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Biodiversität: Bienen und Agrikultur Biodiversität: Bienen und Agrikultur Biodiversität: Bienen und Agrikultur
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22.12.2007, 11.35 Uhr

Biodiversität: Bienen und Agrikultur

Völkerverluste und Bienenforschung.

Veranstaltet vom Zentrum für Öffentliche Forschung Gabriel Lippmann, dem Luxemburger Landesverband für Bienenzucht und dem Bienenzuchtverband Bezirk Capellen fand am 16. und 17. November 2007 in Schloss Mamer nahe der Hauptstadt Luxemburg die internationale Konferenz zum Thema „Bienen: Agrikultur und Biodiversität“ statt.

Wissenschaftler und Imkervertreter aus Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland berichteten und diskutierten über die Völkerverluste der europäischen Imker. Als Ursachen der Bienenverluste nannten sie das Auftreten von Parasiten und Krankheiten sowie Schadstoffe wie die Verwendung von neurotoxischen Pflanzenschutzmitteln.

Um die Imkerei aus ihrer Krise führen zu können, braucht man wissenschaftliche Studien, die Zusammenhänge zwischen Agrikultur, Biodiversität (der Vielfalt des Lebens) und Bienen untersuchen. Wie wichtig die Bienen sind, fasste Dr. Bernard Vaissière aus Avignon so zusammen: „Allein 57 Pflanzenarten auf der Welt tragen 80% zur Ernährung der Welt bei. Abhängig von der Bestäubung durch Bienen sind wiederum 80% dieser Pflanzenarten.“

Wer den wissenschaftlichen Vorträgen an beiden Tagen zuhörte, dem musste zwangsläufig das Bild von den „Mühen der Ebene“ in den Sinn kommen. In den beteiligten Ländern findet eine Fülle hoch spezialisierter Forschungen statt. Die Kunst besteht darin, diese Forschungen zu bündeln, zusammenzuführen und richtige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die Abgeordnete im Europaparlament Erna Hennicot-Schoepges aus Luxemburg vermittelte einen Eindruck von der Schwierigkeit, politisch mit diesen komplexen Problemen im Gesetzgebungsprozess umzugehen. Sie verfüge über wissenschaftliche Mitarbeiter, die eigene Fachkunde mitbrächten. Die Lobby der Firmen sei stark und aggressiv. Die Zulassungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel und Saatgutbehandlung müssten aber im ökologischen Interesse streng gehalten werden. Ihr Ziel sei das Verbot der Neurotoxine.

Die Fortschritte in der Labortechnik der französischen Vertreter Dr. Jean-Marc Bonmatin aus Orléans und Dr. Luc Belzunces aus Avignon bedeuten, giftige Stoffe in winzigster Konzentration von bis zu 0,07 ppm (ppm ist ein Milliardstel Gramm) pro Gramm nachzuweisen. Konkret kann man also einzelne Moleküle einer Substanz in kleinen Messeinheiten wie Tropfen feststellen, das entspricht schon der Quantität homöopathischer Dosen. Man begutachtet die Wirkungen neurotoxischer Mittel wie Fipronil oder Imidacloprid auf Bienen. Die Wissenschaftler untersuchen mit aufwendigen, komplexen Methoden die Wirkungen der neuesten Generation der Pflanzenschutzmittel, der Neonicotinoide auf Natur und Bienen.

Janine Kievits und Etienne Bruneau aus Belgien kritisierten grundsätzlich die europäischen Zulassungsverfahren und die Risikoabschätzung für Bienen. Sie forderten nach detaillierter Begründung, den Verbrauch der Pflanzenschutzmittel insgesamt zu kontrollieren und die Zulassungstests neu zu entwickeln.

Aus Deutschland sprach die Wissenschaftlerin Rebecca Basile vom Biozentrum der Universität Würzburg. Ihr Vortrag über Thermoregulation und Ressourcenmanagement im Bienenvolk zeigte Grundlagenstudien über das Verhalten von Honigbienen, die heute mittels raffinierter Technik wie Wärmebildkameras möglich sind.
Dr. Ingrid Illies aus Veitshöchheim stellte eine Systematik von Bienenverlusten durch Krankheiten, Schädlinge, Ernährungsprobleme und Vergiftungen auf.
Dr. Peter Rosenkranz aus Hohenheim beschrieb die Arbeit als Leiter des deutschen Bienenmonitorings. Die Arbeit beginne nicht im Labor, sondern am Bienenvolk. Häufig seien nach Völkerverlusten keine Feststellungen mehr möglich gewesen, weil es kein untersuchbares Material aus der Vorgeschichte gegeben habe. Deshalb würden systematisch Proben aus der Nahrung der Bienen in großer Zahl gesammelt und eingefroren, um im Schadensfall über Material zu verfügen. Man sei seit neuestem in der Lage, 270 Stoffe labortechnisch bis auf 1 ppb, also 1 Milliardstel Gramm pro Gramm zu finden. Das Arbeitsvolumen aber, um dies alles zu bewerkstelligen sei riesig.

Zum Abschluss die Rundfrage zur Bedeutung der vorgelegten Studien. Alle Wissenschaftler waren sich darin einig, dass ohne Biodiversität, ohne die Vielfalt des Lebens einfach alles verschwindet. Sämtliche Möglichkeiten, blühende Landschaften zu schaffen müssten deshalb genutzt werden. Es müsse aber auch möglich sein, in großen agrarischen Flächen Bienen zu halten. Dies sollte eine zentrale Forderung an die Politik sein und auch im langfristigen Interesse der Landwirtschaft und Agrarlobby liegen.
Denn die Bienen seien Bestandteil allen Lebens, zu ihnen gebe es keine wirkliche Alternative.

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