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"Auf Motivsuche"

Interessantes mit der Kamera festhalten (78 Einträge)

Die Mangfallbrücke I Mangfallbrücke II Mangfallbrücke III
120 mal angesehen
29.07.2011, 19.56 Uhr

Gitter für das Leben

Über die Autobahnbrücke bei Weyarn quert die A8 das ca. 70m tief eingeschnittene Tal der Mangfall. Eine erste Brücke gab es schon in den dreißiger Jahren, diese wurde aber 1945 gesprengt und später durch eine provisorische Stahlbrücke ersetzt. Die jetzige Brücke besteht zu einem Teil aus einem wunderschönen Bauwerk aus dem Jahre 1959, zum anderen aus einem Erweiterungsbau aus 1979.
Das erste Foto zeigt links den Neubau und rechts die ältere Brücke. Letztere ist besonders durch seine, einem Fachwerk nachempfundene Seitenkonstruktion ein sehr schönes Fotomotiv, nicht nur von außen, sondern auch und gerade von „innen“. Innerhalb des Brückenkörpers führt nämlich unterhalb der Fahrbahntrasse ein zweiter Weg, der Fußgängern und Radlern vorbehalten ist. Da normalerweise kein direktes Sonnenlicht in den Innenraum gelangt (außer in den Wintermonaten), findet man dort auch interessante Lichtverhältnisse (mittleres Foto).
Die wie ein Käfig anmutende Vergitterung, die die Brüstung der drei ovalen Bodenöffnungen umgibt verwirrt zunächst, aber wenn man die Geschichte der Brücke kennt, dann weiß man, warum es sie gibt. Seit Bestehen der Brücke haben sich schon über 40 Menschen – überwiegend Jugendliche – von der Brücke aus in den Tod gestürzt. Um solche Suizide zu erschweren, hat man nach und nach die Vergitterung erhöht und die Fachwerk-Seitenteile bis oben hin mit einem Stahlgeflecht verkleidet.
Jedesmal, wenn ich die Gitter sehe, muss ich an ein Gefängnis denken. In einem Gefängnis sind die Gitter dazu da, zu verhindern, dass Insassen ausbrechen. Auch bei der Mangfallbrücke sollen sie einen Ausbruch verhindern, den Ausbruch von Menschen aus dem Leben in den Freitod. Diese Menschen glauben durch ihre Entscheidung ihr eigenes Problem zu lösen. Dass sie aber nur Trauer und Leid bei den Mitmenschen hinterlassen, zeigen die vielen Blumen, die dort abgelegt und die Kerzen, die fast täglich dort angezündet werden (rechtes Foto).
Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Menschen durch die Gitter von ihrem Vorhaben abgehalten werden, durch die Gitter für das Leben.
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heini

heini

Alter: 70 Jahre,
aus Holzkirchen

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Kommentare

01.08.2011 11:30 Paradiesgarten

Was für eine traurige Geschichte !
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