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Mutter und Säugling "Kindergarten" Aida mit Papierflieger
436 mal angesehen
23.11.2011, 15.42 Uhr

Kindererziehung

Wenn man die Säuglinge auf den Rücken der Mütter sieht, denkt man, dass es den Kindern gut geht. Aber das ist nur die eine Seite. Nach meiner Beobachtung bekommen Säuglinge und Kleinkinder zu wenig Gelegenheit – und schon gar keine Unterstützung, ihre Umwelt zu erkunden. Spielen wird nicht als förderlich für die Entwicklung angesehen.
Als wir im Zusammenhang mit unserem Engagement in einem Waisenhaus mit unserem Kontaktmann, einem Dozenten für Pädagogik, über die Notwendigkeit des Spielens für die kognitive, motorische und soziale Entwicklung diskutierten, war er anderer Meinung und warf uns vor, etwas kulturfremdes für die Kinder zu fordern. Das hat mich amüsiert und ich sagte ihm, dass mich diese Argumentation doch verwundere. An fast jeder Schule sei ein Mikroskop mit der Bezeichnung jedes Einzelteils an die Wand gemalt. Die Lehrer hätten nie ein Mikroskop gesehen (noch nicht mal an den Universitäten gibt es Mikroskope) und die Kinder würden wohl auch nie im Leben eines sehen. Die Begründung für die Darstellung war, dass die Kinder lernen sollen, was es in der Welt so alles gibt.
Wer es sich irgend leisten kann, schickt sei Kind im alter von drei Jahren in eine Privatschule. Die beiden Vorklassen werden „kindergarten“ genannt. Es gibt aber nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem deutschen Kindergarten. Die Kinder sitzen an Schultischen. Spielsachen gibt es keine. Sie lernen lesen, schreiben und rechnen. Am Ende der Vorschulzeit machen sie über mehrere Tage Prüfungen, um in die Grundschule aufgenommen zu werden.
Um etwas Bewegung in die Klassen zu bringen, habe ich in einer Schule Vorschulunterricht durchgeführt; Übungen, die vor dem Lernen von schreiben und rechnen gemacht werden sollten. Das war natürlich schon zu spät. Aber wann soll man damit anfangen?
Die Mutter eines gerade einjährigen Kindes, das nie etwas in die Hand bekam und nie etwas erkunden durfte, obwohl immer mindestens eine Person sich ausschließlich um das Kind kümmerte, zeigte ihrem Jungen eine deutsche Zeitschrift: „Guck mal, da ist A, und sieh’, da ist noch ein A.“ Sprechen konnte das Kind noch nicht.
Aber wenn man den Kindern etwas macht, dann sind sie beim Spielen so glücklich wie jedes andere Kind auf der Welt. Das dritte Foto zeigt Aida mit einem selbstgefalteten Papierflieger.
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Rosalie

Rosalie

Alter: 74 Jahre,
aus Frankfurt
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Kommentare

23.11.2011 20:26 leola
Bei deinem letzten Satz geht einem ja richtig das Herz auf. Es sind doch die Kleinigkeiten die diese Welt ausmachen.
24.11.2011 10:47 Paradiesgarten
Hoffentlich hast Du noch mehr Erfolg, ich wünsch es Dir von Herzen...
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