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Waldgucker

Passion Naturbeobachtung (3 Einträge)

Ameisenhügel Waldameise
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12.07.2017, 09.02 Uhr

Ameisen - zwischen Plage und Nützling

Ein Artikel von www.waldgucker.com

Der Blog heißt Waldgucker – was sieht man alles wenn man in den Wald hineinschaut? In erster Linie natürlich Bäume und Sträucher, mit viel Glück und Geduld auch deren Bewohner, die verschiedensten Säugetiere und Vögel. Siehe hier unter Tipps

Doch beherbergt der Wald noch viel mehr, nämlich eine riesige Vielfalt an Insekten, die das Ökosystem am Laufen halten.

Waldameisen

Ameisen werden oft als Plage und Schädling angesehen, im Gärten und Parks empfindet man ihre Anwesenheit als lästig, sie können Isolierungen von Häusern zerstören und werden daher bekämpft.

Obwohl sie eigentlich sehr nützlich sind.

Richtig gelesen -> besonders im Wald spielen sie eine bedeutende Rolle. In Deutschland sind beispielsweise 23 Arten der Waldameisen in 4 Untergattungen vertreten. Eine davon ist die Rote Waldameise.

Im Wald erfüllen sie die verschiedensten „Funktionen„:

•Verbessern die Belüftung und somit auch die Fruchtbarkeit des Waldbodens

•Verhindern eine Massenvermehrung von Schädlingen

•Beseitigen als Aasfresser tierische Überreste -> daher auch als „Gesundheitspolizei des Waldes“ bezeichnet

•Verbreiten die Samen einheimischer Pflanzen

•Sind eine Nahrungsquelle verschiedener Insekten – und vor allem Vogelarten

•Der Bau ist ein „Wellnesstempel“ für Vögel – sie hudern ihr Gefieder darin, um es von den Ameisen von Parasiten befreien zu lassen

•Sind Förderer des für viele Insekten notwendigen Honigtaus

•Sind in ihren Nesthügeln „Gastgeber“ für andere Insekten (Eiablage etc)

Ich kann mich noch gut erinnern wie es in meiner Kindheit die über 1 Meter hohen Hügel in fast jeden Waldstück gab. Doch mittlerweile ist deren Anzahl stark zurück gegangen. Das liegt u.a an dem vielen Insektizideinsatz und dem vielen Schwarzwild.

Mehr Wissenswertes

Die Rote Waldameise oder Formica rufa beschreibt eine Ameisenart innerhalb der Hautflügler, die in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas, Asiens und Nordamerikas beheimatet ist. Sie lebt in Nadel- und Laubwäldern, die mit unterschiedlichen Baumarten bewachsen sein können.

An sonnigen Waldrändern und Lichtungen bauen die Roten Waldameisen aus Zweigen, Fichtennadeln und anderem Pflanzenmaterial ihre großen Ameisenhügel, die von bis zu zwei Millionen Individuen bevölkert sein können.
Die Ameisenhügel dienen den Tieren als Vorratsspeicher sowie als Brutstätten. In den darin befindlichen weit verzweigten Kammern und Gängen, die sich zum Teil auch unterirdisch fortsetzen, werden die Eier abgelegt und die Larven vor Fressfeinden geschützt.
Unterhalb des Ameisenhügels überdauert die gesamte Kolonie die kalten Wintermonate. Die Gänge sind so angelegt, dass kein Wasser eindringen kann und kleine Schäden innerhalb kurzer Zeit behoben werden können.

Auf der Suche nach Nahrung bewegen sich die Roten Waldameisen nie weiter als fünfzig Meter vom Bau weg. Dabei folgen sie Ameisenstraßen, die mit Pheromonen markiert werden.

Die Arbeiterinnen werden zwischen fünf und sieben Millimeter lang und besitzen kurze Flügel sowie verkümmerte Geschlechtsorgane. Die Königinnen werden bis zu elf Millimeter lang und sind flügellos.

Der Körper der Roten Waldameise besteht aus dem schlanken Vorderleib und dem rundlicheren Hinterleib mit zwei abgeschnürten Gliedern dazwischen, die maximale Beweglichkeit ermöglichen.
Hinterleib, Beine und Kopf erscheinen in einem dunklen Schwarzbraun, der Rest des Körpers ist intensiv rot gefärbt.

Innerhalb des ausgeprägten sozialen Gefüges einer Kolonie sind nur die Königinnen für die Fortpflanzung zuständig und legen ab März unentwegt Eier.
Die Männchen sterben unmittelbar nach der Paarung, die Jungköniginnen bewahren den Samen in der sogenannten Samentasche auf. Sie gründen entweder einen neuen Staat oder dringen in Ameisenbauten ein, töten dort die Königin und übernehmen deren Rolle.

„Aufgabenverteilung“
Innendienst: Weckerinnen, Wärmeträgerinnen, Speichertiere, Königspflegerinnen, Brutpflegerinnen, Beutezerlegerinnen, Nestreinigerinnen, Wächterinnen
Außendienst: Jägerinnen, Trägerinnen, Sammlerinnen, Materialbeschafferinnen, Straßenbauerinnen, Blattlauswächterinnen, Blattmausmelkerinnen

Und noch etwas zum Bau:

Waldameisen sind perfekte Baumeister. Das Nest wird in der Regel über einem abgestorbenen Baumstamm an leicht beschatteten Stellen am Waldrand errichtet. Ein Nesthügel kann überirdisch bis zu zwei Meter hoch werden. Zahlreiche Gänge und Kammern durchziehen auch unterirdisch das Nest. Sie dienen als Nistkammern zur Eiablage und Aufzucht der Brut und Vorratshaltung.
Die Nester sind keine statischen Gebilde sondern befinden sich ständig im Umbau. Als Baumaterial dienen Nadeln von Kiefern und Fichten aber auch Rinde oder kleinere Holzstücke. Kleine Steine und Baumharz mit Desinfektion wirkendem Einfluss werden verbaut. Um den Zersetzungsprozessen des Materials vorzubeugen wird das Pflanzenmaterial ständig ausgetauscht, wobei nasses Nestmaterial nach außen und trockenes nach innen transportiert wird. Dabei versuchen die Tiere, im Nest eine konstante Temperatur zwischen 20° und 30° C zu halten. Das erreichen sie einerseits durch die Eigentemperatur der Tiere und andererseits durch die Wärme, die bei der Zersetzung des Pflanzenmaterials entsteht. Hinzu kommt die Wärme durch Sonnenstrahlung, die das Nest absorbiert. Die Menge wird dabei durch die Größe und Kuppelform des Nestes geregelt. Zusätzlich regulieren die Tiere die Temperatur durch das öffnen und schließen der Gangsysteme.
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