa 400.000 Probebäume vermessen und viele weitere Daten erheben.

Es ist ein aufwändiges Unterfangen, an dem sich die Forstverwaltungen des Bundes und der Länder gemeinsam beteiligen: Nicht nur aufgrund der über 11,1 Millionen Hektar Wald und der zahlreichen, nach einem Raster von 4 mal 4 Kilometern verteilten Messpunkte. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei (vTI) koordiniert die Aufnahmen, deren Vorbereitung mehrere Jahre dauerte, und wertet sie aus. Die Landesinventurleitung organisiert die Datenerhebung durch Aufnahmetrupps und kontrolliert die Aufnahmen. Die Gesamtkoordination liegt beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

Das Inventurverfahren und die dabei verwendeten Mess- und Navigationstechniken beruhen auf wissenschaftlichen Grundlagen und sind komplex. Die Inventurtrupps wurden im Frühjahr 2011 intensiv geschult und vorbereitet, um einen korrekten Ablauf sicherzustellen. Dabei lernten sie beispielsweise, die Probepunkte im Gelände zu finden, Probebäume auszuwählen und zu vermessen, sowie Totholz, Waldränder, Waldlebensraumtypen und Wildverbiss zu erfassen. Sobald im kommenden Jahr die Daten vorliegen, ist nur die erste Hälfte der Arbeit getan. Ab 2013 folgen die Überprüfung, Auswertung und Analyse der Daten.

Daten sammeln und Entwicklungen erkennen

Weshalb dieser Aufwand? Nicht weniger, als um daraus eine objektive Datengrundlage und Entscheidungshilfe über die deutschen Wälder abzuleiten. Hierzu sind drei Schritte erforderlich: Erstens die aktuelle Bestandsaufnahme unserer Wälder: Wie sehen unsere Wälder heute aus? Erhoben wird etwa, wie viel Wald es in Deutschland überhaupt gibt, welche Baumarten wie häufig vorkommen und wie dick und hoch unsere Bäume sind.

Zweitens der Blick zurück: Wie hat sich der Wald unter dem Einfluss von gesellschaftlichem, wirtschaftlichem und ökologischem Wandel entwickelt? Der Vergleich zwischen den Ergebnissen der nun zehn Jahre zurück liegenden zweiten Bundeswaldinventur und den aktuellen Befunden gibt Hinweise auf wichtige Entwicklungen und lässt beispielsweise Rückschlüsse darauf zu, wie viel Holz genutzt wurde und wie viel Holz in der gleichen Zeit nachgewachsen ist. Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur werden erstmalig vergleichbare Aussagen über Zuwachs und Nutzung in ganz Deutschland über alle Länder und Eigentumsarten ermöglichen. Die BWI³ ist nach der ersten Erhebung 1987 in den alten Bundesländern und nach der BWI² im Jahr 2002 die erste vollständige Wiederholungsmessung in ganz Deutschland.

Drittens der Blick in die Zukunft: Die Ergebnisse der aktuellen Bestandsaufnahme sowie der Analyse vergangener Entwicklungen sind die Grundlage für den Blick nach vorn. Modellrechnungen sollen zeigen, wie sich die Wälder in ihrer Struktur und Zusammensetzung, in ihrem Holzzuwachs und ihrem Nutzungspotenzial voraussichtlich entwickeln werden.

Doch bis dahin sind noch viele Arbeitsschritte erforderlich. Erst Anfang 2015 werden die Berichte vorliegen. Ihr Nutzen ist hoch: Sie werden als Entscheidungsgrundlage für Forst- und Holzwirtschaft, Klimaschutz-, Energie- und Naturschutzpolitik sowie zur Erfüllung internationaler Berichtspflichten (z. B. für die Treibhausgas-Berichterstattung) dringend benötigt. Denn der Wald ist auch ein großer Kohlenstoffspeicher. So wird sich zeigen, wie viel Kohlenstoff unsere Wälder binden und damit, wie viel CO2 sie aus der Luft aufnehmen. Dies wiederum fließt ein in die Kohlenstoffschlussbilanz zum Ende der Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls im Jahre 2012.
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Waldkulturerbe

Waldkulturerbe

Alter: 118 Jahre,
aus Bonn

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