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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Filmtipp: Taste the Waste
49 mal angesehen
16.11.2011, 20.10 Uhr

Filmtipp: Taste the Waste

Wenn wir in den Supermarkt gehen, ist es für uns ganz normal nur einwandfreie Produkte und gut aussehende Lebensmittel einzupacken. Auch ich achte besonders bei Obst und Gemüse auf schadfreie, schön aussehende Exemplare, so wie wahrscheinlich die meisten. Doch was passiert mit all den Lebensmitteln, die kleine Macken haben oder nicht mehr zu den frischesten zählen? Die meisten landen wohl ganz einfach auf dem Müll, und das betrifft wahrlich nicht Obst und Gemüse, sondern genauso auch Brot und andere verderbliche Lebensmittel.

Welches Ausmaß dieser Wegwerf-Wahnsinn hat, zeigt die neue Dokumentation „Taste the Waste“, die seit Anfang September in den deutschen Kinos läuft. Allein in Deutschland landet jährlich etwa ein Drittel bis die Hälfte der produzierten Lebensmittel auf dem Müll, das entspricht etwa einem Wert von 20 Milliarden Euro. Die Menge des in Europa jährlich weggeworfenen Essens reicht, um zwei Mal alle Hungernden der Welt zu ernähren. Wenn man an die große Hungersnot allein in Somalia denkt (und diese ist ja wahrlich nicht die einzige) und dazu im Gegensatz an die Verschwendung in den Industrienationen, kann einem eigentlich nur schlecht werden.

Und das Wegwerfen beginnt bereits auf den Feldern. Alles, was nicht der Norm entspricht muss aussortiert werden. Zu krumm (und damit uneffektiv beim Transport), zu klein, zu groß, ein völlig harmloser Fleck auf der Schale– all das gerät von vornherein gar nicht erst in den Handel. Im Film wird ein Kartfoffelbauer gezeigt, der sagt, er müsse von vornherein die Hälfte seiner Ernte aussortieren. In den wenigsten Fällen landen die „Mängelexemplare“ wenigstens noch im Hofladen.

Die nächste Stufe ist der Supermarkt. Kunden verlangen makellose Produkte und auch kurz vor Ladenschluss eine möglichst große Auswahl. Nach Ladenschluss geht fast alles, was an frischen Lebensmitteln nicht verkauft worden ist, sofort in den Müll. Auch völlig intakte Produkte, die einfach nur das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, werden gnadenlos weggeworfen.

Die Folge ist, dass die Nachfrage künstlich viel höher ist, als sie eigentlich sein müsste. Das führt zu globalen Preissteigerungen für Lebensmittel, die vor allem in armen Ländern sofort Existenzen bedrohen. Auch darf man nicht die in den weggeworfenen Lebensmitteln enthaltenen Rohstoffe wie Wasser und Getreide oder auch Hilfsmittel wie Dünger und Energie vergessen. All dies wird völlig umsonst aufgewendet oder hergestellt. Am Ende landet alles einfach auf unvorstellbar großen Müllkippen, auf denen die Sachen einfach verrotten und Tonnen von Methangas in die Luft entweicht.

Die Filmemache sind für „Taste the Waste“ um die ganze Welt gereist, um dem Zuschauer die Hintergründe unserer Lebensmittelproduktion zu zeigen. Sie waren bei Supermarkt-Verkäufern und -Managern, Bäckern, Großmarkt-Inspektoren, Ministern, Psychologen, Bauern und EU-Bürokraten. Doch die Dokumentation zeigt nicht nur die Probleme, sondern auch mögliche Lösungen und spricht mit Menschen, die Lebensmitteln wieder mehr Wertschätzung entgegen bringen wollen – wie der Slow Food Vereinigung.

[www.taste-the-waste.de]

Gezeigt wird der Film noch bis Ende des Jahres in vielen Programmkinos in ganz Deutschland: [kinotermine.taste-the-waste.de]

Außerdem gibt es ein Buch zum Film: es heißt die „Essensvernichter“ und präsentiert noch einmal ausführlich die Hintergründe zur Essensverschwendung in den Industrienationen und gibt Anregungen, was man selbst besser machen kann. [essensvernichter.de]

Artikel zum Film:
[www.sueddeutsche.de]
[www.stern.de]
[www.rp-online.de]
[www.tagblatt.de]
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Geschrieben von

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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

17.11.2011 11:41 Paradiesgarten
Wir müssen unser Einkaufverhalten ändern und solche Filme müssen viele erreichen.
Vielleicht ist ja was dran an dem Sprichwort: Steter Tropfen...
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