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Varroabehandlung

Bruttürme, als Behandlungsalternative (2 Einträge)

364 mal angesehen
22.07.2016, 23.10 Uhr

Bruttürme, als wirksames Mittel zur Varrobekämpfung



Varroabehandlungsmethoden gibt es viele, aber selten mit dem erhofften Erfolg. Zu sehr wird auf die Wirkung der Behandlungsmittel gesetzt, aber nicht beachtet, dass die Erfolgsquote sinkt, um so mehr Milben vorhanden sind. Zudem ist ein rechtzeitiges handeln wichtig um eine Überschreitung der Schadschwelle zu verhindern. Wer hinterherläuft, hat schon verloren. Wer einen gewissen Aufwand scheut, sollte über Verluste nicht klagen.

Sinn und Zwecke der Bildung von Bruttürmen besteht darin, die in den Völkern vorhandene Brut zu separieren. Alleine damit wird eine drastische Milbenreduktion erreicht, denn 80 % der Milben sind in der Brut. Eine 80%ige Reduktion ist sonst nur schwerlich zu erreichen und dies ganz ohne Chemie oder Schädigung der Bienen durch Säuren etc.

Bei den nun brutfreien Völkern ergibt sich eine äußerst günstige Behandlungssituation, denn es macht einen wesentlichen Unterschied, ob beispielsweise 1000 Milben oder nur 200 Milben, zur Behandlung, vorhanden sind und zudem der Reproduktionszyklus, für 7 Tage noch unterbrochen ist. Innerhalb dieser Woche kann beispielsweise mit der relativ mild auf die Bienen wirkenden Milchsäure, bei mehrmaliger Anwendung, eine hohe Effizienz erreicht werden. Auch wenn der Wirkungsgrad nur bei ca. 60 % liegen soll, wäre (zumindest theoretisch) bei dreimaliger Anwendung, eine Reduktion von 200 auf 12 Milben erreichbar. Dies wäre ein Wert, der sicherlich weit unter der üblichen Ausgangsbelastung im Frühjahr liegen würde. Eine effektive Winterbehandlung wäre trotzdem nicht zu vernachlässigen.

Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die bereits von Milben geschädigten Völker sich schnell erholen können und gesunde, vitale Jungbienen im Juli/August, zur Erzeugung gesunder, vitaler und langlebiger Winterbienen zur Verfügung stehen. Die bis etwa Oktober stattfindende Milbenvermehrung kann sich dann aber nicht mehr schädigend auswirken. Der Einsatz aggressiver Säuren (AS), die wiederum schädigend auf die Bienen wirken, kann im Regelfall entfallen. Sofern AS doch eingesetzt wird, kann keine Brut geschädigt werden und eine mögliche Schädigung des nackten Volkes, wird wieder durch das nachfolgende Schlüpfen der gesunden Folgebrut wettgemacht.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass diese brutfreien Völker problemlos umgeweiselt werden können.

Nachteilig ist der erhöhte Arbeitsaufwand, doch wenn die Brutentnahme mit dem Abschleudern verbunden wird, ist es nicht viel mehr als eine intensive Völkerkontrolle. Das Besprühen mit MS führe ich erst in den Folgetagen durch. Eine sofortige Behandlung nach der Brutentnahme ist nicht ratsam. Einerseits fliegen doch noch auf den Brutwaben befindliche Bienen zurück und andererseits ist beim Abräumen mit einhergehender Brutentnahme der Tumult zu groß.

Die Brut mehrer Völker wird in Bruttürmen zusammengefasst und alle 7 Tage werden die ausgelaufenen Waben entnommen. Somit reduziert sich der Turm nach und nach und die geschlüpften Jungbienen werden auch etappenweise entnommen, behandelt und verwertet.
Bei diesen entnommenen Bienen sollte aber unbedingt beachtet werden, dass sie den höheren Anteil an Milben auf sich vereinigen, als die Altvölker. Mehrfachbehandlung und Kontrolle des Milbenfalls ist angebracht. Diese effektiv behandelten Jungbienen eignen sich hervorragend für Ablegerbildung oder Kunstschwärme. Aufgrund der vorhandenen Bienenmasse von mehr als 100 000 Bienen in einem Brutturm, muss nicht gekleckert werden. Da kann man richtig klotzen und starke Ableger mit jungen Königinnen erstellen. Natürlich muss der Königinnenbedarf bereits vorher, zumindest annähernd, ermittelt und rechtzeitig mit einer Vermehrungszucht begleitet werden.

Beim Erstellen eines Brutturms hänge ich eine Bannwabe mit Königin ein. Somit entsteht keine Weisellosigkeit und Nachschaffungzelle werden kaum ausgebildet. Alle 7 Tage wird die Königin entnommen und auf eine neue Bannwabe gesetzt. Die abgefegte, bestiftete Wabe wird einem bereits sanierten Volk zugesetzt. Milbenübertragung findet nicht statt weil die Brut noch nicht verdeckelt ist.

Diese Methode ist sehr wirkungsvoll und bietet eine Reihe anderer Vorteile. Man kann mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, doch es darf eines höheren Materialaufwands und mehr Zeit und es führt zwangsläufig zu einer Völkervermehrung. Doch lieber etwas mehr gesunde Völker schaffen, als später über Zusammenbrüche klagen.

Die auf dem Foto gezeigten Bruttürme beinhalten die Brutwaben von insgesamt 8 Völkern. In jedem Turm sind 45 Brutwaben. Nach dem Schlüpfen ist somit pro Turm, eine Bienenmasse von mindestens 120 000 Jungbienen, zuzüglich der übertragenen Pflegebienen vorhanden.

Die zu dieser Jahreszeit, üblicherweise, nutzlos vorliegenden Bienenbärte bei den Altvölkern verschwinden. Trotzdem sind noch ausreichend Bienen vorhanden, die nun vermehrt das Brutgeschäft ankurbeln und für ausreichend Pollen sorgen. Für ausreichend Futter muss der Imker durch kontinuierliche Fütterung sorgen.

Mit dieser Methode habe ich die besten Erfahrungen gemacht und kann es nur weiter empfehlen. Hervorragende Überwinterungen und zügige Entwicklung im Frühjahr, nicht nur auf Grund von Bienenmasse, sondern vorrangig infolge langlebiger Bienen, sind das Ergebnis rechtzeitiger und effektiver Behandlung.
Ob jemand diese Methode oder eine andere anwendet, wichtig ist immer, dass die Milben mit der Brut entnommen werden. Begleitet mit Behandlungsmaßnahmen kann so eine drastische Reduzierung der Milben erreicht werden. Derartige Völker habe die besten Voraussetzungen, vitale und langlebige Winterbienen zu erzeugen. Volksstärke im Winter bedeutet noch wenig. Wichtig ist die verbleibende Stärke und die Vitalität im Februar/März.

LG
Imka

Nachtrag vom 27.9.2016

Leider hat sich bei der praktischen Anwendung gezeigt, dass die Wirkung der Milchsäure geringer ist, als stets propagiert und angenommen wird. Während im Vergleich, die mit Perizin besprühten nackten Bienen, Ende September, kaum Milben hatten, zeigte sich doch eine deutliche Milbenvermehrung bei den mit Milchsäure behandelten Völkern. Befallskontrollen sollten deshalb durchgeführt werden.
Ideal wäre es, wenn ein hochwirksames, sprühbares Mittel zur Behandlung der nackten Bienen oder von Schwärmen eingesetzt werden könnte. Leider gibt es hierfür keine Zulassung.

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Imka

Imka

Alter: 70 Jahre,
aus Bamberg

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Kommentare

29.07.2016 08:52 Nixi
Sehr guter Beitrag, herzlichen DANK!
27.09.2016 14:14 Blattschreck
Hallo Imka...
habs kopiert und in meine Arbeitsmappe gelegt..
...kommt nächstes Jahr zur Anwendung.

Danke
LG
Blattschreck
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