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"Auf Motivsuche"

Interessantes mit der Kamera festhalten (77 Einträge)

Willi beim Mittagsschlaf I Willi beim Mittagsschlaf II Unsere Rasselbande
91 mal angesehen
27.08.2011, 19.58 Uhr

Willi mag's wohnlich

Als ich heute nach dem Aufstehen die Treppe runterkam, bin ich erst mal ordentlich erschrocken: Die ganze Wohnung war übersät mit Blättern. Da hab ich doch wohl gestern die Terrassentür nicht richtig verriegelt, dachte ich zunächst. Und dann musste ich auch gleich an das Donnerwetter denken, das da bald telefonisch über mich hereinbrechen wird. Meine Frau hat das Malheur ja schon in der Früh gesehen, war sie ja schon lange vor mir aufgestanden. Sie hatte wohl auch nicht mehr die Zeit, das Ganze aufzuräumen, denn sie musste schon sehr früh im Geschäft sein.

Als ich mir dann alles aus der Nähe ansah: Oh Schreck lass nach, das waren keine Blätter sondern Hinterlassenschaften von unseren Igeln. Mindestens sechs Portionen waren da abgelegt. Zum Glück haben wir keinen Teppichboden im Wohnzimmer, sondern Fliesen. Da war wohl heut Nacht die ganze Meute (zur Zeit sind es wieder vier erwachsene Igel, Bild rechts) durch die vom Wind aufgestoßene Terrassentür in die Wohnung eingestiegen und hat nach was Fressbarem gesucht. Der Anschiss von meiner Frau wird ein schlimmer werden, dachte ich.

Der Anruf kam dann auch postwendend: Hast du ihn gefunden? Wen? Den Igel! Wieso? Ja der muss doch noch in der Wohnung sein! Ja war denn die Terrassentür heute Morgen nicht auf? Nein, du musst den Igel wohl heut Nacht eingeschlossen haben, ich hab nach dem Übeltäter schon gesucht, ihn aber nicht gefunden, sagte meine Frau und sie klang schon etwas sehr entnervt. Ich versprach ihr, dass alles, noch bevor sie von der Arbeit nach Hause kommt, von mir in Ordnung gebracht wird.

Da war doch tatsächlich ein Schlawiner gestern Abend, ohne dass ich’s bemerkte, in die Wohnung gelangt. Versucht haben es alle vier immer wieder, aber ein lautes „Pssst“ von mir hat jedesmal gereicht, sie am Überqueren der Türschwelle zu hindern.

Nun galt es erst mal, den Eindringling zu finden, Da die Hinterlassenschaften im Wesentlichen im Wohnzimmer zu finden waren, konzentrierte sich meine Suche zunächst auf diesen Raum. Mit Taschenlampe und Knieschützern bewaffnet durchsuchte ich im Kriechgang jede Ecke. Aber nichts zu finden. Nach Abschluss der Suche im Wohnzimmer wurde mir klar. Ich hätte vielleicht die kleinen Häufchen vorher schon beseitigen sollen, denn ihre Anwesenheit erschwerte die Suche schon sehr. Naja ich nahm‘s sportlich, und so war’s ja wohl auch. Jedenfalls musste ich bereits schweißgebadet meine Suche nun auch auf die anderen Räume ausdehnen.

Esszimmer: Negativ! Küche: Nix! Diele: Auch nichts. Aber halt! In einer Nische steht unser Garderobenschrank; unter dem hatte ich noch nicht nachgeschaut. Aber da war auch kein Igel, jedenfalls unter dem Schrank. Dafür aber neben dem Schrank! Zwischen Schrank und Wand ist gerade noch Platz, um ein Paar Schuhe abzustellen. Und genau auf diesen Schuhen hat es sich unser kleiner gefangener Eindringling gemütlich gemacht und schlief den Schlaf des Gerechten (Bild links ). Da außer Stacheln nichts zu sehen war, konnte ich auch nicht feststellen, ob es sich um Willi oder Madam handelte, oder um Herrmann oder um „No Name“. No Name ist derjenige, der erst diese Woche wieder zu den anderen Dreien gestoßen ist. Er hat ein besonders dunkles Gesicht. Aber wie gesagt: außer Stacheln sah man nichts.

Dass sich Igel in ihrer Tagesruhe durch nichts, auch nicht durch noch so laute Geräusche, wie sie durch Teller- und Geschirrklappern entstehen, stören lassen, war mir neu. Unser Gast schlief den ganzen Tag bis in den Spätnachmittag hinein, ohne seine Position zu verändern. Erst, als ich um halb Fünf nachschaute, hatte er sich um ein paar cm verlagert (Bild Mitte). Ich legte ihm ein Stück Trockenfutter hin und siehe da: Er wachte sehr schnell auf und sein Gesicht war endlich sichtbar. Es war Willi.

Ich hatte meiner Frau versprochen, dass bis Sechs auch der Igel aus dem Haus ist. Die Nach-Außen-Lots-Prozedur mit der Köder-Methode gestaltete sich diesmal aber etwas schwieriger. Willi folgte zwar meinem Köder immer eine Zeit lang, aber bei dem geringsten Geräusch verschwand er um die Ecke und kroch unter den Garderobenschrank. Kurz nach Sechs kam meine Frau von der Arbeit. Ich hatte inzwischen Handschuhe übergezogen, denn diesmal schien Willi nicht auf die sanfte Art die Wohnung verlassen zu wollen. Meiner Frau gefiel mein Anblick offensichtlich nicht sehr, denn sie wusste gleich: Der Igel ist noch im Haus. Sie half mir aber dann, indem sie ihm den Köder vorhielt, und nach vier Versuchen konnte ich Willi packen und in den Garten befördern. Ihn hat die ganze Sache offensichtlich nicht sehr beeindruckt: Schon nach wenigen Sekunden machte er sich auf den Weg zum Futternapf.

Meine Frau machte mir auch keinen Vorwurf. Sie sagte nur: „Ich glaub, da müssen wir uns was einfallen lassen“.

Ach ja: Willi war so anständig und hat an seiner Tages-Schlafstelle und auch bei der folgenden Freisetzungsprozedur keine weiteren Hinterlassenschaften produziert. Aber sechs Häufchen vor dem Schlafengehen, das ist ja auch schon ganz schön reichlich.

Übrigens: weiß jemand, ob es sich bei dem weißlichen Gebilde in seinem Stachelpelz (ungefähr Bildmitte im mittleren Bild) um ein Fliegenei oder gar schon um eine Made handelt?
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heini

heini

Alter: 69 Jahre,
aus Holzkirchen
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Kommentare

29.08.2011 11:21 Paradiesgarten

Einfach wunderschön deine Igelgeschichten !
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