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moskau, russland
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19.10.2007, 11.08 Uhr

Moskau-Trip

Welches Jahr es war, weiß ich gar nicht mehr. Ich ging in das Dante-Gymnasium, ein neusprachliches Gymnasium in München, und wir waren die ersten, die das Angebot bekamen, Spanisch oder Russisch im Wahlfach zu belegen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nie und nimmer eine Latina bin (zu lange in der Sonne, und nur meine Sommersprossen vermehren sich auf der Haut; außerdem legt mich zu starke Hitze schachmatt). Also kam für mich neugierigen Mensch nur Russisch in Betracht. Mit meinen serbokroatischen Vorkenntnissen bildete ich mir zudem ein, gar keine Probleme erwarten zu können: Mein Russisch wird so einfach und selbstverständlich kommen, wie das Amen in der Kirche.

Tja, lange Rede kurzer Sinn: Nach sechs Wochen war mein Elan weg, die Kurs-Bücher verstaubten (wer Bedarf hat soll sich melden!) und ich suchte das Weite. Als nach einem halben Jahr allerdings eine Reise nach Moskau geplant wurde, war ich natürlich dann doch wieder dabei. Ich suchte mir einen Aushilfsjob und finanzierte die Reise damals mit dem Regale-einräumen bei einem Discounter.

Wir reisten von Sonntag nach Sonntag in die Hauptstadt der damaligen Sowjetunion. Gorbi war noch Generalsekretär, es gab keine anderen westlichen Touristen und wir genossen die Zeit dort. Auffällig waren einige Dinge: die Schönheit der Stadt, die Hilfsbereitschaft der Menschen (die mich grundsätzlich Russisch ansprachen; kann heute noch den Satz „Ich bin keine Russin!“) und die Armut, die schon damals wenn man genau hinsah erkennen konnte.

Nie und niemals wieder sah ich so viele ältere Leute, die kniend am Straßenrand um Kleingeld bettelten. Ich genoss die Reise (wundervolle Stadt & wundervolle Menschen), aber wenn ich heute noch an ein paar Eindrücke und Bilder mich zurückerinnere, zieht es mir das herz zusammen.
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Kommentare

04.06.2007 15:06 kruemel
Ja nje ponimaju... war mein Lieblingssatz und heißt: "Ich verstehe nicht". Ich war eine der wenigen, die an meiner Schule als zweite Fremdsprache Russisch gelernt hat. Ich hätte auch Französisch nehmen können, aber ich hab noch nie das gemacht, was alle anderen gemacht haben. Habe Russisch sogar bis zum Ende des Studiums durchgezogen, kann aber nicht behaupten mich mit einem Russen auch nur ansatzweise unterhalten zu können...

Aber sehr interessant, dein Bericht über Moskau, vor allem, weil es ja noch eine ganz andere Zeit war. Ich habs ja noch nie weiter als bis nach Prag geschafft... aber irgendwann würde ich gerne mal nach St. Petersburg. Vielleicht kann ich da mal meine Russisch-Kenntnisse anwenden .
04.06.2007 15:14 Katalin
kruemel schrieb:
Ja nje ponimaju... war mein Lieblingssatz und heißt: "Ich verstehe nicht". Ich war eine der wenigen, die an meiner Schule als zweite Fremdsprache Russisch gelernt hat. Ich hätte auch Französisch nehmen können, aber ich hab noch nie das gemacht, was alle anderen gemacht haben. Habe Russisch sogar bis zum Ende des Studiums durchgezogen, kann aber nicht behaupten mich mit einem Russen auch nur ansatzweise unterhalten zu können...

Aber sehr interessant, dein Bericht über Moskau, vor allem, weil es ja noch eine ganz andere Zeit war. Ich habs ja noch nie weiter als bis nach Prag geschafft... aber irgendwann würde ich gerne mal nach St. Petersburg. Vielleicht kann ich da mal meine Russisch-Kenntnisse anwenden .



ja, was uns allen damals ja nicht bewusst war..es war eine wendezeit. ein jahr später war gorbi von jelzin abgesetzt worden (sag ich mal) und es gab die udssr nicht mehr.

uj, dann habe ich ja einen neuigierigen leser, wenn ich bald meine st. petersburg impressionen reinsetze
04.06.2007 15:16 Katalin
kruemel schrieb:
Ja nje ponimaju... war mein Lieblingssatz und heißt: "Ich verstehe nicht". Ich war eine der wenigen, die an meiner Schule als zweite Fremdsprache Russisch gelernt hat. Ich hätte auch Französisch nehmen können, aber ich hab noch nie das gemacht, was alle anderen gemacht haben.


pps. bin genau so: die anderen stürmten damals die spanisch klassen (ob damals irgendein latino-sänger hoch im kurs war?), und wir russisch-kursler waren richtige "uncoole" außenseiter
04.06.2007 18:28 kruemel
Russisch galt bei uns auch nicht als viel cooler *lach*, zumal es kurz nach der wende war und viele erleichtert waren kein russisch mehr machen zu müssen (obwohl ich französisch jetzt nicht so dramatisch viel besser finde). Aber so was ist mir grundsätzlich wurscht. Und dann war ich noch viel uncooler und hab Latein gemacht. Mal abgesehen davon, dass ich alles getan hätte, um weniger Chemie zu haben .

Aer ich freu mich schon auf deine St-Petersburg Bilder, ist ja eine wunderschöne Stadt!
05.06.2007 18:02 Katalin
kruemel schrieb:
Russisch galt bei uns auch nicht als viel cooler *lach*, zumal es kurz nach der wende war und viele erleichtert waren kein russisch mehr machen zu müssen (obwohl ich französisch jetzt nicht so dramatisch viel besser finde). Aber so was ist mir grundsätzlich wurscht. Und dann war ich noch viel uncooler und hab Latein gemacht. Mal abgesehen davon, dass ich alles getan hätte, um weniger Chemie zu haben .

Aer ich freu mich schon auf deine St-Petersburg Bilder, ist ja eine wunderschöne Stadt!



ich war ja eine ganz abgehobene als teenie und habe um mich noch mehr abzuheben hebräisch gelernt.

vier jahre lang, ja ja. aber hat sehr spass gemacht, ist keine schwere sprache, bis auf die schrift wenn sie nicht punktiert ist.

wir unikate wir
06.06.2007 09:37 kruemel
WOW, jetzt bin ich beeindruckt... Ich hab mich mal ein Jahr freiwillig an altgriechisch versucht, weil unser Lateinlehrer das angeboten hatte und der war total nett. Allerdings habe ich es dann auch freiwillig wieder aufgegeben

Das dumme an Sprachen ist bei mir immer: ich bin für viel zu begeistern, fange viel an, aber können kann ich nur Englisch *lach*. Meine zwei Jahre Französisch im Studium (bei denen ich mir 80% selbst angeeignet habe, weil die Lehrer unfähig waren) sind schon wieder so gut wie flöten gegangen, Russisch ist so lala (zumindest schriftlich), und von meinem Volkshochschulkurs Italienisch ganz zu schweigen. Fehlt halt die Übung...
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