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Krümels Reiseträume

(46 Einträge)

Rathaus in Belfast Oper in Belfast Black Cab Tour in Belfast
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19.10.2007, 11.08 Uhr

Belfast

Obwohl wir im September das doch ziemlich beängstigende Erlebnis eines Bombenalarms in Belfast schon hinter uns hatten (http://beta.landlive.de/articles/333/), entschlossen wir uns doch noch zu einem Sightseeing-Besuch. Wir wurden mit einem Belfast belohnt, das sich gleichzeitig von seiner schönen und freundlichen auch von seiner ernsten, politischen Seite zeigte.

Es war Ende November, die erste Weihnachtsbeleuchtung war gerade aufgehängt worden und die Sonne strahlte von einem wunderschönen blauen Himmel. Zuerst besuchten wir die typischen Sehenswürdigkeiten in Belfast. Dazu gehört das Rathaus, wo wir auch an einer kostenlose Führung teilnahmen (sehr empfehlenswert), die Oper, die mit ihrem Zuckerbäckerstil scheinbar in einer Konditorei gebaut worden ist, „The Crown Bar“, Belfasts berühmtestes Pub, und das Titanic Memorial. Fall sich jemand wundert, warum in Belfast ein Denkmal für die Opfer der Titanic steht – sie wurde hier gebaut! Belfast ist also wirklich sehenswert, vor allem weil in den letzten Jahrzehnten viel investiert, saniert und neu gebaut wurde, um aus der grauen Industriestadt eine reizvolle Metropole zu machen.

Was uns aber an Belfast eigentlich interessierte, war zu sehen, wie die Menschen mit dem Nordirland-Konflikt leben. So entschieden wir uns, eine „Black Cab Tour“ zu buchen, die Besucher mit den typisch britischen schwarzen Taxis durch die Viertel der Protestanten und der Katholiken fahren. In der Touristen-Information hängten einige Zettel mit verschiedenen Anbietern aus, die wir alle durchtelefonierten. Es war zwar etwas schwierig die Fahrer zu verstehen, mache reagierten auch etwas unhöflich. Zum Schluss saßen wir aber doch in einem Black Cab, die übrigens riesig sind (wir passten hinten locker zu fünft rein…), und die Fahrt ging los.

Zuerst fuhren wir durch die protestantischen Viertel. Hier sind die Bürgersteige blau, weiß und rot angemalt, die britische Flagge ist hochgezogen, und überall findet man riesige Wandbilder an den Häusern, die entweder den Einmarsch der Briten in Irland verherrlichen, oder die „Machenschaften“ (sprich Waffenhandel und Bombenanschläge) der IRA verteufeln. Im Katholischen Gebiet sieht es eigentlich gar nicht so anders aus, hier haben die Bürgersteige natürlich die Farben grün, orange und weiß, man sieht die irische Flagge und die Wandbilder behandeln Themen wie die „Große Hungersnot“ (für die die Briten ja auch zu einem großen Teil verantwortlich waren) oder den irischen Freiheitskampf. Beide Wohnviertel sind übrigens durch Schranken geschützt. Dazwischen befindet sich die „Peace Line“, eine Mauer zwischen den protestantischen und katholischen Bewohnern.

Der Taxifahrer versicherte uns, dass Touristen noch nie angegriffen worden seinen, was uns schon etwas beruhigte. Außerdem würde die Konflikte immer mehr abnehmen, und gerade in gebildeten Kreisen sehr er sowieso kein Thema mehr. Nur in den ärmeren Gebieten, würde es noch ab und zu eskalieren. So sahen wir auf dieser Fahrt eine Stelle mit frischen Blumen, wo erst wieder jemand erschossen worden ist. Das machte uns schon sehr betroffen.

Alles in allem fühlten wir uns nie in Gefahr. Und vor allem für mich war es interessant, da ich beim Studium einen tollen Kurs mit dem Titel „Modern Irish Culture“ belegt hatte, in dem es nicht nur um die aktuelle Kultur ging, sondern auch darum wie die irische Geschichte auf das moderne kulturelle Leben einwirkt. Ich bekam in dieser Zeit wirklich das Gefühl, dass der Konflikt ein tiefliegendes Trauma in den Köpfen der Iren ist, bei dem es nicht nur um 800 Jahre Unterdrückung sondern auch ganz viel um Identitätsverlust bzw. um die Wiederfindung und neue Definition der irischen Identität geht. Aber das zu erklären würde jetzt wirklich zu weit gehen. Falls jemand Interesse an dem Thema hat, weiß er ja, wo er mich findet.
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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