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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

 Foto: berwis  / pixelio.de
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26.06.2012, 18.45 Uhr

Wunderwerk Gedächtnis

Wir benutzen es ständig und doch ist es uns zumeist nur bewusst, wenn es uns gerade im Stich lässt: das Gedächtnis. Es vollbringt auf der einen Seite erstaunliches. Alles was wir wissen und können wird rund um die Uhr von unserem Gedächtnis abgerufen. Also nicht nur die Namen unserer Kollegen oder die Hauptstadt von Frankreich, sondern auch Fahrrad fahren, Schreiben oder sogar Laufen.

Für Kinder ist der Aufbau des Gedächtnisses Schwerstarbeit. Sie müssen nicht nur lernen, wie man läuft und spricht. Sie müssen zudem die Bedeutung von einzelnen Objekten lernen, wie sie heißen und wie man mit ihnen umgeht. Das schaffen sie, indem sie sich Bewegungsabfolgen merken und möglichst bald nachmachen. Doch das ist noch lange nicht alles.

Kinder müssen ebenso lernen, was die Quelle ihrer Informationen ist. Also sich merken zu können, woher sie ein bestimmtes Wissen haben. Das können sie zumeist im Alter von drei Jahren noch nicht. Ebenso haben sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Erinnerung an ihr eigenes, früheres Ich. Das so genannte autobiographische Gedächtnis kommt erst etwa im Alter von 4 Jahren. Wohl jeder weiß um das Phänomen, dass man sich an Dinge vor dem 4./5. Lebensjahr nicht mehr erinnern kann.

Und es geht noch weiter, Kinder müssen außerdem ein Gedächtnis über das Gedächtnis aufbauen, das so genannte Metagedächtnis. Erst im Laufe des Schulalters können sie ihr eigenes Wissen und ihre eigene Leistungsfähigkeit immer besser einschätzen und zum Beispiel auch das eigene Lernen und Üben planen.

So beeindruckend wie das alles ist, so ist unser Gedächtnis aber auch geprägt von großen Lücken. Es gaukelt uns eine präzisere Erinnerung vor, als wir sie in Wirklichkeit haben. Die Lücken entstehen schon beim Abspeichern. Wir konzentrieren uns immer nur auf die Dinge die uns entweder sehr wichtig sind, oder aber die ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken. Alles andere wird schon mal pauschal ausgeblendet. Das führt auch dazu, dass wir bestimmte Informationen von vornherein ausblenden, wenn sie gerade nicht in das Bild von uns und der Welt passen. Weiterhin gelangt nur ein Bruchteil von den Dingen, auf die wir unsere Aufmerksamkeit lenken, dann auch wirklich ins Langzeitgedächtnis.

Nur das, was wir vorher so selektiv abgespeichert haben, kann am Ende auch aus dem Gedächtnis abgerufen werden. Doch auch die Zugänglichkeit von Erinnerungen schwankt erheblich und ist davon abhängig, wie lang die Gegebenheit her ist, oder wie intensiv man die Information abgespeichert hat. Wenn starke Emotionen anwesend waren, oder das Wissen regelmäßig geübt wurde geschieht das viel einfacher, als wenn man eine Information nur mal kurz und vor langer Zeit gesehen hat.

Kein Wunder also, dass die meisten Erinnerungen entweder ganz schnell komplett aus dem Gedächtnis verschwinden oder nur noch verschwommen anwesend sind – selbst bei emotional wichtigen Ereignissen wie Hochzeiten oder Urlauben. Forscher konnten in einer Studie ihren Probanden sogar falsche Urlaubserinnerungen einreden, in dem sie Fotos entsprechend manipulierten. Die Teilnehmer glaubten ihnen vor allem dann, wenn sie sich die Fotos aus ihrer Kindheit in irgendeiner Art und Weise erklären konnten. Wichtig für unser Selbstkonzept ist eigentlich nur, dass unsere Erinnerungen zusammen genommen logisch sind und unser Leben stringent als Geschichte erzählt werden kann. Alles was unlogisch ist oder unseren Selbstwert bedrohen würde verdrängen wir sowieso ganz gern.

Können wir uns also eigentlich gar nicht auf unser Gedächtnis verlassen? Nun, auch wenn einige Erinnerungen vielleicht nicht ganz korrekt wiedergegeben, so funktioniert unser Gedächtnis genau so wie es soll – nämlich, dass wir in unserer Gegenwart zurecht kommen und für die Zukunft planen können. Und da leistet es sehr gute Arbeit. Wer mehr zu dem Thema wissen möchte kann auf diese sehr interessanten Seiten schauen:

[www.wdr.de]
[www.wdr.de]
[www.planet-wissen.de]

Foto: berwis / pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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