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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: ABSURDA, RED ONION 2011
54 mal angesehen
10.08.2011, 18.54 Uhr

Interview Project Germany

Das Projekt, das ich euch heute vorstellen möchte ist genauso beeindruckend, wie es von der Idee her simpel ist: Zwei Filmemacher reisen im Oktober 2010 durch Deutschland und interviewen die Menschen, die ihnen begegnen. Nichts ist dabei vorher festgelegt. Per Zufall und vor Ort entscheiden, sie wo sie lang fahren wollen – manchmal werfen sie sogar eine Münze. Dann sprechen sie wahllos Personen an, die ihnen über den Weg laufen – egal ob auf der Straße, in Bars, in einem Garten oder an einem Haus sitzend.

Diesen Menschen werden dann in einem 45-minütigen Interview scheinbar einfache Fragen gestellt wie: “Wie war deine Kindheit?”, „Wer waren deine Eltern?“, “Was war das einschneidendste Erlebnis in deinem Leben?”, Worauf bist du stolz?” oder “Wie würdest du gern in Erinnerung bleiben?”. Das Ergebnis sind 50 berührende und intime Lebenserzählungen, die man – zusammengschnitten auf etwa 5 Minuten - ab sofort auf der Internetseite [www.interviewproject.de] anschauen kann. Die Videos sind noch nicht vollständig online, da sie derzeit teilweise noch in Bearbeitung sind. Jeden Montag wird ein neues Video hochgeladen.

Die zwei Dokumentarfilmer sind übrigens keine Deutschen sondern Amerikaner, nämlich Kameramann Jason S. und Austin Lynch – Sohn des Regisseurs David Lynch (den meisten dürfte wohl „Twin Peaks“ bekannt sein). David Lynch ist übrigens so eine Art Schirmherr für das Projekt. Er vertritt das Projekt in der Öffentlichkeit und präsentiert jedes einzelne Video mit einigen wenigen einführenden Worten. Die Filmcrew wurde übrigens vor ihrer Reise gewarnt, die Deutschen wären sehr verschlossen und nur wenige würden sich wohl für ein Interview bereit erklären. Am Ende der Reise waren sie von der Offenheit der Menschen, die sie trafen überrascht.

Als ich mir auf der Internetseite die ersten Interviews so anschaute, war ich ebenso erstaunt, wie offen und ehrlich die Menschen von ihrem eigenen Leben und wirklich sehr privaten Erlebnissen erzählten. Dazu gehörten Kindheit und Familie, aber auch einschneidende Erfahrungen wie Arbeitslosigkeit, Tod oder Haftaufenthalte.

Es wird auch deutlich, das eher die „Außenseiter“ der Gesellschaft zu Wort kommen - wobei ich das gar nicht so negativ meine, wie es vielleicht klingt. Also weniger die „erfolgreichen Businessmenschen“, sondern eher Arbeitslose, Hausfrauen, Rentner, Behinderte oder auch Lebenskünstler und Studenten – es ist aber eigentlich logisch, denn wen trifft man den sonst tagsüber auf den Straßen? Die Lebensgeschichten sind gerade deswegen überaus interessant und teilweise sehr berührend. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Folgen.

Wer nicht genug bekommen kann (und gleichzeitig gut Englisch versteht) kann sich Austin Lynchs vorhergehendes Interviewprojekt anschauen: ein Jahr lang reiste er bereits quer durch die USA, um dort Menschen für sein Projekt zu befragen. Ich finde es ist eine tolle Gelegenheit, einen Einblick in die amerikanische Kultur zu bekommen – abseits vom aufgemotzen Medienbild und ebenso abseits von den reißerischen Nachrichten. Hier und dort sind wir doch alle nur normale Menschen mit Ecken und Kanten. [interviewproject.davidlynch.com]

Noch ein paart Artikel zum Projekt und Interviews mit Austin Lynch
[www.spiegel.de]
[www.zeit.de]
[www.3sat.de]
[www.spiegel.de]

Hier noch ein Artikel zum Interviewprojekt in den USA
[www.sueddeutsche.de]

Foto: ABSURDA, RED ONION 2011
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

10.08.2011 19:14 Echinacea83
Ich schaue mir gerade den ersten Bericht an über Maik. Es hakt ein wenig. Und ich finde, die Filmschnitte sind nicht ganz so gut.
Aber nichtsdestotrotz sehr gelungen, sehr bewegend.
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