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Hummeln als unfreiwillige Transportflieger
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23.12.2007, 17.12 Uhr

Hummeln als unfreiwillige Transportflieger

Ein Konvolut ist laut Duden ein Bündel von Schriftstücken.
Ein solches konnte ich unlängst bei einem Antiquar erstehen - es handelte sich bei dem Konvolut um eine Reihe von Sonderdrucken aus dem Werk von Prof. Karl von Frisch, dem Entdecker der Bienentanzsprache und Nobelpreisträger von 1973.

Ich wäre jetzt zum Beispiel in der Lage, hier den grundlegenden Aufsatz „Die ‚Sprache’ der Bienen“ in türkischer Sprache vorzulegen; keine Angst, das tue ich aber nicht.

Über „Hummeln als unfreiwillige Transportflieger“ hat Prof. Karl v. Frisch 1952 einen Aufsatz verfasst, bei der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft zu Frankfurt a. M. - diese Geschichte ist phantastisch, sie will ich hier vorstellen.

Der die Hummeln betreffende Vorgang ist laut Prof. v. Frisch sehr selten. Es gibt nämlich einen Käfer, eine Käfermutter, die eine Hummel als Flugzeug benützt, um in ihr Nest zu gelangen und dort ihr Eier abzulegen. Es handelt sich um die Gattung Antherophagus, die durch drei Arten in Deutschland vertreten ist.

Karl von Frisch hat das Schauspiel selbst gesehen und untersucht. Nach seinem Präparat ist die Abbildung hergestellt. Er zitiert aber auch die „schönen Beobachtungen“ des steiermärkischen Entomologen und Hummelforschers E. Hoffer. Dieser sah am 20. August 1883 mehr als eine Viertelstunde einem Arbeiter der Steinhummel zu, der Scabiosen (Kardendisteln) besuchte.

„Nachdem er nun auf einer Blüte eine Zeitlang gesammelt hatte, fiel er beim Auffliegen plötzlich zur Erde, wie vom Schlage gerührt. Da ich keine sichtbare Ursache dieser Erscheinung bemerkt hatte, fing ich schnell die Hummel ab und untersuchte sie. Und schon der erste Blick zeigte mir den Grund: auf dem rechten Hinterfuße hing ein Antherophagus nigricornis, und zwar so fest, dass er den Fuß selbst dann nicht ausließ, als ich ihn ergriff und wegreißen wollte. Ich gab nun der Hummel die Freiheit, sie flog geradenwegs zu ihrem Neste, das ich auf diese Weise entdeckte, und der Käfer hing, solange ich es überhaupt wahrnehmen konnte, an ihrem Tarsus. Hierdurch auf diese auffallende Erscheinung aufmerksam gemacht, suchte ich von nun an mit größtem Eifer zu ergründen, wie es der Käfer mache, um sich bei der Hummel festzubeißen.“ (...)

Die Kardendisteln waren voller Käfer. Merkwürdigerweise wurde keines der honigsammelnden Männchen des Bombus lapidarius von den Käfern gepackt. Weil die Männchen nicht in die Nester fliegen, kommen sie für einen Transport nicht in Frage. Die Käfer unterscheiden die Hummeln an ihrem Geruch.

Wahrscheinlich wird das Hummelweibchen durch das zwickende Anhängsel veranlasst, seinen Sammelflug abzubrechen und auf kürzestem Wege heimzukehren, wodurch dem ungebetenen Gast nur noch besser gedient ist.
Er hat sein Ziel erreicht und legt seine Eier, wie es ihm vorgegeben ist, in das Hummelnest.
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Schlagwörter

antherophagus, hummeln als unfreiwillige transportflieger, karl von frisch

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