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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Jens Goetzke  / pixelio.de
105 mal angesehen
14.03.2012, 20.32 Uhr

Kahlschlag fürs Klo

Jeder Deutsche verbraucht im Jahr 250 kg Papier. Natürlich für Bücher und Zeitungen, aber auch zum Drucken und Schreiben. Ein ganz großer Batzen beim Papierverbrauch ist aber den meisten gar nicht bewusst. Bei so genannten Hygienepapieren sind wir ganz besonders verschwenderisch. Im Bad und in der Küche benutzen wir täglich Unmengen Papier, die nach nur wenigen Sekunden Benutzung im Müll oder in der Toilette landen. Viele wollen ihr Klopapier dabei flauschig weich und dick und „weißer als weiß“.

Doch Zellstoffpapiere sind sehr problematisch, wie die NDR-Dokumentation „Verführer Papier“ berichtete (zu sehen hier: [www.ndr.de] . Sie landen nicht nur sofort im Müll, sondern können auch nicht mehr recycelt werden. Außerdem werden gerade die flauschig weißen oft aus Holz gewonnen, wie Birken, Buchen und Eukalyptus oder Nadelbäumen wie Fichten, Kiefern oder Douglasien. Oft stammen diese aus Skandinavien, Frankreich und Russland, aber auch Tropenhölzer werden immer öfter verwendet, um den riesigen Bedarf zu decken. 13 Millionen Hektar Wald gehen jährlich weltweit verloren.

Auch Schweden hat mit den Folgen zu kämpfen. Es gibt immer weniger unberührten Naturwald, gerade mal 20% der Wälder sind noch über 100 Jahre alt. Riesige Flächen wurden bereits gerodet, auch sehr alte Bäume werden einfach gefällt. Dabei haben diese ein besonders hartes Holz und binden besonders viel Kohlendioxid, weil sie in dem kalten Klima so langsam wachsen.

In Deutschland ist zumeist gar nicht erkennbar, woher das Holz für ein Papier stammt, und ob es vielleicht durch Raubbau gewonnen wurde. Es gibt bei uns kein Gesetz, das den Handel mit Holz aus Raubbau oder den Tropen verbietet – nur freiwillige Beschränkungen der papier- und holzhandelnden Unternehmen.

Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) gehört dazu, und man findet es inzwischen auf ziemlich vielen Papier-Produkten. Es gilt als Gütesiegel für verantwortungsvolle Waldnutzung. Es wird von allen großen Umweltverbänden unterstützt und einer der wichtigsten Punkte ist, dass Waldwirtschaft verantwortungsvoll betrieben werden und schützenwerte Waldbestände erhalten werden soll. Der Film berichtet jedoch von Beispielen, in den große Holzkonzerne mehrfach ganz klar gegen diese Regeln verstoßen hatten, in dem sie alte Bäume fällten – und ihnen wurde das Siegel nicht entzogen. Das gibt natürlich zu denken, wie verlässlich das Siegel ist…

Besser ist es, gleich auf Altpapier-Produkte zurückzugreifen. Diese brauchen zwar noch etwas Holz, aber im Verhältnis sehr viel weniger als normale Papierprodukte. Weiterhin werden etwa 60% weniger Wasser und Energie für die Herstellung aufgewendet. Leider haben Altpapier-Produkte immer noch ein wenig altbackenes Image und man hält sie meist für kratzig und grau. Aber das stimmt überhaupt nicht. Oft sind sie von Frischholzprodukten in Weichheit und Farbe kaum mehr zu unterscheiden. Am besten einfach auf den „Blauen Engel“ achten.

Wir kaufen eigentlich schon lange nur noch Zellstoffprodukte aus Altpapier. Sie sind meist sogar noch billiger als Markenprodukte und oft von einer guten Qualität (also sie zerfleddern nicht in der Waschmaschine ). Auch brauch ich mein Klopapier nicht in blütenweiß, also verzichten wir auch meist darauf noch. Und Zellstofftaschentücher gibt es teilweise sogar schon in Papier- anstatt Plastikverpackungen.

Es ist eigentlich total simpel, am besten noch zusammen mit einem sparsamen Umgang mit Papier. Am Ende hat man es doch - wenn man ehrlich ist - eigentlich schon zum tausendsten Mal gehört. Vielleicht ist es ja mal wieder eine Gelegenheit mehr drauf zu achten.

[www.ndr.de]
[www.ndr.de]
Noch ein paar (eigentlich altbekannte) Papierspartipps: [www.utopia.de]

Foto: Jens Goetzke / pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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Kommentare

15.03.2012 12:01 Paradiesgarten
Gilt auch für Taschentücher !
15.03.2012 12:45 Pattibelle
ist bei uns schon seit Jahren in Gebrauch. Man muss nicht für jeden Sch..ß Bäume umnieten. Küchenrolle benutze ich auch nicht - da tut es der normale Lappen. Der wird jeden 2. Tag ausgetauscht (zwecks Hygiene). Tempos werden gebraucht, aber natürlich auch recycelte
15.03.2012 18:47 Gourmetkater
Gut geschrieben! Auch so ein Thema, wo sich viele Leute keine Gedanken machen.
In der DDR gab es zum rauhen Recycling-Papier immer den Witz
"Warum ist unser Klopapier so rauh? - Damit auch noch der letzte A...h rot wird!"
Vielleicht war es das harte Papier, was uns so "hart" gemacht hat, weil wir nicht vom Flauschpapier "verpimpelt" wurden!

Aber heute ist auch das Recyklingpapier "flauschig weich"....
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