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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Alexander Klaus  / pixelio.de
134 mal angesehen
14.08.2012, 17.36 Uhr

Wie uns das Internet verblödet…

…also angeblich - wenn man dem Wissenschaftler Manfred Spitzer glauben will. Der hat nämlich die gewagte These aufgestellt, dass uns das digitale Zeitalter in die allgemeine Demenz führt. Diese hat er in seinem neuen Buch „Digitale Demenz“ groß und breit erörtert. Und weil es so schön polemisch ist, ging es heute und in den letzten Tagen durch Presse und Fernsehen. Es hat mich von überall her angesprungen und daher muss ich als jemand, der ja mit Internet & Co quasi aufgewachsen ist, doch mal was dazu sagen.

So, was hat Herr Spitzer jetzt eigentlich genau gesagt? Um es kurz zu sagen: er warnt vor der kompletten Verblödung durch die neuen Medien und durch so ziemlich alles, was einen Bildschirm hat. Durch Navigationsgeräte verlieren wir unser Orientierungsvermögen. Weil wir alles mal eben googeln können, können wir uns am Ende nichts mehr merken. Computer würden uns jegliche Art der geistigen Arbeit abnehmen. Zudem schädigen Computerspiele und Fernsehen die Gehirne unserer Kinder, sie machen sie unkonzentriert, apathisch und aggressiv und sie verhindern jegliche soziale Kompetenz – ganz zu schweigen von den körperlichen Schädigungen durch zu wenig Bewegung.

Sicherlich kann man einige negative Entwicklungen durch unsere Medienflut nicht mehr übersehen. Dass viele Kinder (und auch viele Erwachsene) zu viel und zu lange vor ihren Rechnern und Fernsehern sitzen und dabei körperlich abbauen und geistig ganz sicherlich nicht gefördert werden wage auch ich nicht zu bestreiten. Auch ist es heutzutage schwierig gerade ältere Kinder und Jugendliche vom Internet oder von Computerspielen wegzubekommen, weil sie einfach überall sind. Eltern schaffen es oft nicht, den Medienkonsum ihrer Kinder regulieren, weil sie es für sich selbst schon nicht schaffen.

Ebenso ist klar, dass es spiele- und onlinesüchtige Menschen ebenso gibt, wie solche, die durch die stände Infoflut und Erreichbarkeit ausbrennen und überfordert sind. Und schließlich geht es auch mir auf den Wecker, wenn Menschen in Restaurants ständig nur auf ihre Smartphones starren und teilweise Gespräche gar nicht mehr möglich sind (in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hat sich diese Unart Gott sei Dank noch nicht durchgesetzt). Ja, klar die neuen Medien haben ganz klar auch ihre negativen Seiten – und ich habe ganz sicherlich noch nicht alle aufgezählt.

Und dennoch halte ich es für völlig undifferenziert, Internet und alle anderen technischen Errungenschaften erst mal grundsätzlich zu verteufeln. Auch Spitzers Behauptung, dass sogar die Gefahr steigen würde, dass wir im Alter Jahre früher Demenz bekommen, weil wir unser Hirn nicht fordern, halte ich für völlig überzogen. Ich persönlich habe mir durch das Internet so viel Wissen angeeignet, das wäre durch altmodische Lexika nie möglich gewesen. Ich habe mich inspirieren lassen, neue Hobbies für das „reale Leben“ gefunden und mir durchaus praktische Fähigkeiten über das Internet angeeignet. Außerdem habe ich mich mit Menschen ausgetauscht, die ich ihm realen Leben nie getroffen hätte, weil sie irgendwo am anderen Ende von Deutschland wohnen. Das Internet ist ein alltägliches Informationsmedium für mich, so wie andere jeden Tag in die Zeitung schauen. Und ganz ehrlich, ich möchte es nicht mehr missen.

Ich denke auch, dass als ergänzendes Medium der Computer sehr wohl zur kindlichen Förderung gerade im Schulunterricht beitragen kann. Der Computer ist doch nur die Basis, es kommt doch immer darauf an, wie man ihn nutzt. Ob man den Kindern damit die Arbeit abnimmt oder sie damit herausfordert. Dabei ist es doch völlig klar, dass das keine Erfahrung im realen Leben und körperliche Bewegung ersetzen kann.

Aber am Ende ist es wohl wie mit Allem im Leben: die Dosis macht’s. Dabei ist es völlig egal, ob es sich dabei um Arbeit, Essen oder Medien aller Art handelt. Und man muss sein Leben bewusst gestalten und auf sich und seinen Körper hören. Da muss jeder seine Balance finden – und das ist ganz klar nicht immer einfach, auch für mich. Und auch ich gebe zu, dass ich mir Sorgen mache, wie dann erst die Medienwelt bei meinen Kindern aussehen wird und ob wir es schaffen werden, ihnen einen guten Umgang damit beizubringen und sie vor den dort lauernden Gefahren zu bewahren. Das ändert aber nichts an deren positiven Seiten. Es kommt doch immer darauf an, wie wir ein Medium nutzen, ob zur „bloßen“ Unterhaltung (was ja per se auch nicht verkehrt ist) oder zur persönlichen Entwicklung und Wissensaneignung. Das ist ja bei Büchern, Radio oder Zeitungen nicht anders.

Tja, ein langes Pamphlet heute, aber mich stören solche pauschalen Behauptungen. Schade, dass manche Autoren gern schwarz-weiß sehen. Naja, wahrscheinlich weil sich mit solchen starken Aussagen mehr Bücher verkaufen lassen…

Wer sich selbst mal ein Bild zu der sicherlich schwierigen Thematik machen will kann bei folgenden Links kucken oder einfach mal "Digitale Demenz" googeln.
[www.augsburger-allgemeine.de]
[www.ksta.de]
[www.psychologie-aktuell.com]
[www1.wdr.de]
[www.tagesspiegel.de]
[www.tagesspiegel.de]

Foto: Alexander Klaus / pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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Kommentare

15.08.2012 10:45 Eugenius
Liebe Krümel,
Dein Blogeintrag über Internetnutzung hat mich schon posetiv angesprochen. Allerdings hast Du nicht erwähnt, dass M.Spitzer seiner These ein wichtiges Wort voranstellt - nämlich " übertriebene Mediennutzung "
LG.
15.08.2012 11:34 kruemel
Lieber Eugenius!

Danke dir für deinen Kommentar! Tja, aber wo zieht man denn bei "übertrieben" die Grenze? Nach dem, was ich so gelesen habe, hab ich durchaus Gefühl, dass Herr Spitzer und ich da unterschiedliche Ansichten hätten...

Aber wie gesagt, ein schwieriges Thema, zu dem es sicherlich keine eindeutige Antwort gibt!
16.08.2012 09:14 Paradiesgarten

Die gesunde Mitte zu finden ist nicht immer einfach...
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