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Varroabehandlung

Bruttürme, als Behandlungsalternative (2 Einträge)

Phoretische Phase
414 mal angesehen
08.10.2017, 19.49 Uhr

Gründe für explosionsartigen Anstieg der Milbenvermehrung im Aug./September

Obwohl in den Monaten Juni/Juli, die Milbenbelastung oft geringfügig erscheint, steigt der Milbenbefall, ab etwa August bis Ende September, oft explosionsartig an. Allein mit der gängigen Formel der monatlichen Verdopplung lässt sich dies nicht mehr erklären. Diese Abläufe sind zwar sehr komplexer Natur und sicherlich nicht bis ins Detail exakt zu definieren, doch mache ich hauptsächlich folgende Faktoren dafür verantwortlich:

1. In den Vormonaten hat er Brutumfang seinen Höhepunkt erreicht und die Milbenvermehrung begünstigt. Die Milben können das für sie enge Zeitfenster, in dem sie in die kurz bevorstehende Zelle gehen können, infolge der großen Brutmasse, effektiver nutzen.
Der übliche Vermehrungsfaktor von 2 erhöht sich deutlich und im Zeitraum August/September dürfte alleine deswegen eine monatliche Verdreifachung stattfinden.

2. Je höher der Milbenbefall ist, desto höher ist auch die Anzahl der Altmilben, von denen ein Teil, 2 – 3 mal, in die reproduktive Phase geht. Gegenüber den schlüpfenden, adulten Jungmilben, die länger in der phoretischen Phase verharren (5 – 10 Tage), zwecks Ausreifung der Eierstöcke und um für die bevorstehende reproduktiven Phase die nötige Energie aufzunehmen, ist die phoretische Phase bei den Altmilben sehr verkürzt. Sie gehen bereits nach kurzem Aufenthalt (ca. 2 – 3 Tage), auf einer Ammenbiene, wieder in eine Zelle und tragen somit zusätzlich zu einer effizienteren Milbenentwicklung bei. Die kurze Verweilzeit auf den Ammenbienen, dient weniger der Nahrungsaufnahme, sondern dem Transport zu einer vor der Verdeckelung stehenden Zelle.

Bei den Altmilben ist die Eireife bereits aktiviert und die Eiablage erfolgt deshalb früher, als bei Milben, die erstmals Berührung mit der Bienenbrut haben. In der Folge können dann während der reproduktiven Phase (13 – 15 Tage) auch mehr adulte Milben erzeugt werden. Wenn dies im Ergebnis nur eine Milbe mehr ist (rechnerisch sind es eher zwei), kann dies wesentlich zur Steigerung der Gesamtmilbenanzahl beitragen.

Bei den Jungmilben ist die Eireife während der phoretische Phase arretiert und erst nachdem sie eine Zelle besetzt haben setzt die Eireife ein. Nach 60 Stunden wird das erste Ei abgelegt und in Abständen von etwa 30 Stunden weitere, bis zu einem halben Dutzend. In der Regel haben sich bis zum Schlüpfen der Jungbiene dann 2 – 3 adulte Milben entwickelt.

Es gibt aber auch noch Anzeichen dafür, dass durch hormonelle Einflüsse, insbesondere des Juvenilhormons (Entwicklungshormon), die Vermehrungsrate, im Jahresverlauf, beeinflusst wird. Zum Beispiel erzeugen Milbenweibchen nach einem Zwischenaufenthalt auf Winterbienen mit niedrigem Hormonspiegel weniger Nachkommen als Milben, die auf Sommerbienen mit bedeutend höherer Hormonkonzentration schmarotzen konnten.

Der exlosionsartige Milbenvermehrung kommt offensichtlich durch diese zusätzlichen, sich häufenden, günstigen Faktoren im August/September zustande. Erst bei deutlichem Brutrückgang verschlechtern sich diese Faktoren immer mehr und damit reduziert sich die Vermehrungrate drastisch. Während die Altmilben nach und nach absterben, gehen die jungen „Wintermilben“ in einen Standby-Modus über und werden erst wieder bei Brutbeginn aktiv.

Nur durch frühzeitige und wirksame Behandlung, bereits im Juli, kann vermieden werden, dass es zu einer derartigen, explosionsartigen Milbenvermehrung kommt, die dann häufig zum Zusammenbruch in den Monaten September und Oktober führt oder Schädigungen auftreten, die zu einer mangelhaften Masse an Winterbienen führen. Zusätzlich steigt bei übermäßigem Befall das Risiko der Übertragung des DWV-Virus enorm an. Völker, bei denen im Herbst DWV-Symptome auftreten sind unrettbar verloren, weil der Neuaufbau gesunder und langlebiger Winterbienen nicht mehr möglich ist.

Auch wenn bei der Sommerbehandlung (Juli – Anfang August) nicht alle Milben eliminiert werden und in der Folgezeit, solange Brut vorhanden ist, die Vermehrung fortschreitet, ist die Gefahr von Völkerzusammenbrüchen gebannt. Bei der Wahl der Behandlungsmittel sollte aber ganz besonders darauf geachtet werden, dass diese die Bienen und die Brut nicht schädigen und es nicht zu einer Einschränkung der ohnedies zurückgehenden Legeleistung der Königin kommt. Überwinterungsverluste sind vorrangig einer zu geringen Masse an gesunden, vitalen und langlebigen Winterbienen geschuldet und nicht unmittelbar die Folge der Varroamilben.
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Imka

Imka

Alter: 69 Jahre,
aus Bamberg
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Kommentare

09.10.2017 05:59 Bienenfamilie
Sehr schön und verständlich ausgearbeitet. Die Brutentnahme und effiziente Behandlung im brutfreiem Zustand ist die wichtigste Maßnahme zur Varroabehandlung bzw. zur Reduktion der Milbe.
Liebe Grüße,
Daniela
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