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Gedanken zum Zeitgeschehen

Wissenswertes, kritisches, Perspektiven (10 Einträge)

Geflügelmast
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04.09.2011, 02.39 Uhr

Wiesenhof - Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und Umwelt ausbeutet

ARD-Exklusiv – Das System Wiesenhof
Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und Umwelt ausbeutet

Der Verbraucher hat es in der Hand
Es wurde hoffentlich bei vielen, die diese Reportage gesehen haben, ein vegetarischer Abend am Mittwoch den 31.08.2011 im Ersten. Denn nach der ARD-Dokumentation um 21.45 Uhr "Der Wiesenhof-Skandal" ist wohl auch den abgehärtesten Fleisch-Fans der Appetit auf ihre heißgeliebten Brathähnchen und Chicken Mc Nuggles vergangen. OK so! Denn so kann es nicht weiter gehen! Jahr um Jahr wird der Appetit auf Hähnchenfleisch immer größer und Jahr für Jahr fallen die Preise. Für 2,50 Euro gibt es bei Aldi schon ein Pfund Brustfilet, bei 5 Euro liegt der Kilopreis für ein konventionelles Hühnchen. Und die Verbraucher rennen scharenweise zu den Discountern.
Für soviel Geld bekommt man auch bei Einhaltung aller Tierschutzgesetze nur ein mißhandeltes, gequältes Geschöpf, dessen Leben sich auf die Größe eines Din-A4-Blattes abgespielt hat. Und das in seinem kurzen 5-wöchigen Leben womöglich noch mit geschundenen Krallen auf dem eigenen Kot stehen musste. Wer davor immer noch die Augen verschließt und nichts wissen will, wenn er in der Kühltheke nach dem sauberen eingeschweißten Fleisch greift, ist schlichtweg naiv oder auch ignorant.

Auch die Politik ist gefordert

Naiv ist aber auch zu glauben, der Protest gegen die riesigen Hähnchenhallen in unmittelbarer Nachbarschaft löse das Problem. Nein, das tut es leider nicht. Denn dann werden die Hallen ein Dorf weiter gebaut. Niedersachsen ist in dieser Beziehung in Deutschland am stärksten betroffen. In etlichen Landkreisen ist nach Ansicht von Landwirtschaftsminister Lindemann die kritische Obergrenze für Großställe schon erreicht, in zwei weiteren ist man kurz davor. Das Land Niedersachsen will deswegen mit einem Vorstoß auf Bundesratsebene weitere Großställe in "Problemgebieten" verhindern. Das ist sicherlich ein erster Schritt in die Richtige Richtung!

Schlachtungen am Fließband
Denn der Bau immer gigantischere Tierhallen spaltet in Niedersachsen zunehmend die Bevölkerung, weckt Ängste vor Luftemissionen, Verkehrsbelastung und Gestank. Übergriffe militanter Tierschützer nehmen zu. Auch bei den Landwirten selbst wächst die Aggression. Den Vogel wohl abgeschossen haben jetzt die Planungen für Europas größten Schlachthof in Wietze. 135 Millionen Tiere sollen hier demnächst pro Jahr geschlachtet werden. 135 Millionen pro Jahr! Die Anlage ähnelt eher einem Hochsicherheitstrakt, gebaut mit einem NATO-Draht und Videokameras, die unliebsame Eindringlinge frühzeitig aufspüren sollen. Abschreckend!

Möglichst billig
Jetzt sagen Landwirte und Mäster zu Recht: Die deutschen Verbraucher wollen es ja nicht anders! Die Deutschen sind für ihre Discount-Preise berühmt und wohl auch berüchtigt... . Nirgendwo in Europa wird so wenig für das "unser täglich Brot" ausgegeben wie hierzulande. Natürlich mit Folgen auch für die Qualität, wie soll es denn sonst auch gehen. Berichte über Analog- bzw. Ersatzkäse, Brot ohne Nährwert und andere Folgeerscheinungen dieses "Geiz ist geil"-Wahns sprechen für sich.

Und was ist mit Bio-Huhn?

"Bio-Huhn können sich eben nicht alle leisten und es müsse auch für Menschen mit einem Hartz IV Einkommen gedacht werden!" - klingt es einem da schon entgegen, wenn man solche Argumente vorbringt. Aber hier muss man wohl auch dazu sagen:
1.Es muss nicht jeden Tag Fleisch auf den Teller kommen. Wenn wir alle zum Sonntagsbraten zurückkehrten, wäre schon viel gewonnen. Dann könnten wir uns auch einmal die Woche die Brustfilets vom Bioladen oder vom Bauern nebenan mit kleinerer extensiver Haltung für 8 Euro leisten und die dann wenigstens mit gutem Gewissen essen. Denn diese Tiere haben nachweislich mehr Platz, weniger Schmerzen und weniger Medikamente intus.
2. Ist es nicht gerade diese „Geiz ist geil "Welle, die in den letzten Jahren dazu geführt hat, dass viele Arbeitsplätze aus Deutschland in Billiglohnländern verschwunden sind ?
Auch Wiesenhof hat den Markt der Bio-Hühnchen übrigens schon längst entdeckt. Pro Woche verkauft der Konzern 9.000 Biohähnchen - und 4,5 Millionen konventionelle Hühner. Guten Appetit!

Für alle die diesen Fernsehbeitrag nicht gesehen haben der Link zur Reportage:
[www.ardmediathek.de]



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Rickrich

Rickrich

Alter: 47 Jahre,
aus der Hallertau
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