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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Gerd Altmann/Shapes:dezignus.com  / pixelio.de
114 mal angesehen
24.04.2012, 16.57 Uhr

Lügen – tun wir doch alle

Du sollst nicht lügen, das hat wohl jeder als Kind eingetrichtert bekommen und man sollte meinen die Erziehung unserer Eltern hätte irgendwie gefruchtet und aus uns „gute“ Menschen gemacht. Und doch wissen wir alle sehr wohl, dass ständig gelogen wird. Natürlich gibt es Abstufungen. Kleine soziale Flunkereien, um andere nicht zu verletzen oder einen Konflikt zu vermeiden werden ja fast noch als rücksichtsvoll gewertet. Lügen werden auch gern eingesetzt, um selbst ein bisschen besser dazustehen und die eigenen negativen Seiten zu verbergen. Nur wirklich selten lügt man uns rücksichtslos ins Gesicht, um uns mit Absicht zu schaden. Dennoch wollen wir unsere Mitmenschen gern richtig einschätzen, und am liebsten durchschauen können. Die enttäuschende Realität, wir kommen über das Raten zumeist nicht hinaus, auch wenn wir denken, dass wir unseren Gegenüber problemlos entlarven.

Es gibt ja so allgemein bekannte Merkmale, die einen Lügner entlarven sollen. Zu dumm nur, dass diese nicht zuverlässig auf eine Lüge hinweisen. Eines davon ist, dass Lügner einem nicht in die Augen schauen können. Geübte Flunkerer können das sehr wohl und ohne Probleme. Auch Nervosität, verbunden mit nassen Händen, trockenem Mund und fahrigen Bewegungen bedeutet noch lange nicht, dass jemand lügt. Das kann auch wirklich einfach nur auf Erregung oder allgemeine Nervosität hinweisen – und wer wäre in einem Verhör wohl nicht nervös. Selbstbewusste Menschen sind außerdem sehr viel weniger nervös, als unsichere Menschen. Insofern sind auch die so genannten Lügendetektortests durchaus kritisch anzusehen. Sie werden ja aber auch meistens nur von geschulten Experten benutzt die parallel darauf trainiert wurden, die Mimik und Körpersprache des Menschen zu analysieren.

Einer, der die Mimik des Menschen wissenschaftlich untersucht hat, ist der amerikanische Psychologe Paul Ekman. Er hat Jahrzehnte lang den Gesichtsausdruck des Menschen unter die Lupe genommen und jede kleinste Muskelbewegung von Augenbrauen, Stirn, Kinn oder Wangen analysiert. Es gibt gerade mal 43 Muskeln in unserem Gesicht, daraus können wir aber 10.000 Gesichtsausdrücke erzeugen! Das Ergebnis seiner Arbeit ist ein Kodierungsverfahren, bei dem die verschiedenen Muskelzuckungen registriert werden und aus deren Kombination am Ende die dazugehörige Emotion entschlüsselt werden kann.

Es nennt sich FACS - Facial Action Coding System – also Gesichtsbewegungs-Kodierungssystem. Er soll damit bereits FBI- und CIA-Agenten trainiert haben. Und es klingt eigentlich total simpel: erkenne die einzelnen kleinen Gesichtsausdrücke und du erkennst die dahinter liegende Emotion bzw. ob jemand lügt. Denn oft schaffen es auch Lügner nicht ihr Gesicht die ganze Zeit zu kontrollieren und ein verräterisches Muskelzucken ist immer mal dabei. Zu dumm nur, dass es sich dabei um so genannte Mikroexpressionen handelt, Gesichtsausdrücke, die nur für den Bruchteil einer Sekunde sichtbar und auch nur sehr schwer erkennbar sind. Wer sich dafür interessiert: in der Fernsehserie „Lie to me“ wird genau dieses System vorgestellt (ich muss allerdings gestehen, dass ich sie noch nie gesehen habe…).

Weitere Hinweise für Lügen sind außerdem die Stimmlage, Stottern, Blinzeln, Wegschauen, Starren, übetriebene Gesichtsausdrücke, an der Nase kratzen oder sich ans Ohrläppchen fassen… Jedoch kann nur das Gesamtbild wirklich einen Lügner entlarven. Also wenn der Gesichtsausdruck nicht zur Stimme und/oder die Stimme nicht zu den Gesten passt. Da gibt es leider keine Patentlösung und es reicht nicht einfach, einzelne Bestandteile zu erkennen. Da braucht es zum einen eine professionell Anleitung und dann heißt es üben, üben, üben –und selbst dann gibt es keine 100%ige Garantie, dass man richtig liegt.

Auch wenn man vielleicht selbst nie zum lebendigen Lügendetektor wird, wer sich dafür interessiert kann hier mal weiterlesen:
[www.sueddeutsche.de]
[www.wdr.de]
[www.3sat.de]
[www.welt.de]
[arbeitsblaetter.stangl-taller.at]
[www.wiwo.de]
[www.br-online.de]
[www.sueddeutsche.de]
Oder auf Videoportalen einfach mal „Paul Ekman“ eingeben, da findet man viele sehr interessante Videos!


Foto: Gerd Altmann/Shapes:dezignus.com / pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

25.04.2012 02:22 Oberbauer_2
Die Serie die du in deinem (übrigens schönen) Blogeintrag erwähnt hast, habe ich mir schon ein paar mal angeschaut und die ein-oder andere Mimik/Gestik die dort erklärt wurde tatsächlich an lügenden Menschen festgestellt - faszinierend!
25.04.2012 10:44 Paradiesgarten
Hab die Sendung auch ein paar Mal gesehen, weil sie etwas anders strukturiert ist, als der Rest der Serien. Inwieweit das natürlich auf die Realität wiederspiegelt, bleibt natürlich fraglich. Die Sendung war ganz nett, ist bestimmt aber auch komprimiert in den Studien dargestellt. Iin Wirklichkeit ist das Ganze sicherlich viel aufwendiger.
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